Wird die Existenz der beruflichen Gymnasien gefährdet?

4990 - Zentrum beruflicher Schulen(bs – 7.4.15) Wie den CDU-Kreisrätinnen und –Kreisräten durch eine Anfrage des Abgeordneten Georg Wacker bekannt wurde, hat eine Arbeitsgruppe „Gymnasium 2020“ bereits vor geraumer Zeit dem Kultusminister ein Bündel von Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Gymnasiums vorgelegt. Die vielfältigen Vorschläge sollen sich insbesondere auf die Sicherung der hohen Qualität des baden-württembergischen Gymnasiums beziehen. Dabei wächst die Sorge an den beruflichen Gymnasien, dass durch die Veränderung ihre Existenz beeinträchtigt wird.

Die beruflichen Gymnasien leisten einen wichtigen Beitrag für den im baden-württembergischen Schulsystem geltenden Grundsatz „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Sie bieten den passgenauen Anschluss an die erfolgreiche und bewährte praxisorientiere Arbeit der Werkrealschulen und Realschulen. Im Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft erhalten die beruflichen Gymnasien regelmäßig Spitzenbewertungen. Daher wundern die Pläne des Kultusministeriums, die allgemeinbildenden Gymnasien im Land künftig weiter für Absolventen der Realschule, Werkrealschule bzw. Gemeinschaftsschule, unabhängig von einer bereits erlernten zweiten Fremdsprache, zu öffnen. Dies droht die Arbeit der erfolgreichen und hervorragend arbeitenden beruflichen Gymnasien nachhaltig zu gefährden. Gerade kleinere berufliche Schulstandorte stünden vor einer ungewissen Zukunft.

Denn um an einem allgemeinbildenden baden-württembergischen Gymnasium die allgemeine Hochschulreife zu erlangen, ist eine zweite Fremdsprache Pflicht. Die beruflichen Gymnasien bieten für Absolventen der Realschule, Werkrealschule und Gemeinschaftsschule, die bislang keine zweite Fremdsprache erlernt hatten, in der Oberstufe spezielle Kompaktkurse zum Erlernen der zweiten Fremdsprache. Für diese Schülerinnen und Schüler bietet sich so eine passgenaue Anschlussmöglichkeit hin zum Abitur. Es ist daher wenig zielführend, den Absolventen der Realschule, der Werkrealschule und der Gemeinschaftsschule den Zugang auf ein allgemeinbildendes Gymnasium zu erweitern. In der Aufnahme zusätzlicher Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen ist eine grundsätzliche Gefahr für die Qualität der allgemeinbildenden Gymnasien verbunden, da ab Klasse 10 eine deutlich heterogenere Schülerschaft bestehen könnte. Doppelstrukturen kosten viel Geld und belasten den Steuerzahler.

Daneben besteht Gefahr des massiven Verlusts an Schülerinnen und Schüler für die beruflichen Gymnasien, was gerade für kleinere Standorte existenzbedrohend sein kann. Für den Rhein-Neckar-Kreis als Schulträger der beruflichen Gymnasien drohen Investitionsruinen; für die Wirtschaft der Verlust von berufsnah qualifizierten Abiturienten.

4680 - Bruno Sauerzapf

Bruno Sauerzapf, Vorsitzender der CDU – Kreistagsfraktion Rhein-Neckar

Bisher bieten die beruflichen Gymnasien genau diesen Weg des Einstiegs in die Oberstufe ohne zweite Fremdsprache und erfüllen damit ein zentrales bildungspolitisches Merkmal des Bildungssystems unseres Bundeslandes. Durch die angedachten gravierenden strukturellen Änderungen in den allgemein bildenden Gymnasien und die geplante Oberstufe an den Gemeinschaftsschulen werden die Beruflichen Gymnasien mit ihrem derzeit flächendeckend hervorragenden Angebot zunehmend an Bedeutung verlieren und ins Abseits geraten. Dieser Entwicklung muss konstruktiv entgegengesteuert werden

Bruno Sauerzapf, Vorsitzender der CDU – Kreistagsfraktion Rhein-Neckar

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