VdK-Stammtisch: Apothekerin Julia Bittler von der Turm-Apotheke referierte zum E-Rezept

(von Martin Möll – 13.3.24) Der zweite Stammtisch des VdK Ortsverband Leimen-Mitte stand ganz im Zeichen der Pharmazie. Eingeladen hatte der Vorstand um den ersten Vorsitzenden Wolfgang Ebner eine ortsansässige Apothekerin. Julia Bittler, ihres Zeichens Apothekerin und Mitinhaberin der Linda Turm Apotheke in Leimen, fand die Idee des VdK Leimen sehr gut und sagte ihre Teilnahme und Bereitschaft als Referentin spontan zu.

Martin Möll, Julia Bittler

Auch für Julia Bittler ist es mehr als nur eine Herzensangelegenheit Licht in den momentanen noch vorhandenen E-Rezept-Dschungel zu bringen. Dass dies auch bei vielen Menschen noch der Fall ist, zeigte das sehr große Interesse an diesem Stammtisch. Zahlreiche Gäste, bunt gemischt, von jung bis alt, fanden den Weg in die Vereinsgaststätte des VfB Leimen, darunter auch die Gemeinderäte Richard Bader und Alexander Hahn.

OB-Kandidat John Ehret sagte vor Beginn der Veranstaltung kurz Hallo

Zu Beginn ihres Vortrags ging die Apothekerin auf die Hintergründe des E-Rezepts ein. In allen Bereichen wird die Digitalisierung massiv vorangetrieben, so auch in der Pharmazie und Medizin. In Deutschland ist das E-Rezept seit Anfang dieses Jahres am Start. In anderen europäischen Ländern bereits schon viel früher. Finnland arbeitet seit 2019 und Österreich seit 2022 mit dem elektronischen Rezept.

Die Frage nach dem ‚Warum gibt es überhaupt ein elektronisches Rezept‘ stellten die Gäste des Stammtisches. Nachhaltigkeit (rund 5-6 Millionen Rezepte auf Papier werden jährlich gedruckt), keine Rezepte mehr auf Papier und Fälschungssicherheit sind die wohl obersten Ziele, aber auch in Kombination mit der elektronischen Patientenakte das zentrale Erfassen aller Daten und Fakten zu der jeweiligen Person. Hier soll auch die Patientensicherheit im Vordergrund stehen (alle beteiligten Ärzte wissen voneinander und sehen, was die Kolleginnen und Kollegen verordnet haben).

Doch wie geht man jetzt als Patient vor? Wichtig ist und hier führt noch kein Weg vorbei, einmal im Quartal das Versichertenkärtchen zum Arzt zu bringen. Die Rezepte werden dann auf die elektronische Versichertenkarte ‚geladen‘ und können dann in der Apotheke abgerufen werden. In der Übergangsphase ist es noch möglich ein Rezept auf Papier zu erhalten, auf dem ein QR-Code abgedruckt ist, den die jeweilige Apotheke auslesen kann. Als dritte Option gibt es noch die Möglichkeit eine App zu nutzen, auf die das jeweilige Rezept gespielt wird. Mit dem eigenen Smartphone geht man dann in die Apotheke und lässt dort die App auslesen.

Julia Bittler wies auch daraufhin, dass der Arzt verpflichtet ist, ein elektronisches Rezept auszustellen, sonst droht ihm eine Honorarkürzung. Aktuell können nur Medikamente als E-Rezept ausgestellt werden. Hilfsmittel wie Teststreifen oder Blutdruckmessgeräte müssen nach wie vor als Papierrezept ausgedruckt werden.

Momentan gibt es noch einige Kinderkrankheiten bei dem E-Rezept. So kommt es oftmals zu zeitlichen Verzögerungen bei der Übertragung und bei dem Auslesen der Daten. So kann es passieren, dass der Patient schon die Apotheke verlassen hat und es erscheint ein weiteres Medikament auf dem Apothekerbildschirm, welches der Arzt zusätzlich verordnet hat.

Auch muss der Patient aktiv beim Arzt darauf hinwiesen, dass er sein Medikament von der Firma haben möchte, die er immer hat. Dann muss ‚aut idem‘ angekreuzt werden. Tut der Arzt das nicht, ist der Apotheker verpflichtet den Rabattvertrag der Krankenkasse als Grundlage zu nehmen und muss das Präparat einer anderen Firma aushändigen.

Trotz aller Widrigkeiten und Unsicherheiten liegen die Vorteile einfach auf der Hand: auf einem E-Rezept gibt es keine unleserliche Schrift, es wird kein Papier mehr verwendet und die Umwelt wird geschont, Folgeverschreibungen bei chronischen Erkrankungen sind einfacher, für Menschen, die nicht mehr aus dem Haus gehen können, ist die Beschaffung von Medikamenten vereinfacht worden, die Sicherheit und der Datenschutz wurden verbessert, denn nur der Arzt, die Apotheke und der Patient haben Zugriff auf die Daten.

Wie bei allen gesundheitlichen Fragen helfen auch bei dem E-Rezept nach wie vor der Arzt und/oder die Apotheke ihres Vertrauens.

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