Interview mit Christian Sych: Er wird Sonntag in Freiburg zum Diakon geweiht

8115-weihekurs-diakone-christian-sychChristian Sych aus Nußloch-Maisbach wird am 20.11.2016 im Freiburger Münster, der Bischofskirche der Erzdiözese Freiburg zum ständigen Diakon geweiht. Aus diesem Anlass fand folgendes Interview mit ihm statt:

Herr Sych, gleich zum Einstieg die Frage: was ist ein Diakon und warum muss man das Wort ständig dazu sagen?

Der Beruf des Diakons ist einer der ältesten kirchlichen Berufe. Von Anfang an war ihr Auftrag, sich um die zu kümmern, die am Rande stehen, die in Not sind. Beauftragt wurden sie von den Aposteln, die sich nicht mehr um alles kümmern konnten. Von daher kommt auch für heute die enge Verbindung zum Bischof und zum Pfarrer vor Ort. Der heilige Stephanus war einer der ersten Diakone. Später gab es zum Beispiel noch den heiligen Diakon Laurentius, der Patron der Nußlocher Pfarrkirche ist. „Ständig“ bedeutet: die Weihe zum Diakon ist in unserem Fall keine Durchgangsstufe wie auf dem Weg zur Priesterweihe, sondern ein eigenes Amt mit eigenem Wert – mit der Perspektive für ein Leben lang. Gleichzeitig werde ich als „ständiger Diakon mit Zivilberuf“ meinen bisherigen Beruf als Diplomingenieur beim TÜV SÜD behalten und so zwischen den Welten wandeln.

Es ist offensichtlich eine bedeutende Entscheidung, wenn jemand in seinem Leben einen solchen Schritt geht. Da gibt es bestimmt vieles, was dazu führt. Was waren die bedeutenden Meilensteine, die Sie dazu gebracht haben, diesen Weg einzuschlagen?

Ich bin als evangelischer Christ aufgewachsen. Durch meine Frau Silvia habe ich Kontakt zur katholischen Kirche gefunden. In erster Linie hat mich dabei die Eucharistiefeier fasziniert und berührt. Ich habe mich auf die Suche gemacht, was mich dabei anspricht und wollte dann auch dazugehören. So bin ich katholisch geworden. Es war also von Anfang an ein gemeinsamer Weg als Ehepaar und als Familie. Nach einem geistlichen Wochenende haben Silvia und ich uns stark motiviert gefühlt, unseren Glauben zu vertiefen. Wir haben dann gesucht, welche Möglichkeiten es für uns als Ehepaar hier gibt, z. B. eine geistliche Gemeinschaft. In dieser Zeit der Suche hat mich Pfarrer Lourdu angesprochen, ob für mich nicht der Weg des Diakonats eine Möglichkeit wäre. Meine Frau und ich haben diese Anfrage als Antwort und Abschluss unserer Suche nach der richtigen geistlichen Gemeinschaft für unsere Familie begriffen. Der Weg des Diakonates ist somit nicht nur mein persönlicher Berufungsweg sondern auch ein gemeinsamer Weg für uns als Eheleute. Pfarrer Lourdu ist mir und uns dann zu einem intensiven Begleiter geworden.

Noch eine Besonderheit beim Amt des ständigen Diakons: Sie sind verheiratet und haben Kinder!

Ja! Und es ist vorgesehen, dass die Frauen der Diakone ihre Zustimmung zur Weihe geben müssen! Aber bei uns war es ja auch von Anfang an nicht nur mein persönlicher, sondern ein gemeinsamer Weg. So liegt uns die gemeinsame Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier besonders am Herzen. Das tägliche Gebet bei der gemeinsamen Mahlzeit ist uns sehr wichtig. Manchmal betet die Familie auch mit mir das Stundengebet der Kirche, die täglichen Gebetszeiten für Priester und Diakone. Im Übrigen finden es unsere Kinder, die ja beide Ministranten in unserer Seelsorgeeinheit sind, noch „cool“, dass ich zum Diakon geweiht werde. Ich hoffe sehr, dass dieser Zustand anhalten wird.

Was bedeutet es für Sie, sich so eng an die katholische Kirche zu binden, ein Amt in ihr zu übernehmen und sich „in Dienst nehmen lassen“. In unseren Breiten traut man der Kirche ja nicht viel Anziehungskraft zu. Im Gegenteil, manche zieht es auch richtig weg. Was zieht Sie zur Kirche hin?

Was mich persönlich anzieht, ist die Feier der Eucharistie. Die ist für mich „Quelle und Höhepunkt“ des christlichen Lebens, wie es das Zweite Vatikanische Konzil für die gesamte Kirche ausdrückt. Und dann habe ich mich bewusst entschieden für den Weg in der katholischen Kirche. Ich habe mich deshalb vielleicht mehr mit dem auseinander gesetzt, was die Kirche sagt, wie jemand, der von klein auf dabei war. In der Weiheliturgie verspreche ich dem Bischof und seinen Nachfolgern die Treue. Das tue ich im Vertrauen darauf, dass die Leitung der Kirche vom Heiligen Geist berufen ist und das sie ihre Arbeit schon ordentlich machen wird.

Wird man zum Diakon eigentlich ausgebildet? Wenn ja, was gehört zu dieser Ausbildung dazu?

