Das alte Jugendstil-Hallenbad von Heidelberger Zement ist heute Kantine

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Front in der Morgensonne; in der Giebelverzierung steht SCHWIMMBAD

Die Fassade des ehemaligen Hallenschwimmbades ist reinster Jugendstil. Auf den ersten Blick sieht es aus, als seien hier Klinker und Granit verarbeitet, aber tatsächlich handelt es sich um Kunststeine aus dem eigenen Hause. In der Mitte ist in Jugendstil-Lettern „Schwimmbad“ eingemeißelt (bzw. gegossen).

Die ansonsten symmetrisch aufgebaute Fassade ist rechts von einem Turm begrenzt, in dem die Treppe zu den früheren Umkleidekabinen verläuft. Im Sommer ist das Hallenbad, das neben dem massigen Verwaltungsgebäude und vor den riesigen Werksanlagen sehr zart wirkt, von Bäumen fast verdeckt. Die Fassade zum Werkshof ist weniger spektakulär.

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Heute: Kantine

Betritt man heute das Haus, erinnern nur noch Fotos an die frühere Funktion. Das 8×16 Meter große ehemalige Schwimmbecken ist ebenerdig abgedeckt, vor den großen Fenstern ist eine Mauer eingezogen, die Umkleidekabinen und die Brausen im westlichen Kuppelbau sind verschwunden. Dort steht heute die Essensausgabe für, an der sich Werksangehörige und Besucher bedienen oder sich Kaffee an die schlichten langen Tische holen können. Lediglich die zierlichen Metallgeländer auf der Empore sind erhalten. Ein großes Foto an der stirnseitig eingezogenen Mauer, die den Raum um einige Meter verkürzt, erinnert an die frühere Funktion.

Weitere historische Aufnahmen von Wettkämpfen und Schwimmfesten hängen an den Wänden. Die schwungvolle Eisenbetonkonstruktion der Galerie wirkt zierlich und leicht. Die früher mit Oberlichtern durchbrochene gewölbte Decke ist heute abgehängt. Was früher als eine „mächtige, lichtdurchflutete Halle“ beschrieben wurde, ist heute eine etwas dämmrige aber freundliche kleine Kantine. Neben dem Hallenbad steht ein schlichter Funktionsbau aus den 30er Jahren mit Anmutungen an Bauhausarchitektur. Es war das alte Badehaus, in dem die Arbeiter sich Umziehen und Duschen konnten. Heute ist darin das Unternehmenssarchiv untergebracht.

Geschichte

Erbaut wurde das 600qm große Hallenbad 1907. Beamte und Arbeiter des Werkes sowie deren Angehörige konnten es unentgeltlich nutzen. Auch der Einwohnerschaft von Leimen war an bestimmten Wochentagen die Nutzung gestattet. Während sämtliche Schulkinder freien Zutritt hatten, mussten Erwachsene 10 Pfennige zahlen. Diese Einnahmen flossen der Arbeiter-Unterstützungskasse zu.

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Ca. 1960 Das „Einer“ mit Grazien. Die Treppe existiert auch heute noch

Für Nichtschwimmer war ein Teil mit 0,9 Metern Tiefe abgegrenzt, ansonsten war das Becken 2,6 Meter tief, insgesamt 8x16m groß. Der Boden des Beckens war mit grün glasierten Fliesen ausgelegt, die Seiten weißglasiert. Das Wasser war auf ca. 22 C geheizt, und zwar durch die Abwärme des Ofenbetriebs des Werkes. Darüber hinaus gab es Wannenbäder und Zellen mit Warm- und Kaltwasserbrausen. Es gab insgesamt 51 Umkleidekabinen, damals „Auskleidezellen“ genannt.

Bereits 1910 hatte das verhältnismäßig kleine Bad 15.567 Nutzer, 1911 stieg die Besucherzahl auf 21.769. Der Firmenpatriarch Friedrich Schott eröffnete 1906 auch ein Freibad. Der heute noch existierende „Schwimmclub Neptun Leimen“ wurde von ihm gegründet. Unter seiner Schirmherrschaft fand 1921 im Kieslochbad das erste Nationale Jugendschwimmfest statt. Die Veranstaltung wurde als erste Deutsche Jugendmeisterschaft gewertet.

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1973: noch sind die grünen Kacheln des Beckens sichtbar, der Neptunkopf ist bereits wegmodernisiert, die Umkleidekabinen in trendigem Orange gestrichen

Noch 1960 zeigen Fotos den weitgehend erhaltenen Originalzustand mit Neptun-Kopf in der Apsis. Lediglich die Lampen sind erneuert. Nach 1960 ist offenbar eine Modernisierung vorgenommen worden, die Westseite ist 1973 glatt geplättelt, die Umkleidekabinen sind orange gestrichen. Doch vergeblich: Als 1973 die Stadt Leimen ein neues Hallenbad eröffnete, wurde das Werkshallenbad mangels Nachfrage geschlossen. Zudem war die Dampferzeugung im Werk eingestellt worden. Das Gebäude wurde 1983 umgebaut, das Becken verfüllt und seither als Werkskantine genutzt.

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