Erste Pfeile fliegen: Darts-Abteilung des TV Germania startet im Waldstadion

Das erste Spieltreffen mit Abteilungs-Initiator „Andi“ Veith 4. v.l.

(fwu – 12.06.25) Manche Sportarten brauchen eine große Halle, andere einen Rasenplatz, wieder andere einen ganzen Fuhrpark an Geräten. Darts dagegen benötigt vor allem eine Scheibe, ein paar Pfeile und Menschen, die bereit sind, sich von einer erstaunlich kleinen Zielscheibe regelmäßig eines Besseren belehren zu lassen. Genau das geschah am Mittwochabend beim ersten Spieltreffen der neu gegründeten Darts-Abteilung des TV Germania St. Ilgen.

Gespielt wurde im Waldstadion unter der großen überdachten Pergola – oder wie auch immer man diese Mischung aus Freiluftwohnzimmer, Vereinsheim-Erweiterung und Wetterschutzarchitektur nennen möchte. Jedenfalls trocken, geräumig und bestens geeignet für fliegende Pfeile.

Von Badminton zu Darts

Die neue Abteilung geht auf die Initiative von Andreas „Andi“ Veith zurück. Nachdem er bereits vor einem Jahr die Badminton-Abteilung des Vereins ins Leben gerufen hatte, entstand die Idee, auch seiner zweiten sportlichen Leidenschaft einen Platz im Vereinsleben zu geben.

Ein wenig Vorarbeit hatte die Idee allerdings schon hinter sich. Veith war zuvor auf den Dartspub Walldorf e.V. aufmerksam geworden, über den diese Zeitung berichtet hatte. Der Verein tritt zwar unter dem Namen Walldorf auf, gespielt wird jedoch in St. Leon-Rot. Für Veith war das keine ideale Lösung. Eine halbe Stunde hinfahren, eine halbe Stunde zurückfahren und dazwischen ein oder zwei Stunden spielen – das erschien ihm etwas unverhältnismäßig. Also entstand die naheliegende Überlegung: Warum nicht einfach in St. Ilgen selbst eine Darts-Gruppe aufbauen?

Obwohl Veith selbst bislang also nie in einem Dartverein aktiv war, stieß sein Vorschlag bei der Vereinsvorsitzenden Britta Kettenmann und dem Vorstand erneut auf offene Ohren. Neue Ideen scheinen beim TV Germania grundsätzlich gute Startbedingungen zu haben – was keineswegs in jedem Verein selbstverständlich ist. So entstand innerhalb weniger Monate eine neue Sparte, die zunächst vor allem eines sein soll: ein Angebot für Menschen, die gemeinsam spielen und Spaß haben möchten.

Zwei Scheiben und moderne Technik

Für den Start stehen derzeit zwei elektronische Wettkampfscheiben mit Ringbeleuchtung zur Verfügung. Hinzu kommen mehrere hochwertige Dart-Sets mit austauschbaren Spitzen. Finanziert werden konnte die Ausstattung durch eine Spende von Edeka Walter. Über die Vereinskarte wird dort ein Prozent des Einkaufsumsatzes dem Verein gutgeschrieben. Die offizielle Spendenübergabe fand erst einen Tag zuvor, am 10. Juni, statt.

Wer glaubt, Darts bestehe nur aus Pfeilen und Kreidetafel, wurde beim Spieltreffen eines Besseren belehrt. Veith verfügt zu Hause über eine eigene kleine Darts-Anlage mit moderner Auswertungstechnik. Dort erfassen mehrere Kameras die Würfe automatisch und übertragen die Ergebnisse direkt in eine Software.

Das Zählen übernimmt heutzutage der PC/Laptop

Beim ersten Vereinstreffen kam zwar eine etwas einfachere Variante zum Einsatz, doch auch hier übernahm ein Laptop die Zählerei. Die getroffenen Felder wurden per Mausklick eingetragen, den Rest erledigte die Software. Früher schrieb man Punktestände mit Kreide an Tafeln. Heute rechnet ein Computer mit. Der technische Fortschritt macht selbst vor der Doppel-20 keinen Halt.

