Leserbrief Werner Lindner: Ergeben Windräder bei uns einen Sinn?

2436 - Werner Lindner

Dipl.-Ing. Werner Lindner, Stadtrat

Das Beteiligungsverfahren mit Anhörung der Bürgerschaft des Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim zur Aufstellung eines „Teilflächennutzungsplans Windenergie“ mit Festlegung sog. „Konzentrationszonen“ in unserer Region führte zur intensiven Diskussion dieser Thematik. Die verschiedentlich vorgetragenen Argumente pro und contra Windenergie zeigen, dass einige Sachverhalte aus technischer Sicht einer Klarstellung bedürfen.

Tatsache ist:

Die Nutzung der Windenergie ist der wichtigste Baustein zur Substitution fossiler durch regenerative Energieerzeugung. Von insgesamt 600 TWh Energieerzeugung werden in Deutschland mittlerweile 170 TWh (29 %) regenerativ und davon 70 TWh durch Windenergieanlagen erzeugt. Und dies größtenteils durch Offshoreanlagen und solche der Küstenregionen im Norden, wo annähernd 4000 Stunden im Jahr eine nutzbare Windgeschwindigkeit vorherrscht. Vergessen wird meist, dass die enorme Leistung eines Windgenerators von beispielweise 2,5 MW erstmal nichts nützt; erst dessen Produkt mit der Betriebszeit ergibt die erzeugte elektrische Energie, die wir brauchen.

Im windarmen Baden-Württemberg mit seiner – wie der Windatlas zeigt – geringen Windgeschwindigkeit von 6 m/s und eher kurzen Windböen, die höchstens 1900 Stunden im Jahr anstehen, sind Windkraftanlagen – im Gegensatz zu nördlichen Regionen Deutschlands – kaum wirtschaftlich zu betreiben, schon gar nicht in unserer Region mit ihren lauen Lüftchen. Diese 6 m/s stellen die mindestens erforderliche Geschwindigkeit dar, damit die Rotore sich überhaupt bewegen. Die Nennleistung von z.B. 2,3 MW der weit verbreiteten Windkraftanlage „ENERCON E-70“ wird ab 12 m/s erreicht. Bei 6 m/s verringert sich die Leistung um die 3. Potenz auf nur noch 1/8 der Nennleistung, also 300 kW (siehe → Betz’sches Gesetz).

Ergebnis:

Vor einigen Tagen mussten einige Windparks der Nordsee außer Betrieb genommen werden, da die Anlagen an der Küste das dortige Leitungsnetz an die Belastungsgrenze trieb; die erzeugte elektrische Energie konnte nicht über die noch anstehenden Stromtrassen nach Süddeutschland weitergeleitet werden. Durch diese würde das vorhandene Leitungsnetz grundlastfähiger und auch stabiler werden; alte, zur Netzsicherheit bereitgehaltene Kohlemeiler könnten endlich abgeschaltet werden. Anlagen, die nur sporadisch Energie erzeugen und zur Instabilität des Netzes führen, haben wir schon mehr als genug.

  • Windkraftanlagen an der Küste arbeiten zehnmal effektiver als solche in Baden-Württemberg
  • Bei den Bürgern im Norden Deutschlands ist die Windenergie als Technologie zur regenerativen Energieerzeugung anerkannt
  • Es müssen endlich die Gleichstromtrassen von Nord nach Süd wie z.B. „Suedlink“ realisiert werden
  • Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat seine Schuldigkeit getan und ist abzuschaffen

Neben der nicht gegebenen Wirtschaftlichkeit sind WKA, insbesondere in unserer Region, aus folgenden Gründen strikt abzulehnen:

Der Bau von Windkraftanlagen ist mit erheblichen Kosten und einer massive Landschaftszerstörung verbunden. Für eine über 200 t wiegende WKA, welche über 200 t wiegt, ist ein massives Fundament mit einer Fläche von 100 m2 und einige Meter Tiefe zu gießen. Für die Schwertransporte der riesigen und tonnenschweren Bauteile müssen die Zufahrtswege für schwere LKW und Kranwagen als Straße auf 6,5 m Breite bis hin zu jeder Baustelle befestigt und pro WKA letztlich ein halber Hektar Wald gerodet werden. Dies würde, sollten Windräder in der vorgeschlagenen Kernzone KZW 17 aufgestellt werden, sich alles im Leimener Wald für jede WKA abspielen, mit dem Wieslocher Weg als Zufahrtstraße.

