Pfingsten – die Geburtsstunde der Kirche

Folio 14v of the Rabula Gospels (Florence, Biblioteca Mediceo Laurenziana, cod. Plut. I, 560), Pentecost

Folio 14v of the Rabula Gospels (Florence, Biblioteca Mediceo Laurenziana, cod. Plut. I, 560), Pentecost

Liebe Schwestern und Brüder, als ich vor Jahren den Führerschein gemacht habe, musste ich auch einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Es wurde mir/uns gezeigt, wie man lebensrettende Sofortmaßnahmen einleitet, besonders wenn man als Erster an einer Unfallstelle vor Ort ist. Mit Hilfe einer Puppe haben wir geübt, wie man die „Mund zu Nase-Beatmung“ richtig macht. Eine rechtzeitige Atemspende kann Leben retten.

Nach der älteren Schöpfungserzählung in der Bibel hat Gott höchstpersönlich die erste Nasenbeatmung durchgeführt: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“ (Gen 2,7). So kam Leben in Adam!

Im Neuen Testament ist von einer geistigen und geistlichen „Wieder-Belebung“ die Rede. Die Jünger Jesu sind versammelt in einem Raum – sie sind voller Angst und Trauer. Deshalb schließen sie die Türen zu und stellen sich einfach tot. Und was geschieht dann? Jesus kommt in ihre Mitte und sie werden von ihrer Niedergeschlagenheit befreit. Sie erkennen ihn an seinen Wundmalen und die Freude kommt wieder, das Leben kommt (wieder). Wie im Schöpfungsbericht die Lebensweitergabe als Ziel beschrieben wird, wird im Pfingstereignis die Glaubensweitergabe mit Friede und Freude geschildert. So wird die Kirche geboren – mit einem Sendungsauftrag!

Wo ist die Kirche heute? Ist sie so alt geworden wie eine 2000 jährige Mutter, die gebückt durch die Straße läuft? Hat sie viele Krankheiten, die das Alter mit sich bringt? Schweigt die Kirche, weil sie denkt, dass sie sowieso nichts zu sagen hat oder aus reiner Lethargie bzw. Bequemlichkeit? Wenn die Kirche durch den Atem Gottes (Heiliger Geist) das Leben erhalten hat, dann hat sie keinen Grund zu resignieren. Sie muss in jeder Epoche eine konstruktive und kritische Begleitung der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein und eine von der Tiefe des Glaubens erfüllte Institution der Ergänzung werden. So eine Kirche hat keinen Grund sich zu schämen, sie darf und muss Anwalt der Menschen sein.

Wenn die Kirche ihre Mitte durch Jesus Christus gestaltet, dann gibt es in ihr keine Ausgrenzung des Menschen. Sie muss so in ihrem Herrn verwurzelt sein, dass sie die Hände ausbreiten kann, um alle Menschen in allen Lebenslagen aufzufangen und zu tragen. Sie muss einladend sein. Sie muss die Menschen anziehen, an ihr muss man die Liebe Gottes spüren – in den Gottesdiensten und Veranstaltungen.

Die Kirche, die Jesus angehaucht hat, kann kein Selbstzweck sein. Sie muss immer im Auftrag für die Menschen und die Schöpfung unterwegs sein. Sie muss ihren Herrn ausstrahlen und den Heiligen Geist weitergeben, auch wenn es kräftezehrend ist. In solcher einer Kirche sind alle gleich wie ein Leib mit vielen Gliedern. Hier gibt es keine Hierarchie der Macht, sondern eine Hierarchie des Dienens.

Ich weiß, dass wir von diesem Ziel oft weit entfernt sind. Dabei sollte ich aber nicht vergessen: Ich BIN doch die Kirche!

Frohes Fest der Geburtsstunde der Kirche, frohe Pfingsten auch im Namen der evangelischen, orthodoxen und katholischen Kirchengemeinden!

Ihr, Arul Lourdu, Pfarrer

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