Leimen Neujahrsempfang 2014 – Festredner Prof. Wieczorek zum „Weltkulturerbe“

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v.l.: Karl Klein (MdL), Rosa Grünstein (MdL), Prof. Wieczorek, Frau Ernst, OB Ernst

(fwu – 28.1.14) Der Neujahresempfang der Stadt Leimen sah eine nahezu vollständig mit Besuchern gefüllte Aegidiushalle in St. Ilgen. Oberbürgermeister konnte neben dem Gastredner Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen aus Mannheim, auch die Landtagsabgeordneten Rosa Grünstein und Karl Klein, Leimenes Ehrenbürger Bruno Sauerzapf und eine große Anzahl von Gemeinderatsmitgliedern begrüßen. In seiner Ansprache (siehe unten) gab er einen Rückblick auf das Jahr 2013.

Für die musikalisch anspruchsvolle Untermalung der Veranstaltung sorgten am Klavier die Musikschul-Schüler Raphael Neuschäfer und Christian Sperka, die trotz ihrer Jugend bereits eine hervorragende künstlerische Leistung boten und mit viel Applaus bedacht wurden.

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Professor Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim

Prof. Wieczorek referierte über die den Umgang mit Weltkulturgütern und Antiken entwickelten Rechtsnormen, die trotz der dahinter stehenden „guten Absichten“ zu schwerwiegenden Konsequenzen führen. So fordern immer mehr Staaten Kulturgüter von Drittstaaten auch dann zurück, wenn diese nicht nur rechtmäßig erworben wurden, sondern auch dann, wenn dieser rechtmäßige Erwerb zum Teil bis zu 200 Jahre zurückliege.

Insbesondere die derzeit gültige Regelung, das Kulturgüter weder exportiert noch gehandelt werden dürfen und ausschließlich in der Fundregion gezeigt werden dürfen – woran sich viele asiatische und arabische Staaten nicht halten – bringe große Gefahren mit sich. Viele Staaten hätten weder das Interesse noch die finanzielle Resourcen, um sich den fachmännischen Erhalt des Weltkulturerbes zu leisten und oftmals würden das Weltkulturerbe in den Fundstaaten sogar gezielt aus ideologischen Gründen vernichtet. Rechtslage und Fakten liefen daher, was den Erhalt von Kunstgütern und Antiken betrifft, konträr.

Rede von OB Ernst zum Neujahrsempfang der Stadt Leimen

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OB Ernst bei seiner Rede zum Neujahrsempfang 2014 der Stadt Leimen

„Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Gäste, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, zu unserem Neujahrsempfang heiße ich Sie auch namens unserer Bürgermeisterin Frau Felden und unseres Gemeinderates willkommen, ich darf Ihnen ein gutes neues Jahr wünschen.

Ich begrüße die Mitglieder des Landtages von Baden-Württemberg Rosa Grünstein und Karl Klein sowie unseren langjährigen früheren Ersten Bürgermeister und Ehrenbürger Bruno Sauerzapf. Lieber Bruno, wir freuen uns, dass Du auch heute wieder bei uns bist – besonders, weil wir Dir nachträglich zu Deinem runden 70. Geburtstag gratulieren können, den du vor 3 Tagen feiern konntest. Alles Gute!

Besonders begrüßen darf ich in diesem Jahr Herrn Prof. Dr. Alfried Wieczorek, den Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Es ist uns allen eine große Freude, dass Sie heute zu uns sprechen werden. Ich danke Ihnen sehr.

2107 - NJE Leimen - 3Eingeladen haben wir wieder alle Spenderinnen und Spender für gemeinnützige Zwecke des letzten Jahres, so natürlich z. B. für unseren letztjährigen Weihnachts- und Sozialfonds. Erneut ist dank Ihnen, meine Damen und Herren, dank vieler Spenden, danke vieler großer und kleiner Beträge, dank der Spenden von Einzelpersonen, Familien, Unternehmen, Organisationen mit knapp 50.000 € eine überaus stolze Summe zusammen gekommen. Wie Sie wissen, verwenden wir Ihre Spenden, ohne jeglichen Abzug, um bedürftigen Menschen in unserer Stadt zu helfen, wenn andere Hilfe nicht greift oder nicht möglich ist.

Im Namen Aller, die diese Unterstützung sehr dringend brauchen, danke ich Ihnen für Ihre gelebte Solidarität gegenüber Ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Diese Hilfsbereitschaft zeigt deutlich, dass Mitmenschlichkeit in Leimen kein leeres Wort ist. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre gute Tat.