Die 3 etwa 35 m langen Rotore drehen sich um die 10 Umdrehungen pro Minute und überstreichen dabei eine Fläche von annähernd 4000 m2. Sie stellen daher eine erhebliche Gefahr für die Vogelwelt und auch Fledermäuse dar. Studien belegen, dass in Deutschland jährlich ca. 200.000 Fledermäuse, die auch bei uns heimisch sind, durch Windrotore erschlagen werden. Ebenso stark gefährdet wäre die Population an Rotmilanen, welche im Bereich Gauangelloch und Leimen vorkommen.

Fazit:

Der Bau von Windkraftanlagen hier wäre ein unverzeihlicher Frevel an der Natur, erst recht in einem ausgewiesenen FFH-Gebiet. Ausgerechnet Verbände wie BUND, die sich dem Erhalt von Flora und Fauna verschreiben haben, wollen davon nichts mehr wissen.

Windkraftanlagen können in unserer Region ohne das süße Gift der EEG-Subventionen niemals rentabel betrieben werden und führen zu dem Ziel einer weitgehend regenerativen Energieerzeugung abträglichen Fehlinvestitionen. Es ist somit Zeit, diese endlich abzuschaffen. Die Stromkunden schulden mittlerweile 300 Mrd € in den nächsten 20 Jahren; für 2015 kommen nochmals 28 Mrd € dazu. Wie viele Jahrzehnte sollen wir hierfür eigentlich noch bezahlen?

Einen Windenergieanteil von 10% an der Bruttostromerzeugung Baden-Württembergs von 60 TWh zu erzwingen hat dessen Dauersubventionierung zur Folge. Was für einen Sinn soll es haben, für einen Anteil von 1 % an der Stromerzeugung Deutschlands 10.000 Windräder aufzustellen, von denen keines annähernd wirtschaftlich betrieben werden kann? Dies kann nur Ausfluss einer ideologisch geprägten Gedankenwelt sein.

Damit die Energiewende nicht in einem Fiasko endet, muss diese von Fachleuten mit Sachkenntnis gestaltet werden und nicht mehr von Ideologen, Lobbyisten und Besserwissern wie bisher.

Dipl.-Ing. Werner Lindner, Stadtrat

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1 Kommentar für “Leserbrief Werner Lindner: Ergeben Windräder bei uns einen Sinn?”

  1. I_Schmidt

    Guten Tag Herr Lindner,
    vielen Dank für diesen wertvollen Leserbrief. An dieser Stelle möchte ich die Essenz des Schreibens wegen seiner Wichtigkeit wiederholen.
    “Windkraftanlagen können in unserer Region ohne das süße Gift der EEG-Subventionen niemals rentabel betrieben werden und führen zu dem Ziel einer weitgehend regenerativen Energieerzeugung abträglichen Fehlinvestitionen.“
    Kurz und gut heißt dies, dass wir keine staatliche Intervention im Bereich der Energieerzeugung brauchen. Sollten die sogenannten fossilen Brennstoffe tatsächlich knapp werden, wird dies am Markt durch steigende Preise angezeigt. Die logische Folge wäre, dass sich tragfähige alternative Formen der Energieerzeugung etablieren werden. Staatliche Intervention erzeugt nur Fehlleitung von Kapital. Da bin ich Ihrer Meinung. Das kann nur weitere Interventionen zur Folge haben. Die Zeche dafür zahlt immer der Bürger. Die Regulierungswut erleben wir täglich an allen Enden und auf allen Ebenen. Abschließend sei die Frage gestattet, was kann der Bürger in Leimen, Sanhausen oder Nußloch tun, wenn er sich gegen das Aufstellen von Windrädern engagieren möchte. Der Leserbrief ist gut, jedoch wird sich weder das System der staatlich verordneten Energiewende noch die Lobbyisten dadurch zum Einhalt bringen lassen. Konkret, wie kann der Bürger seine ablehnende Haltung artikulieren?
    Ingo Schmidt, Leimen

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