Kampf gegen einen ziemlich hartnäckigen Amerikaner im Hardtwald

(cki – 22.9.26) Es gibt Pflanzen, die muss man im Wald suchen. Und es gibt die Amerikanische Kermesbeere. Die steht mit kräftigen roten Stängeln, großen Blättern und langen Fruchtständen zwischen dem übrigen Grün, als habe sie durchaus die Absicht, gesehen zu werden. Bis zu drei Meter kann Phytolacca americana hoch werden. Spätestens dann ist die botanische Phase des unauffälligen Herumstehens endgültig vorbei.

Im Hardtwald bei Sandhausen breitet sich die aus Nordamerika stammende Pflanze aus. Pro-Waldschutz e.V. und der BUND Sandhausen/Walldorf beschäftigen sich deshalb mit ihrer Eindämmung. Denn was auf den ersten Blick ausgesprochen dekorativ wirkt, kann für die heimische Vegetation zum Problem werden.

Oben Beeren, unten Schwerarbeit

Hübsch anzusehen, aber nicht zum Naschen: Die Früchte der Amerikanischen Kermesbeere wechseln von Grün über Dunkelrot bis fast Schwarz.

Besonders auffällig sind die langen Fruchtstände. An kräftig rosa bis dunkelrot gefärbten Stielen sitzen zunächst grüne Früchte, die später dunkelviolett bis beinahe schwarz werden. In der Sonne glänzen sie so überzeugend, dass man ihnen ihre Inhaltsstoffe nicht ansieht – Pflanzen haben schließlich keine Beipackzettel.

Die Amerikanische Kermesbeere enthält giftige Substanzen, darunter Saponine. Besonders Wurzeln und Samen weisen entsprechende Inhaltsstoffe auf. Nach dem Verzehr können unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Die dunklen Früchte sollte man deshalb nicht essen und insbesondere Kinder davon fernhalten.

Das eigentliche Problem steckt im Sand

Wer eine größere Kermesbeere aus dem Boden holt, bekommt allerdings erst zu sehen, was die Pflanze unterirdisch veranstaltet. Ausgewachsene Exemplare bilden eine mächtige rübenartige Wurzel mit langen Seitenwurzeln. Auf dem Arm getragen erinnert das Gebilde entfernt an eine Mischung aus überdimensionierter Petersilienwurzel und Tiefseekrake – nur dass letztere gewöhnlich nicht im Hardtwald vorkommt.

Einfach die Stängel abzuschneiden, löst das Problem deshalb nicht unbedingt. Soll die Pflanze dauerhaft beseitigt werden, muss möglichst viel von der Wurzel aus dem Boden. Das bedeutet graben, lockern und ziehen – und anschließend kontrollieren, ob aus verbliebenen Pflanzenteilen oder bereits vorhandenen Samen wieder etwas nachkommt. Die Kermesbeere gehört botanisch eher nicht zur Fraktion „Hinweis verstanden, ich gehe dann mal“.

Wenn aus einzelnen Pflanzen ganze Bestände werden

Der sichtbare Teil ist nur die obere Etage

Problematisch wird die Art vor allem dort, wo sie sich stark ausbreitet. Zwischen jungen Bäumen, Sträuchern und krautigen Pflanzen können große Kermesbeeren viel Raum beanspruchen und um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren. In geeigneten Bereichen entstehen so dichte Bestände, in denen kleinere heimische Pflanzen zunehmend schlechte Karten haben.

Hinzu kommen sogenannte allelopathische Effekte. Darunter versteht man die Abgabe chemischer Stoffe, mit denen Pflanzen das Wachstum oder die Keimung anderer Pflanzen beeinflussen können. Für die Amerikanische Kermesbeere gibt es Hinweise auf solche Wirkungen. Vereinfacht zu sagen, sie „vergifte über ihre Wurzeln den Wald“, wäre allerdings zu grob. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus kräftigem Wachstum, Konkurrenz und möglichen wachstumshemmenden Stoffen.

Im Hardtwald zählt jeder Sämling

Gerade auf den sandigen und trockenen Böden des Hardtwaldes ist natürliche Verjüngung wertvoll. Wo zwischen trockenem Laub, Ästen und offenen Sandstellen junge Bäume von selbst aufgehen, beginnt die nächste Waldgeneration im Zentimeterformat. Die kleinen Sämlinge müssen anschließend mit genau den Bedingungen zurechtkommen, die der Standort ihnen bietet – Sommerhitze und Wassermangel eingeschlossen.

Eine Pflanze, die solche offenen Bereiche rasch besetzt und dort meterhoch wächst, ist deshalb mehr als nur ein botanischer Exot am Wegesrand. Die Amerikanische Kermesbeere verändert die Konkurrenzverhältnisse unmittelbar am Waldboden, also ausgerechnet dort, wo aus einem unscheinbaren Keimling irgendwann ein Baum werden soll. Das dauert bekanntlich etwas länger als eine Gartensaison.

Ein Problem mit langem Atem

Mit einer einmaligen Entfernung ist die Angelegenheit ohnehin nicht erledigt. Wo Kermesbeeren bereits Früchte gebildet haben, können Samen im Boden zurückbleiben und später wieder keimen. Betroffene Flächen müssen deshalb über längere Zeit beobachtet und junge Pflanzen möglichst früh entfernt werden. Bei einem kleinen Exemplar ist das noch überschaubar; bei einer ausgewachsenen Pflanze wird daraus schnell eine Begegnung mit Spaten und Wurzelwerk.

Wer künftig durch den Hardtwald läuft, erkennt die Amerikanische Kermesbeere jedenfalls recht schnell: große Blätter, auffällig rötliche Stängel und jene langen Trauben dunkler Beeren, die im Spätsommer zwischen dem übrigen Grün hängen. Eine bemerkenswerte Pflanze ist sie zweifellos. Nur wäre den heimischen Pflanzen sehr geholfen, wenn sie im Hardtwald ein wenig weniger bemerkenswert häufig würde.

Weitere Informationen

Weitere Informationen über die Amerikanische Kermesbeere und Möglichkeiten zu ihrer Eindämmung gibt es bei Pro-Waldschutz e.V. Sandhausen und beim BUND Sandhausen/Walldorf.

Hintergrundinformationen:
Waldwissen.net – Die Kermesbeere als invasive Art in lichten Wäldern
Forstpraxis – Gefahr durch die Amerikanische Kermesbeere

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