(fwu – 1.10.26) Es gibt Termine, die stehen zwar nicht im meteorologischen Kalender, sind aber trotzdem ziemlich verlässliche Jahreszeitenmarker. Wenn am Leimener Kreuzweg die Bänke zwischen den Reben stehen, der Federweiße ins Glas kommt und auf dem Weg nach oben auffällig viele Menschen unterwegs sind, die man „schon ewig mal wieder anrufen wollte“, dann ist klar: Der Sommer kann langsam seine Sachen packen. Es ist wieder Weinbergfest.
Am Samstag, 3. Oktober, von 11 bis 18 Uhr lädt das Weingut Adam Müller zum Weinbergfest in den Leimener Kreuzweg. Und wenn die derzeitige Wetterprognose hält, was sie verspricht, könnte das ein ausgesprochen freundlicher Einstieg in den Veranstaltungsherbst werden: Für Samstag werden derzeit um die 22 Grad angezeigt, dazu sieht es nach wenig Regen aus. Wetterprognosen zwei Tage vorher sind zwar noch keine notariellen Urkunden – aber man darf schon einmal vorsichtig die gute Jacke statt der Regenhose bereitlegen.
Das Fest, auf dem man sich trifft

Das Weinbergfest ist längst mehr als die Gelegenheit, dort Wein zu trinken, wo er wächst. Es ist eines dieser Leimener Treffen, bei denen die eigentliche Verabredung häufig erst vor Ort entsteht. Man geht hin, trifft jemanden, bleibt stehen, entdeckt am nächsten Tisch die nächsten Bekannten und stellt irgendwann fest, dass aus dem geplanten kurzen Besuch ein halber Nachmittag geworden ist.
Und man wird gesehen. Das gehört dazu. Die Leimener Stadtgesellschaft trifft sich im Kreuzweg ziemlich zuverlässig zwischen Reben, Gläsern und Kuchentellern – Vereinsleute, Familien, alte Bekannte, Kommunalpolitiker, Geschäftsleute und jene Leimener, die ansonsten mit bemerkenswerter Konsequenz behaupten, eigentlich nie auf Veranstaltungen zu gehen.
Wein, Federweißer, Grill – und Kuchen
Das Programm hält sich erfreulicherweise nicht mit unnötigen Experimenten auf. Das Weingut Adam Müller schenkt Wein, Sekt und Federweißen aus, dazu gibt es Herzhaftes vom Grill und Kuchen. Außerdem gehört Live-Musik zum Programm. Das ist ungefähr jene Mischung, bei der man schon vor dem ersten Glas ziemlich genau weiß, weshalb man hergekommen ist.
Und der Federweiße hat Anfang Oktober ohnehin Heimvorteil. Er gehört zu diesen Getränken, die außerhalb weniger Herbstwochen kaum jemand vermisst, in genau diesen Wochen aber plötzlich vollkommen unverzichtbar erscheinen. Der Herbst hat eben seine eigenen Regeln.
Die historische Straßenbahn fährt auch
Zur diesjährigen Ausgabe gehört außerdem wieder ein Verkehrsmittel, das selbst schon einen kleinen Ausflug wert ist: die historische Straßenbahn. Während moderne Fahrzeuge möglichst leise, klimatisiert und digital informiert durch die Gegend rollen sollen, darf hier noch ein wenig Verkehrsgeschichte mitfahren. Früher fuhr man damit einfach zur Arbeit. Heute macht man Fotos davon. So ändern sich die Zeiten.
Wer also nicht ohnehin zu Fuß oder mit dem Fahrrad Richtung Kreuzweg unterwegs ist, kann bereits die Anreise ein wenig nostalgischer gestalten. Danach geht es hinauf zum Weinberg – und spätestens dort wird ohnehin langsamer gegangen, schon weil auf den letzten Metern erfahrungsgemäß die ersten Bekannten auftauchen.
Oben wartet Leimen
Der eigentliche Reiz des Weinbergfestes liegt ohnehin nicht allein auf den Tischen. Zwischen den Rebzeilen öffnet sich der Blick über Leimen und hinaus in die Rheinebene, während ringsherum Gläser klirren, Gespräche durcheinanderlaufen und irgendwo Musik zu hören ist. Dazu der Geruch vom Grill, Federweißer im Glas und das trockene Rascheln der ersten Herbstblätter – sofern der Wetterbericht sich an seine derzeitigen Versprechungen hält.
Vor allem aber trifft man sich hier. Das Weinbergfest ist einer dieser Termine, bei denen die Leimener Stadtgesellschaft für ein paar Stunden erstaunlich kompakt auf einem Weinberg untergebracht werden kann. Wer wen kennt, wer lange nicht gesehen wurde und wer eigentlich nur „mal kurz“ vorbeischauen wollte, klärt sich dann zwischen zwei Tischen meist von selbst.
Das erste richtige Fest des Herbstes
So gesehen ist der 3. Oktober in Leimen nicht nur Feiertag, sondern auch so etwas wie der Startschuss für den geselligen Herbst. Die großen Sommerfeste sind vorbei, die Abende werden merklich früher dunkel, morgens braucht man plötzlich wieder eine Jacke – aber bevor Glühwein, Advent und Weihnachtsbeleuchtung übernehmen, gehört der Nachmittag noch einmal dem Weinberg.
Los geht es am Samstag um 11 Uhr, gefeiert wird bis 18 Uhr. Sieben Stunden für Wein und Federweißen, Grill und Kuchen, Musik und Aussicht – und vermutlich mindestens drei Begegnungen, die mit dem Satz beginnen: „Ach, du auch hier?“
Ja. Wo denn sonst?
Weinbergfest des Weinguts Adam Müller
Samstag, 3. Oktober 2026
11 bis 18 Uhr
Leimener Kreuzweg
Wein · Sekt · Federweißer · Grill · Kuchen · Live-Musik · historische Straßenbahn





