Was passiert denn eigentlich so im
Apotheken-Notdienst, Herr Müller?

DANKE APOTHEKE – sogar nach Stricknadeln, Schokolade und Brennpaste für Fondue wurde im Apothekennotdienst gefragt!


  (wm – 27.12.17) Apothekennotdienst heißt von 8.30 Uhr bis zum nächsten Tag 8.30 Uhr erreichbar zu sein, also 24 Stunden lang. Und an Weihnachten hat das noch eine ganz besondere Brisanz, denn dann kommt – wie für z.B. Ärzte, Krankenschwestern, Pflegepersonal, Polizei oder Feuerwehr – auch für die Apotheke die Herausforderung von mehreren Feiertagen in Folge hinzu.

Andere feiern und schlafen, nur die Dienstbereitschaft nicht. Und so war dies auch dieses Jahr am 1. Weihnachtsfeiertag in der Leimener Turm Apotheke.

Mehr als 200 Hilfesuchende, Ratsuchende, Patienten und Kunden kamen am Tag und in der Nacht in die Apotheke. Und sie kamen mit Rezepten vom ärztlichen Notdienst oder aus den Heidelberger Kliniken, mit großen gesundheitlichen Problemen und mit kleineren Wehwehchen, ob mit den Ohren, Augen oder mit den Zähnen.

Aber auch mit Rezepten aus der Kinderklinik, um zum Beispiel Soforthilfe bei Erstickungsanfällen oder „Krupphusten“ zu bekommen. Vorbei kam aber auch der Rentner aus dem Ruhrgebiet, der die Enkel in Leimen besuchte und sein Insulin zu Hause vergessen hatte und Hilfe brauchte.

Oder der junge Holländer aus Venlo, gleichfalls auf Weihnachtsbesuch, dem die Uniklinik sein fehlendes Asthmaspray nachverordnete. Dazwischen aber auch erleichterte junge Mädels, denen die Weihnachtsfreude erhalten werden konnte, weil wir mit der „Pille danach“ segensreich helfen konnten. Dazu gesellte sich die junge Inderin, wohnhaft in Leimen, die um Auskunft bat, ob dieses Diabetiker Medikament auch hier in Deutschland erhältlich ist.

Aber es gab auch skurrile Nachfragen, ob wir Stricknadeln, Schokolade oder vielleicht Brennpaste für Fondue auf Lager hätten, von unseren Bestsellern, den Kalendern, ganz zu schweigen. Ein Teil der Notdienstrealität ist leider auch der völlig kaputte und heruntergekommene Junkie, der sich mit Rezeptkopien seinen Drogenersatzstoff „erschleichen“ will.

Oder dann noch kurz vor Notdienstende die Leimenerin, die ihr weihnachtliches Eislaufen mit einem Handgelenkbruch bezahlen musste und dringend starke, schmerzstillende Medikamente benötigt.

Ja und was bewegt einem  nach 24 Stunden Notdienst, welche Gedanken bleiben in einem zurück? Zum einem Glück und Zufriedenheit und zum anderen aber auch Wehmut. Glück, dass man als Mittelständler einen so wunderbaren, uralten Traditionsberuf ausüben darf, der viel, viel mehr ist als „Schubladen ziehen“, zumal wir in der modernen Apotheke kaum noch Schubladen haben.

Dieser gelebte Beruf ist mehr als die Abgabe von Medikamenten, es ist Helfen, Zuhören, da sein, wenn alles schläft, bis hin zur Seelsorge. Wehmut aber auch, weil dieses Konstrukt „DANKE APOTHEKE“ durch Rosinenpicker stark gefährdet ist. Denn die Rosinenpicker, u.a. Amazon und DocMorris, machen keinen Notdienst und trotzdem überlegt die Politik, den Versandhandel für Medikamente aus dem Ausland zuzulassen, aber von den dann noch übrig bleibenden „Brosamen“ kann die Vor-Ort-Apotheke nicht überleben und dann auch nicht mehr diesen „Dienst“ leisten.

Hoffentlich sagen viele Menschen noch lange und ganz besonders ein Weihnachten: DANKE APOTHEKE!


von Wolfgang Müller, Apotheker in Leimen / Mannheim


 

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