Es ist gute Tradition, meine Damen und Herren, bei einem Neujahrsempfang einen kleinen Rückblick auf das zurückliegende Jahr zu halten. Was ist 2013 nicht alles passiert – vom Rücktritt von Papst Benedikt XVI., dem Amtsantritt seines Nachfolgers Franziskus bis zum Tod des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela im Dezember erlebten wir ein ereignisreiches Jahr. Im April immer noch Schnee und Eis, dann ein völlig verregneter Mai, gefolgt von Hochwasser im Juni mit Pegelständen wie seit 500 Jahren nicht mehr und einer Hitzewelle im Juli – das Wetter verlangte uns vieles ab. In anderen Weltgegenden schlug es noch viel schlimmer zu – die Bilder der durch den Taifun Hayan völlig verwüsteten philippinischen Stadt Tacloban sind uns sicher alle noch vor Augen.

In Deutschland ging dieses Jahr durch den Sturm „Xaver“ dann recht stürmisch zu Ende.

Apropos stürmisch: Nach der Bundestagswahl im September als herausragendem politischen Ereignis des letzten Jahres haben wir nach den bisher längsten Koalitionsverhandlungen nun erneut eine große Koalition in Berlin. Wir sind gespannt, was sie für die Menschen in unserem Land tun wird.

Leider sind die Menschen auch 2013 nicht von kriegerischem Leid verschont geblieben, schauen wir nur nach Syrien, diesem schrecklichen Bürgerkrieg mit vielen hunderttausend Toten und Millionen Flüchtlingen. In Europa dürfen wir uns glücklich schätzen, Krieg nicht erleben zu müssen – dies ist gerade in diesem Jahr unserer besonderen Dankbarkeit wert, in diesem neuen Jahr 2014, in dem sich der Ausbruch der Urkatastrophe des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Male jährt. Hoffentlich können wir Europäer auch weiterhin daraus lernen.

Nun möchte ich vor allem auf unser Gemeinwesen, auf unsere Stadt zu sprechen kommen. 2013 waren wir wie in den Vorjahren vor mannigfaltige Aufgaben und Probleme gestellt, die wir mit Geduld und sicherlich auch Robustheit weitgehend meistern konnten. In zahlreichen Sitzungen wurde von Stadtverwaltung und Gemeinderat im Interesse der Bürgerinnen und Bürger um Lösungen gerungen, um letztendlich richtungsweisende Entscheidungen für unsere Stadt zu treffen, von denen ich hier in einem kleinen lokalen Rückblick beispielhaft kurz berichten möchte.

Im Februar verstarb unser Ehrenbürger Wilhelm Gottselig im Alter von 86 Jahren, wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Im März feierten wir das Richtfest für die neue großzügige Kinderkrippe des Ludwig-Uhland-Hauses, die wir im November mit einer schönen Feier einweihen konnten. 100 Kinder können hier nun in räumlich ansprechender Gliederung von fachlich kompetenten und hoch motivierten Fachkräften betreut werden. An dieser Stelle mag mir der Hinweis gestattet sein, dass Leimen wie alle Kommunen große Anstrengungen unternommen hat – auch und gerade im finanziellen Bereich, dieser Neubau hat 4,3 Mio € gekostet, um die von Bund und Land geforderte Kleinkind-Betreuung im Interesse unserer jungen Familien vor Ort umzusetzen. Dies ist uns durchaus gelungen, wir können nun über 50% der Ein- und Zweijährigen eine qualifizierte Betreuung anbieten. Für unsere Stadt ist dies eine schöne, aber auch schwere Aufgabe, die wir bewältigen, die Betreuung in allen unseren Kindereinrichtungen kostet unsere Stadt an die 3 Mio € – das ist viel Geld, das wir jedes Jahr sicherlich sehr gerne, aber in unserer eingeschränkten finanziellen Situation auch mit großer Mühe aufbringen.

Im Frühjahr 2013 fand ein europaweiter Architekturwettbewerb für unser neues Verwaltungsgebäude statt, das der Gemeinderat für die markante Stelle an der Ecke Nußlocher Straße/Rathausstraße und damit in unmittelbarer Nähe zum historischen Rathaus, unserem Palais Seligmann, beschloss. Nach Vollendung dieses Neubaus wird die Stadtverwaltung näher zusammen rücken, nach der anschließenden Neugestaltung des Rathausplatzes wird sich hier ein zentraler Begegnungspunkt im Zentrum unserer Stadt entwickeln. Ein erster Schritt hierzu wurde im August getan, als der sanierte untere Teil der Rathausstraße dem Verkehr übergeben werden konnte.