Es ist eine berufsbegleitende Ausbildung, die bei mir rund siebeneinhalb Jahre gedauert hat. Drei Jahre dauerte der theologische Kurs für die Grundlagen, ein Jahr der Pastoralkurs. Dreieinhalb Jahre war dann Zeit für die eigentliche Diakonatsausbildung. Dabei waren die persönliche Berufsentwicklung Schwerpunkt, aber auch ganz praktische Ausbildungseinheiten zur Vorbereitung auf die liturgischen Aufgaben des Diakons in der Heiligen Messe sowie den Predigtdienst, die Feier der Taufe und der Trauung sowie die Begräbnisfeier. Fast wichtiger aber als die Ausbildung war, dass es eine Zeit des Prüfens und Fragens war. Ich selbst habe mich geprüft, ob das Diakonat tatsächlich der Weg ist, auf den der Heilige Geist mich ruft. Viele andere sind gefragt worden, ob sie mit meinem Weg einverstanden sind: Meine Frau, der Pfarrer, der Pfarrgemeinderat, die Ausbildungsverantwortlichen der Diözese sowie der Diakonatskreis. Ich gehöre dem Diakonatskreis Wiesloch an, einer Gruppe von Diakonen und ihrer Ehefrauen aus der Umgebung, die sich monatlich zum Austausch und zur gegenseitigen Bestärkung zusammen mit ihrem Mentor, einem Priester, trifft.

Wie muss man sich denn die Weihe zum Diakon vorstellen? Wie läuft diese ab? Was sind vielleicht besonders bewegende Momente?

Einschneidend wird der Moment sein, wo mein Name genannt wird und ich sage: „Hier bin ich!“ Später werde ich befragt werden und jeweils durch mein „Ich bin bereit!“ feierlich versprechen, dass ich in Treue zu Christus und seiner Kirche mein ganzes Leben den Dienst als Diakon verrichten und entsprechend leben werde.

Ich glaube, der ergreifendste Moment wird die „Prostratio“ sein. Dabei liegen wir angehenden Diakone ausgestreckt am Boden, während die Heiligen um Ihre Fürsprache angerufen werden in der Allerheiligenlitanei. Die Weihe durch die Handauflegung und das Weihegebet durch den Bischof ist dann der entscheidende Moment, danach werde ich Diakon sein. Danach kommt eine sehr bewegende Sache, Pfarrer Lourdu und meine Ehefrau werden mich mit der Stola und der Dalmatik einkleiden. Mit der feierlichen Überreichung des Evangeliars und dem Friedensgruß durch den Bischof ist dann die eigentliche Weihehandlung abgeschlossen. An der nun folgenden Eucharistiefeier nehmen wir dann bereits als Diakone teil.

Als Diakon werden Sie in der Seelsorgeeinheit Leimen-Nußloch-Sandhausen tätig sein. Hier haben Sie sich ja auch schon eingebracht und werden es weiter tun. Welche konkreten Aufgaben in der Seelsorge werden Sie übernehmen?

Die Eucharistie ist mir selbst so wichtig und deshalb will ich die Eucharistie auch den Menschen nahe bringen. In diesem Fall im wahrsten Sinn des Wortes für die, die selbst nicht mehr in den Gottesdienst gehen können. Der Haus- und Krankenkommuniondienst – zusammen mit den Krankenkommuniongruppen unserer Pfarrgemeinden – ist mein so genanntes „Diakonisches Feld“ für das ich hauptsächlich zuständig sein werde. Ich werde als Diakon aber zum Beispiel auch Taufen und Trauungen übernehmen können. Dann werde ich bei einem der Gemeindeteams in der Seelsorgeeinheit, es wird Gauangelloch sein, den Pfarrer vertreten.

Gibt es einen Leitspruch, der über ihrer Weihe steht und der sie begleiten wird? Wir kennen ja Taufsprüche oder Konfirmationssprüche oder Trausprüche. Gibt es auch einen Weihespruch?

Der Spruch, der für mich wichtig ist, lautet: „Vom Glanz deines Lichtes beschienen, werde ich selber Licht, um anderen zu leuchten. Ich bin nur wie ein Glas, durch das du den anderen scheinst.“ Er ist vom seligen John Henry Newman. Interessanterweise ist er mir immer wieder untergekommen. Er war Anglikaner und ist dann zum katholischen Bekenntnis konvertiert, später sogar Kardinal geworden. Durch seinen Glaubensweg ist er mir schon sehr nahe und ich bin froh, dass dieser Spruch über meiner Weihe und meinem Dienst steht.

Ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute für ihren bedeutenden Schritt!


Christian Sych wird am 20.11.2016 im Freiburger Münster zusammen mit 7 Mitbewerbern zum Diakon geweiht. Der Gottesdienst, der um 10 Uhr beginnt, wird auf der Homepage der Erzdiözese Freiburg www.ebfr.de live übertragen.

Am Samstag, 26.11.2016 findet um 18 Uhr im Vorabendgottesdienst in Herz Jesu, Leimen, die feierliche Einführung in der katholischen Seelsorgeeinheit Leimen-Nußloch-Sandhausen statt mit anschließendem Empfang im Mauritiushaus (Graben 7).

Das Gespräch mit Christian Sych führte Gernot Hödl.


 

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