Stadt erwirbt Porträts der Familie Seligmann: Simon und Julie von Eichthal kehren nach Leimen zurück

(mu 26.09.2016) Das große Bild Aron Elias Seligmanns kennt wohl jeder Besucher, der einmal den Treppenaufgang des Leimener Rathauses benutzt hat.

Johann Peter von Langer (1756-1824), der Leiter der Kunstakademie München und berühmter Porträtmaler, fertigte das 2,25 x 1,58 m große Bild 1809 an und es blieb bis 1985 in Familienbesitz. Dann wurde es der Stadt zum Kauf angeboten, die sich diese einmalige Gelegenheit, sich eines von nur drei bekannten Bildern des Erbauers des Rathauses zu sichern, nicht entgehen ließ. Seit dieser Zeit blickt der 1814 zum Freiherrn von Eichthal erhobene Seligmann (1747-1824) auf die Besucher des Rathauses.

Wer nun denkt, solche Gelegenheiten seien einmalig, hat grundsätzlich sicher recht. Manchmal wiederholt sich Geschichte jedoch. Im April 2016 meldete sich nämlich eine andere Nachfahrin des Freiherrn bei der Stadtverwaltung, die ebenfalls zwei Porträts im Format 78 x 61 cm aus Familienbesitz anbot. Es handelte sich um Simon von Eichthal (1787-1854), den in Leimen geborenen fünften Sohn von Aron und dessen ebenfalls in Leimen geborener Ehefrau und Nichte Julie Mayer (1788-1855). Beide hatten 1809 in Leimen geheiratet.

Wie sein Vater hatte sich auch Simon von Eichthal große Verdienste um den bayrischen Staat erworben. König Ludwig I. fand in ihm einen aufgeschlossenen Finanzier seiner Kunstinteressen und seiner städtebaulichen Ideen. Der Bau der Eisenbahnverbindung zwischen Augsburg und München geht auf eine Idee Simons zurück. Er war Initiator und Mitbegründer der ersten Aktienbank Deutschlands, der Bayrischen Hypotheken- und Wechselbank, deren erste Banknoten seine Unterschrift tragen. Er allein zeichnete 1835 mehr als ein Drittel des gesamten Subskriptionsbetrages in Höhe von 10 Millionen Gulden, was belegt, über welches Vermögen er verfügt haben muss. Bis zu seinem plötzlichen Tod aufgrund der Choleraepidemie am 28. August 1854 auf seinem Gut Ebersberg war er erster Vorstand des Bankdirektoriums der Bayrischen Hypotheken- und Wechselbank, aus der die heutige HypoVereinsbank hervorging.

Dies war Grund genug für den Vorstand der Bank, Anfang der 90er Jahre bereits das Originalporträt Simons zu kaufen. Kein Interesse hatte man jedoch unverständlicherweise am Bild seiner Ehefrau Julie, obwohl beide Bilder als Einheit konzipiert waren. So blieb das Originalbild von Julie zusammen mit einer guten Kopie des Bildes von Simon weiter im Familienbesitz.

Beide Bilder waren 1838 in Öl auf Leinwand gemalt worden und stammen aus der Werkstatt des berühmten Münchner Porträtmalers Joseph Karl Stieler (1781-1858), zu dessen bedeutendsten Werken die „Schönheitengalerie“ im Schloss Nymphenburg gehört.

„Wichtig ist mir“, so die ehemalige Besitzerin, „dass die Bilder nicht nach meinem Tod in einem Museumsdepot oder einer Privatsammlung verschwinden, sondern an einem geeigneten Ort weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.“ Das Originalbild von Julie wurde daher der Stadt zu einem symbolischen Preis angeboten, der einen Erwerb ohne Schwierigkeiten gestattete, die sehr gute Kopie Simons gab es als „Dreingabe“.

Nach einer kleinen Auffrischung wurden die beiden Bilder nun im Treppenhaus des Leimener Rathauses aufgehängt und bilden zusammen mit Vater bzw. Schwiegervater ein reizendes Ensemble.

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