Les Troubadours und Alexander Rajcsányi starteten erfolgreich mit neuem Programm

Gelungene Premiere in Leimener Bücherei.

(wir – 18.5.17) Mit ihrem ersten gemeinsamen Programm „All meine Gedanken, die ich hab’ – Liebesfreud und Liebesleid in Liedern und Gedichten“ waren die drei Musiker von Les Troubadours, Achim Klotz, Michael Reinig und Rudi Sailer, gemeinsam mit dem in der Region bekannten Autor Alexander Rajcsányi (sprich: Reutschani) von 2014 bis 2016 schon recht erfolgreich unterwegs. Nun hatten sie in der Leimener Bücherei mit ihrem neuen Programm „Mich brennt’s in meinen Reiseschuh’n – Reisen: Leben, Lust und Liebe im Gepäck“ eine außerordentlich gelungene Premiere.

Turbulenzen gab es schon vor dem ersten Ton: 60 Stühle waren gestellt und etwa 90 Leute begehrten Einlass. Die Künstler selbst besorgten noch 20 Stühle. Dennoch saßen etliche Leute hinter schnell leer geräumten Bücherregalen oder gar auf dem Boden und hielten zweieinhalb Stunden durch bis zur letzten Zugabe. Unter dem Eindruck dieser Situation geriet die Begrüßung der Bibliothekarin unfreiwillig komisch, als sie sagte: „Es tut mir leid, dass Sie so zahlreich erschienen sind…“ Brüllendes Gelächter im Saal und die Künstler riefen wie aus einem Mund: „Uns nicht!“

In dieser gelösten Stimmung begann man mit dem Programm. Schon mit den ersten beiden Liedern „Wir drei, wir gehn jetzt auf die Walze“ und „Fahrend Schülerlein“ hatten die Musiker ihr Publikum erobert. Der Sänger Achim Klotz war von Anfang an mit seiner wunderschönen Singstimme bestens aufgelegt und die außergewöhnliche Instrumentierung mit der von Michael Reinig wieder einmal virtuos gespielten Schäferpfeife (dem deutschen Dudelsack) und dem Banjo sowie dem Akkordeon, das Rudi Sailer in gewohnt souveräner Manier ausdrucksstark zu Gehör brachte, verführte die Anwesenden im Handumdrehen zu jener Fantasiereise, zu der man laut Programm eingeladen hatte.

Alexander Rajcsányi konnte mit zwei launigen Gedichten, die er wie noch ein drittes eigens für dieses Programm geschrieben hatte, da anknüpfen. Das lag nicht nur an den witzig-pointierten Texten, der erste mit drei Mundartstrophen aus dem Kurpfälzischen, Bayerischen und Schwäbischen, sondern auch an der gekonnten Vortragsweise des Autors, der Deutschlehrer war und als Jugendlicher Theater gespielt hat. Er war auch zum größten Teil für die Moderation zuständig, die er informativ-launig zu gestalten wusste.

War man mit den ersten beiden Liedern quasi noch in der Region, ging man mit „Sur le Pont d’ Avignon“ und „La Marmotte“ (Text: Goethe, Melodie: Beethoven) nun auf die Reise nach Südfrankreich, dessen heiteres Wesen sich in den fröhlich-flotten Rhythmen spiegelte. Achim Klotz glänzte hier auch mit seinen komödiantischen Qualitäten. Abermals nahm Rajcsányi Thematik und Stimmung in einem heiteren und einem ernsten Gedicht auf, bevor die Troubadoure die Zuhörerschaft mit „Champs elysees“ und „Dessous le pont de Nantes“ nach Paris und in die Bretagne entführten. Während die Musiker anschließend auf „die Fähre warteten“, um thematisch über den Ärmelkanal nach Nordengland und Schottland zu reisen, lud Rajcsányi das Publikum zu einem „Eingeborenenhörspiel“ ins nächtliche Niemandsland von Wien ein. Der größte Teil dieser Erzählung ist ein derb-witziger Dialog zwischen einem Schrankenwärter und einer durchs lange Warten erbosten Dame aus dem „leichten Gewerbe“, den der Autor dialektsicher und ausdrucksstark vorzutragen wusste, wobei er immer wieder von Lachsalven unterbrochen wurde. Er sei in einem Dialekt zwischen dem Bayerischen und dem Wienerischen aufgewachsen, erklärte der Autor sein Sprachvermögen.

Mit „Mull of Kyntire“, bei dem noch einmal der Zusammenklang der Schäferpfeife, des Akkordeons und der tollen Gesangsstimme eine suggestive Kraft entfaltete, wie ein wahrer Beifallssturm bestätigte, ging es in die Pause.

Den zweiten Teil eröffnete das Titellied „Mich brennt’s in meinen Reiseschuh’n“, dessen Text von Josef von Eichendorff stammt. Es sind die Motive des Abschieds sowie der Lebensreise, die hier sowie in den beiden folgenden Liedern „Es, es, es und es“ und „Nach Süden nun sich lenken“ (Prager Studentenlied) thematisiert werden, Motive, die Rajcsányi in fünf jeweils zwischen den Liedern vorgetragenen Texten aus seinen aktuellen Büchern „In unbewusstem Hoffen“ und „In allen Zeiten du“ weiter vertiefte. Mit „L’inverno e passato“ feierte man musikalisch den wonnigen Mai im Tessin und den Frühling generell in dem Gedicht „Lenz kommt“. Über den Text „Nächtliches Dutzend“ kam man zum „Chianti-Lied“, einem Paradestück von Achim Klotz. Der anschließende Prosatext „Der mit dem Baguette“ nahm die Zuhörer mit auf einen Bahnhof Roms und stellte ihnen einen merkwürdigen „Fuchtelsignore“ vor Augen. Nicht nur der Text allein sorgte für Heiterkeit, sondern auch die – mit Verlaub: „saukomische“ Zwischenfrage einer älteren Dame. Mit „Funiculi, funicula“ endete das offizielle Programm in einem wahren Furioso, das seine Fortsetzung im frenetischen Beifall der Zuhörerschaft fand, die lautstark Zugaben forderte, die sie mit „Caprifischer“, „O sole mio“, „Granada“ und „La Paloma“ prompt erhielt, wobei Achim Klotz noch einmal zur Höchstform auflief und für lang gehaltene höchste Töne wiederholt begeisterten Sonderbeifall einheimste.

„Volle Hütte“, bestens aufgelegte Vortragskünstler und ein begeistertes Publikum, das rege mitgeht und die Künstler quasi „trägt“ – besser kann eine Premiere nicht ausfallen! Sie hat in den Reaktionen des Publikums bestätigt, was man in der Vorbereitung erhofft hatte: Michael Reinig hat für dieses Programm eine erstklassige Liedauswahl zusammengestellt, die in brillantem Gesang sowie im Wechsel von heiter-flotten Rhythmen und eher melancholischen Melodien, präsentiert in außergewöhnlicher, wundervoller Instrumentierung, ebenso bezaubert wie Rajcsányis perfekt eingepasste und stimmungsvoll vorgetragene Texte und Moderationsteile.

Wer die Premiere verpasst hat oder das Programm noch einmal erleben will, darf sich demnächst auf weitere Auftritte dieses Quartetts freuen.

W.I.R.

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