Vier Jahre Baustelle, ein freier Blick über den Kraichgau: Hochbehälter in Lingental eingeweiht

(fwu – 28.9.26) Wer vier Jahre lang eine Baustelle vor der Haustür hatte, darf bei einer Einweihung zuerst auf eines hoffen: dass die Lastwagen nun wegbleiben. Am Freitag, 25. September, gab es für die Lingentaler noch etwas dazu. Bei blauem Himmel, angenehmen Temperaturen und leichtem Wind war der höchste Punkt Leimens vermutlich auch sein schönster Platz. Die Hardtgruppe hatte zur Einweihung des neuen Trinkwasserhochbehälters eingeladen. Im Laufe des Nachmittags kamen zahlreiche Einwohner hinauf, sahen sich das fertige Bauwerk an und blieben auf den aufgestellten Bierbänken zum Gespräch. Nach den Jahren mit Baulärm, Lkw-Verkehr und knappen Parkplätzen gab es dafür einiges zu erzählen.

Drei Bauvorhaben, vier Jahre Arbeit

Die Planung begann Anfang 2021, gebaut wurde seit Mai 2022. Der alte Behälter fasste lediglich 100 Kubikmeter und versorgte Lingental. Der neue hat drei Kammern und ein nutzbares Volumen von rund 1.800 Kubikmetern. Er dient der Versorgung von Lingental, Gauangelloch und Ochsenbach sowie des benachbarten Verbandsgebiets um Gaiberg.

Einfach abreißen und neu bauen ging nicht: Die Wasserversorgung musste während der Arbeiten weiterlaufen. Deshalb entstand zunächst eine Kammer neben dem alten Behälter. Erst danach konnte dieser abgerissen und konnten die beiden weiteren Kammern gebaut werden. Die erste ging im November 2023 in Betrieb, vollständig arbeitet der neue Behälter seit Juli 2026. Er liegt auf 357 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit der höchste Versorgungspunkt der Hardtgruppe.

Zum Bau gehörten auch zwei neue Hauptleitungen über jeweils rund 800 Meter zum Behälter sowie die Erneuerung einer etwa 2,5 Kilometer langen Leitung in Richtung Gauangelloch. Zeitweise musste der Nachbarverband Unteres Elsenztal bei der Versorgung aushelfen. Die Hardtgruppe beziffert die Kosten für Behälter und Leitungsarbeiten zusammen auf rund drei Millionen Euro.

Ein Blick durchs Guckloch

Vor und nach der feierlichen Durchtrennung des Bandes durften Besucher den Hochbehälter von innen besichtigen. Wer hinter dem Eingang eine eindrucksvolle Wasserhalle erwartet hatte, sah vor allem Technik und massive Spezialtüren. Das Wasser bleibt dahinter. Wassermeister der Hardtgruppe erklärten geduldig, wozu die Gucklöcher in den Türen dienen: Mit einer Taschenlampe lässt sich hineinleuchten und kontrollieren, ob Trübungen oder Ablagerungen zu erkennen sind. Goldfische, so wurde versichert, gibt es dort keine.

Das Band durchschnitten Oberbürgermeister John Ehret, Hardtgruppe-Geschäftsführer Rudi Kuhn, Ingenieur Schulz vom gleichnamigen Planungsbüro, Isabel John von den Stadtwerken Walldorf und Gemeinderat Matthias Kurz. Danach gehörte der Platz wieder den Besuchern, den Gesprächen und der Aussicht.

Millimeterarbeit für das Vesper-Stübl

Für die Verpflegung hatte die Hardtgruppe Horst Kräher mit seinem Vesper-Stübl nach Lingental geholt – auch als kleines Dankeschön an die Anwohner für ihre Geduld. Bevor Bratwurst, Currywurst und Steaks ausgegeben werden konnten, musste die Hütte allerdings erst den Weg nach oben schaffen. Stellenweise war die Durchfahrt nur etwa fünf Zentimeter breiter als die Hütte. Kräher brachte sie hindurch; Augenmaß war an diesem Tag offenbar ebenso gefragt wie Appetit.

Oben wurde er für die Mühe belohnt: Von seinem Stand aus reichte der Blick weit über die Landschaft des Kraichgaus. Eine bessere Aussicht dürfte das Vesper-Stübl bisher kaum gehabt haben. Und die Lingentaler konnten bei Wurst und einem Getränk endlich über den Hochbehälter sprechen, ohne dabei an einer Baustelle vorbeizumüssen.

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