Ein bewegender Moment war es sicher für alle Beteiligten, als wir am 9. November unter Anwesenheit von Nachkommen, die extra aus den USA angereist waren, den Gedenkstein für die 1940 verschleppten und später ermordeten jüdischen Leimener Mitbürger der Familien Bierig und Mayer im Foyer des Rathauses aufstellten. Hergestellt haben ihn anlässlich eines Schulprojekts an der Geschwister-Scholl-Schule drei junge Mitbürgerinnen mit dem Leimener Steinmetz Udo Baumgärtner. Ich danke Ihnen.

Aber nicht nur in Leimen-Mitte, auch in den anderen Stadtteilen wurde tüchtig gearbeitet. In St. Ilgen geht der Neubau des neuen Mehrgenerationenhauses der Evangelischen Heimstiftung seiner Vollendung entgegen, in dem wir ebenfalls Kleinkinder betreuen werden. Mit der Sanierung der „Kleinen Bahnhofstraße“ wurde im Spätjahr begonnen, auf dem Waldfriedhof wurden die Wege saniert und der Platz vor der Kapelle hergerichtet.

In Gauangelloch haben wir im Juni mit einem gelungenen Fest die schöne neue Schloßberghalle eingeweiht. Rund 2,7 Mio. € hat diese Halle, die dem Sport und der Kultur zur Verfügung steht, gekostet – es ist gut angelegtes Geld für unsere Bürgerinnen und Bürger.

Diese kurze Übersicht, die keinesfalls vollständig ist, macht deutlich, dass das hinter uns liegende Jahr voller Herausforderungen war, die gemeinsam, Bürgerschaft, Gemeinderat, Stadtverwaltung, gemeistert wurden.

Das neue Jahr hat begonnen – und in diesem 2014 ist für uns der 25. Mai ein besonders wichtiges Datum, zusammen mit dem Europaparlament und dem Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises wird auch unser Gemeinderat neu gewählt. Die Aufstellung der Kandidatenlisten der örtlichen Parteien und Wählervereinigungen ist im vollen Gange, ich darf jetzt schon Allen, die sich durch ihre Bereitschaft engagieren, für die Vertretung der Bürgerinnen und Bürger zu kandidieren, herzlich danken.

Und ich darf Sie alle aufrufen, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Bitte merken Sie sich diesen Tag, den 25. Mai, in Ihrem Kalender vor. Unsere Demokratie lebt auch von einer hohen Wahlbeteiligung.

2107 - NJE Leimen - 22107 - NJE Leimen - 4Lassen Sie mich nun noch Raphael Neuschäfer und Christian Sperka von unserer Musikschule Leimen, die unseren kleinen Empfang heute so schön umrahmen, herzlich danken. Sie beweisen damit wieder einmal, auf welch hohem Niveau unsere erfolgreiche Musikschule unterwegs ist – vielen Dank.

Zum Abschluss des heutigen Vormittags möchte ich Sie dann gerne einladen, bei einem Glas Sekt oder Mineralwasser noch ein bisschen zusammen zu bleiben, um in freundschaftlichen Gesprächen das neue Jahr endgültig beginnen zu lassen.

Nun darf ich Platz machen für Herrn Professor Dr. Alfried Wieczorek, den Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Nachdem im Vorjahr Herr Dr. Werner Transier vom Historischen Museum der Pfalz aus Speyer uns über das jüdische Leben in der Kurpfalz einen sehr interessanten Einblick gewährte, freuen wir uns heute sehr, daß wir mit dem prominenten und überaus anerkannten Gelehrten aus Mannheim erneut einen hochkarätigen Redner gewinnen konnten. An dieser Stelle sei auch ein bisschen Werbung gestattet für die international bekannte großartige Museumslandschaft der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, die immer einen Besuch wert sind. Zahlreiche namhafte Ausstellungen machen deutlich, welch hohen Stellenwert die rem, wie man sie verkürzt nennt, genießen.

Ich erinnere nur an die aktuelle und überaus beeindruckende Wittelsbacher-Ausstellung, die noch bis zum 2. März 2014 zu sehen ist. Mit unserem Leimener Stadtwappen und unseren Stadtfarben – weiss-blau – zeigen wir, dass auch Leimen einen historischen Bezug zu den Wittelsbachern am Rhein aufweist. Denken wir nur an Aaron Elias Seligmann, den Erbauer unseres historischen Rathauses in Leimen, der für den Kurfürsten Karl-Theodor ein wichtiger Finanzier war und der dem Kurfürsten folgte, als der in der Folge der Wittelsbacher Hausverträge Bayern erbte und als neuer Fürst nach München ging.

Damit darf ich überleiten zu Herrn Professor Wieczorek aus Mannheim, auf dessen Vortrag wir uns nun nach einem weiteren Vortrag unserer Musikschule freuen dürfen.“

PS: Den vollständigen Inhalb der interessanten Rede von Professor Wieczorek hoffen wir in den nächsten Tagen noch nachliefern zu können.

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