Kultusminister Andreas Stoch auf Besuch im Wahlkreis

3486 - KSM Minister Storch - 2(cg – 3.4.14) Am 31.3. war der Minister für Kultus, Jugend und Sport Andreas Stoch auf Einladung des Grünen Landtagsabgeordneten Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr zu Besuch im Wahlkreis Wiesloch.

Zu Beginn des Besuchs stand ein knapp 1 1/2-stündiger Gesprächskreis mit rund 35 Rektorinnen und Rektoren aus dem Wahlkreis des Landtagsabgeordneten. Vertreter aller Schularten waren gekommen, um in einem vertrauten Rahmen über die bildungspolitische Veränderungen seit Grün-Rot mit dem Minister zu diskutieren.

Zu Beginn erläuterte Minister Stoch, dass ein Wandel in der Bildungslandschaft dringend geboten sei. Der sich seit Jahren abzeichnende demografische Wandel und der damit verbundene Rückgang an Schülerzahlen gebiete ein Umdenken in der Bildungspolitik. Neben der geplanten Bildungsplanreform wurde auch die Themen Gemeinschaftsschule, Ganztagesschule, Inklusion und Lehrerversorgung angesprochen.

3486 - KSM Minister Storch - 1Selbstkritisch zeigte sich der Minister zum Prozess der Zulassung von Gemeinschaftsschulen. Hier sei hin und wieder „Sand im Getriebe“. Die Leimbachtalschule Dielheim zeigte sich tief enttäuscht, dass ihr Antrag im Februar keine Bewilligung beim Kultusministerium fand. Für den Minister war es in diesem Zusammenhang wichtig, dass sich die Beteiligten, trotz der aktuellen Absage, nicht in ihrer pädagogischen Arbeit entmutigen lassen sollen. Der Minister sagte zu, die Abstimmungsprozesse zwischen Schulamt, Regierungspräsidium und Kultusministerium weiter verbessern zu wollen. Schmidt-Eisenlohr ergänzte in diesem Zusammenhang, dass er die Leimbachtalschule Dielheim für einen geeigneten Standort hält und sich für die erneute Bewerbung intensiv einsetzen werde.

Die öffentliche Abendveranstaltung im Walldorfer Luxor Filmpalast stand unter dem Motto „Bildungspolitik im Wandel“. Das Thema stieß auf große Resonanz, was man am voll besetzten Saal mit rund 200 Besuchern gut sehen konnte. Es bestand die Möglichkeit auf vorgefertigten Postkarten, Fragen an den Minister zu stellen, die der Landtagsabgeordnete Schmidt-Eisenlohr in Form eines Interviews anschließend an den Minister stellte und gleichzeitig weitere Fragen aus dem Publikum moderierte.

Unter dem Motto „Bildung, die allen gerecht wird“ gab Kultusminister Andreas eine kurze Einleitung in die Erneuerungsprozesse in der hiesigen Bildungspolitik. Hierbei erläuterte er, dass die Grün-Rote Landesregierung die Ausgaben für die Bildung in Baden-Württemberg auf einen neuen Höchststand gebracht habe.

Großen Raum nahm das Thema „Bildungsplanreform“ ein und hier vor allem die seit Wochen andauernde Diskussion zur „sexuellen Vielfalt“. Wie die Akzeptanz von sexueller Vielfalt zukünftig im Unterricht vermittelt werden könnte, wird bislang nur in einem Arbeitspapier formuliert, betonte der Minister. In erster Linie geht es beim Bildungsplan um „zukunftsorientierte Leitprinzipien“, an denen sich der Unterricht in allen Klassenstufen, Schularten und im ganzen Fächerspektrum orientieren soll. Die Leitprinzipien besagen, in welcher Weise gesellschaftlich relevante Themen wie berufliche Orientierung, Medienbildung, Prävention, Gesundheitsförderung und Verbraucherbildung grundsätzlich im Unterricht verankert werden sollen. Minister Stoch stellte in diesem Zusammenhang ganz klar, dass es beim Thema „sexuelle Vielfalt“ um die Notwendigkeit geht, Kinder und Jugendlichen zu Toleranz und Respekt gegenüber unterschiedlichen Lebensformen zu sensibilisieren und nicht um die „Bevormundung“ und „Umerziehung“ von Kindern. Gleiches gilt auch für Menschen mit anderer Hautfarbe oder Menschen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen.