Die erste Lektion: Die Scheibe ist kleiner als gedacht

vorne: Die Vereinsvorsitzende Britta Kettenmann

Gut ein Dutzend Vereinsmitglieder hatte sich zum ersten Spielabend eingefunden, darunter auch die Vereinsvorsitzende Britta Kettenmann. Um den unterschiedlichen Erfahrungsständen gerecht zu werden, organisierte Veith zwei Spielgruppen. An einer Scheibe standen komplette Neulinge, an der anderen Spielerinnen und Spieler, die bereits gelegentlich Darts geworfen hatten, jedoch ohne Wettkampferfahrung.

An der Anfänger-Scheibe zeigte sich schnell eine Erkenntnis, die vermutlich jeder Dartspieler irgendwann macht: Die Scheibe wirkt aus der Entfernung deutlich größer, als sie tatsächlich ist. Die ersten Würfe verteilten sich entsprechend großzügig über Wand, Umgebung und gelegentlich auch die vorgesehenen Wertungsfelder.

Die Stimmung litt darunter keineswegs. Im Gegenteil. Gelacht wurde viel, und jeder Treffer auf der Scheibe wurde entsprechend gewürdigt. Veith betonte mehrfach, dass Leistung und Wettkampfgedanken derzeit nicht im Mittelpunkt stünden. Viel wichtiger sei das gemeinsame Erlebnis und die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ein Sieg für die Geschichtsbücher

An der zweiten Scheibe entwickelte sich derweil ein Wettkampf, der vermutlich noch lange Gegenstand fachlicher Diskussionen bleiben wird. Vier Herren traten zum klassischen „501 – Double Out“ an, darunter auch der rasende Reporter dieser Zeitung.

Nein, nicht der rasende Reporter – der musste ja das Foto machen …

Während einige Mitspieler durch erstaunlich präzise Würfe ihre Punktzahl kontinuierlich reduzierten, verfolgte der Reporter einen anderen Ansatz. Man könnte ihn als strategische Kooperation mit dem Zufall beschreiben. Die Streuung der Würfe war dabei beeindruckend breit angelegt. Manche Pfeile suchten ihr Glück in Randbereichen, die laut Regelwerk eigentlich gar nicht vorgesehen sind. Doch gelegentlich fand einer den Weg auf die Scheibe – und manchmal sogar in ein wertungsrelevantes Feld.

Als sich das Spiel dem Ende näherte, gerieten die präziseren Werfer ausgerechnet an jene mathematischen Fallstricke, die beim Double-Out-System auftreten können. Ungünstige Restzahlen erwiesen sich plötzlich als ernstzunehmender Gegner. Der Reporter hingegen verfügte offenbar über die entscheidende Komponente des Abends: Glück.

Mit einem gezielten Zufallswurf in die Doppel-14 gelang tatsächlich der entscheidende Ausstieg. Damit sicherte sich Fritz Uthe den ersten Sieg der noch jungen Darts-Abteilung – ein Erfolg, der zweifellos in die Vereinsgeschichte eingehen wird (zumindest solange keine gründliche Nachprüfung der Umstände erfolgt).

Nach diesem historischen Moment zog sich der Sieger verständlicherweise zurück, um seine Lorbeeren zu pflegen. Die übrigen Teilnehmer spielten derweil munter weiter.

Gäste sind willkommen

Während des Abends standen Getränke auf Spendenbasis bereit. Schnell zeigte sich, dass die neue Abteilung kein reines Sportangebot sein soll. Das gemeinsame Treffen, Gespräche zwischen den Spielen und die lockere Atmosphäre standen deutlich im Vordergrund. Gespielt werden soll während der warmen Jahreszeit in der überdachten Pergola des Waldstadions. Im Winter wird in das Vereinsheim ausgewichen.

Wer Interesse hat, darf gerne vorbeischauen. Die Spieltreffen stehen nicht nur Vereinsmitgliedern offen. Auch Gäste sind willkommen.

Und wer bislang glaubte, Darts sei lediglich eine Kneipensportart, konnte an diesem Abend beobachten, dass daraus durchaus eine Vereinsabteilung werden kann. Zwei Scheiben, ein Laptop, ein paar Pfeile und genügend Menschen mit Humor – manchmal braucht es gar nicht mehr.

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