Profi-Bodybuilder Mike Sommerfeld trägt sich ins Goldene Buch Sandhausens ein
(mbr – 6.6.26) „Mit dem ist nicht gut Kirschenessen“ – so oder so ähnlich sind die Erwartungen, wenn man es mit einem Muskelprotz zu tun bekommt. Profi-Bodybuilder Mike Sommerfeld, der in Heidelberg geboren und in Sandhausen aufgewachsen ist, ist erfrischend anders, strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus und ist mit seinem Hang zur Selbstironie ein absoluter Sympathieträger. Der 32-Jährige kehrte zu seinen Wurzeln zurück und nutzte die Gelegenheit, sich ins Goldene Buch der Gemeinde Sandhausen einzutragen. Im Rathaus erzählte der Athlet im Gespräch mit Bürgermeister Hakan Günes, wie diszipliniert er für seinen Sport leben muss.
Gemeinsame Erinnerungen im Wichernhaus
Doch zunächst schwelgten die beiden in Erinnerungen, denn sie waren Spezis, verbrachten eine gemeinsame Zeit im Kindergarten im Wichernhaus. „Wann hast du eigentlich mit dem Bodybuilding angefangen?“, fragte Günes. „Bereits mit elf Jahren“, antwortete Sommerfeld. Er habe verschiedene andere Sportarten ausprobiert. Dann eiferte er den Zielen seines Vaters nach, der Bodybuilding betrieb.
Den ersten Wettkampf habe er im Alter von 16 Jahren bestritten – wurde als Junior 2011 Int. Deutscher Newcomermeister (NABBA), Int. Deutscher Meister (NABBA) und Fünfter bei Mr. Universe (WFF). Für das Profi-Fach entschied er sich 2018 und wurde bei seinem ersten Profi-Wettkampf 2019 in Frankfurt Zweiter. Im Ringen um die begehrteste Trophäe – Mr. Olympia, bei der sich die 70 weltbesten Bodybuilder duellieren – schaffte er es zunächst als erster Deutscher in die Top Ten (2021: Platz sieben, 2023: Platz fünf). Jeweils Zweiter wurde er in den Jahren 2024 und 2025 und schrammte haarscharf am Nonplusultra der Szene vorbei. Als derzeit bester deutscher Classic-Physique-Athlet, einer Kategorie, die ästhetische Proportionen, Symmetrie und eine klassische V-Form (breite Schultern, schmale Taille) betont, schickt er sich 2026 an, den Mr.-Olympia-Thron zu besteigen. Die Vergleiche finden vom 24. bis 27. September 2026 in Las Vegas statt. Sommerfeld, der 2024 die Arnold Classic in Columbus, Ohio, gewann und den Pokal von Bodybuilding-Lichtgestalt Arnold Schwarzenegger höchstselbst überreicht bekam, gehört zu den Top-Favoriten. „The Badass“, wie sich Sommerfeld nicht zuletzt in den sozialen Medien nennt, unterstrich seine Anwartschaft auf den Titel als Arnold-Classic-UK-Sieger (Birmingham, UK) im vergangenen März.
Ein Leben für den Traum vom Mr. Olympia
Den Traum vom Mr. Olympia träumt seine Herzdame voll und ganz mit. Seine Frau Shani trat 2021 vollends in sein Leben, nachdem er sie mit Bodybuilding-Ambitionen trainiert hatte. Sie unterstützt und gleicht aus, gleichzeitig hilft sie professionell, die sozialen Netzwerke zu füllen. Sommerfeld hat über 800.000 Follower bei Instagram, denn vom Bodybuilding allein ist das Leben mit der nötigen Reisetätigkeit zu den weltweiten Sportevents nicht zu finanzieren. Sommerfeld gibt sein selbst genutztes Wissen weiter, profitiert auch vom Merchandising und verfügt über den einen oder anderen Sponsor.
Die Beziehung zu seiner Frau Shani sei eine mit Haut und Haar, denn die beiden haben kein Zuhause, sondern leben aus zwei Koffern und sind überall auf der Welt daheim – das Leben ist auf das Ziel ausgerichtet, Mr. Olympia zu werden. „Es ist alles getaktet, damit nichts verrutscht“, sagt Mike Sommerfeld und gibt Einblicke in seinen Tagesablauf. Ins Bett gehe es um 22 oder 23 Uhr. Acht bis neun Stunden Schlaf müssten es sein. Zum über den Tag verteilten, in Wettkampfphasen neunstündigen Training gehören nicht nur Muskelaufbau und Muskelerhalt, sondern auch Kardio oder Spazierengehen. 250 ml Eiklar, zwei Reiswaffeln, 50 g Avocado, ein Kaffee und ein Stück Ingwer („jede kleine Entscheidung hat ihre Konsequenz“) – so kann schon mal der tagesanfängliche Speiseplan aussehen. Nichts wird beim Training mit Trainer Neil Hill („er muss mich immer bremsen“) dem Zufall überlassen. Mit der richtigen Wettkampf-Diät wird der Tag X angestrebt und minuziös erarbeitet. Ein Blähbauch zum Beispiel würde jegliche Titelchance zunichtemachen. In der Nacht vor dem Wettkampf sind neun Stunden Schlaf Pflicht. Sonst kann der Körper mitnichten so präsentiert werden, wie ihn die Juroren haben möchten.
Sommerfeld muss beim Erzählen zwischendurch selbst lachen, nimmt sich selbst und die Seinen wegen der selbst auferlegten Tortur auf die Schippe und lässt gleichzeitig keinen Zweifel daran aufkommen, dass er es mit jeder Faser seines Körpers ernst meint. Der Titel Mr. Olympia muss her – das ist gewiss, eigentlich schon seit er elf Jahre alt ist. Sommerfeld trägt Sandhausen, das er auch wegen der Verwandtschaft einmal im Jahr besucht, im Herzen und als Tattoo auf der Innenseite der Unterlippe. Hier, bei seinen Wurzeln, wird man im September kräftig die Daumen drücken. So viel steht fest.
Mit Mike Sommerfeld ist übrigens gut Kirschenessen – das rote Steinobst unterstützt die Regenerationsphase nach dem Training, wirkt entzündungshemmend und kann vor allzu krassem Muskelkater schützen.
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