In einem weiteren Themenschwerpunkt ging der Minister auf die Versorgungssituation der Schulen ein. Stoch umriss hier zunächst die demografische Entwicklung. Die Zahl der Schüler/innen in Baden-Württemberg sinkt im Vergleich zu 2008/09 voraussichtlich bis 2030 von 1,69 Millionen auf etwa 1,25 Millionen. „Dem müssen wir Rechnung tragen und die gesamte Struktur danach ausrichten“, so der Minister. Sorge bereitet dem Minister auch das Schulsterben. „Bis vor einigen Jahren gab es in Baden-Württemberg noch rund 1200 Hauptschulen, inzwischen sind 400 Standorte verschwunden“, sagte Stoch. „Um dem Schulsterben Einhalt zu gebieten, haben wir den Kommunen das Konzept der regionalen Schulentwicklung an die Hand gegeben. So könnten Gemeinden sich untereinander abstimmen und damit alle Schulabschlüsse wohnortnah zur Verfügung zu stellen“, so der Minister. Bei der Lehrerversorgung sieht der Minister den Wahlkreis gut aufgestellt. Schmidt-Eisenlohr ergänzte hier, dass er aufgrund langjähriger statistischer Erhebungen einen genauen Überblick über seine Schulen habe. „Die Schulen in meinem Wahlkreis haben die beste Lehrerversorgung seit Jahren. Gerade im Pflichtunterricht sind meine Schulen gut versorgt“, betonte der Abgeordnete.

Auch wurde die Frage nach dem Erhalt der Realschule seitens der Zuhörer angesprochen. Auch hier stand für den Minister fest, dass er keine Realschulen im Land abschaffen möchte. Allerdings sind die Realschulen gefordert, neue Konzepte zu entwickeln, wie sie langfristig mit der homogeneren Schülerschaft umzugehen gedenken. „Wir müssen es schaffen, die unterschiedlichen Leistungsfähigkeit als Chance zu betrachten“, plädierte er. „Es gelte, den Schulbetrieb noch stärker an den Fähigkeiten des Einzelnen zu orientieren, um so die optimale Förderung für das einzelne Kind zu erreichen. Die Frage ist nicht, wie wir einzelne Schularten erhalten, sondern, welche pädagogischen Elemente bei den Schülern Anklang gefunden haben.“

Der abschließende Themenkomplex wurde der Inklusion gewidmet. Zu Beginn der Diskussion stellte der Minister fest, dass bereits rund 1.000 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Bedarf im abgelaufenen Schuljahr allgemeine Schulen besucht haben. Auch steht für den Minister fest, dass die Frage der schulischen Bildung für junge Menschen mit Behinderung eine Aufgabe aller Schularten, eben auch des Gymnasiums, sei. Allerdings sieht er eine besondere Herausforderung darin, dass Schüler und Schülerinnen, die nicht dem Bildungsgang des Gymnasiums folgen können, auch dort unterrichtet werden können. Dafür braucht man geeignete Organisationsformen und Ausstattungsmittel. Für den Minister ist es äußerst wichtig, dass man bei diesem Thema „behutsam und Schritt für Schritt“ vorgeht. „Es muss unbedingt vermieden werden, dass der Begriff der Inklusion automatisch zu Abwehrreaktionen führt.“

Klar ist für den Minister, dass der Schlüssel hier in der Ausbildung der Lehrer liegt. „Jeder Lehrer muss in seiner Ausbildung mit sonderpädagogischen Inhalten konfrontiert werden. Die Lehrer müssen hier gestärkt werden und von Anfang an für das Thema sensibilisiert werden“, so der Minister. Letztendlich muss die Entscheidung, welche Schule für Kinder mit Behinderung die Richtige sei, immer mit Blick auf das jeweilige Kind getroffen werden.

Schmidt-Eisenlohr beendete nach zwei Stunden die informative und rege Diskussion. Er bedankte sich ausdrücklich beim Minister Andreas Stoch, dass er sich die Zeit für all die wichtigen bildungspolitischen Fragen genommen hatte. Auch bedankte er sich bei der Familie Englert, den Inhabern des Luxor Filmpalastes, für die hervorragende Räumlichkeiten und professionelle Betreuung. „Bildungspolitik ist eines der zentralen Themen im Land. Ich bin froh, mit dieser Veranstaltung dazu beigetragen zu haben, den Bürgerinnen und Bürgern die Notwendigkeit des Wandels in der Bildungspolitik näher gebracht zu haben“, sagte der Grüne Abgeordnete zum Abschluss.

 

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1 Kommentar für “Kultusminister Andreas Stoch auf Besuch im Wahlkreis”

  1. I_Hoernberg

    Aus dem Artikel oben:
    „Auch steht für den Minister fest, dass die Frage der schulischen Bildung für junge Menschen mit Behinderung eine Aufgabe aller Schularten, eben auch des Gymnasiums, sei. Allerdings sieht er eine besondere Herausforderung darin, dass Schüler und Schülerinnen, die nicht dem Bildungsgang des Gymnasiums folgen können, auch dort unterrichtet werden können.“

    Quelle: Die Welt, 07.04.2014:
    „Soll ein Kind mit Down Syndrom aufs Gymnasium?“
    Die Mutter des elfjährigen Buben Henri, er hat Down-Syndrom, möchte, dass ihr Sohn auf das Gymnasium in Walldorf, Rhein-Neckar-Kreis, gehen kann, damit er sich nicht von seinen Klassenkameraden aus der Grundschule trennen muß.

    Rechtlich gesehen müßte die Mutter im Recht sein, da die Eltern selbst entscheiden können in welche Schule ihr Kind geht.

    Es wird spannend zu sehen, wie der Minister hierzu Stellung nimmt und was aus der Sache wird.

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