Ansprache von Pfarrer Aziz Can auf der Leimener Mahnwache vom 13.2.15

Ansprache von Pfarrer Aziz Can von der syrisch-orthdoxen Kirche auf der Leimener Mahnwache vom 13.2.15

„Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?

Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

(Römer 8,35)

4787 - Mahnwache - 9

Pfarrer Aziz Can (r.)

Meine Damen und Herren. Das Jahr 2015 hat für uns Aramäer eine besondere Bedeutung! Denn es ist das 100- jährige Sayfo- Gedenkjahr! Wenn wir Aramäer von Sayfo sprechen, was übrigens mit „Schwert „ übersetzt wird, dann sprechen wir vom Genozid, vom Völkermord unseres aramäischen Volkes durch das Osmanische Reich im Jahre 1915. Selbst im Deutschen Bundestag  wird es  am 24.April 2015 eine Gedenkfeier  dazu geben. Beim Sayfo wurden unsere wehrlosen und unbewaffneten Vorväter und Mütter mit dem Schwert getötet. Es fanden ca. 500.000 Aramäer und insgesamt 1,5 bis 2 Millionen Christen (Aramäer, Pontos-Griechen und Armenier) auf die widerlichste Art und Weise den Tod.

Diejenigen, die überlebten, wurden von ihren Häuser und Ländereien vertrieben, ihr Eigentum beschlagnahmt, ihre Würde verletzt und in vielen Fällen, waren sie gezwungen, auf ihre Religion und ihren Glauben zu verzichten. Kirchen und Klöster wurden zu Fabriken, Restaurants oder zu Tierställe. Ziel all dieser Grausamkeiten war es, alle Zeichen der christlichen Präsenz in der Region auszulöschen und somit auch  dem aramäischen Volk die Identität zu nehmen und ihm damit seine politischen, kulturellen und sozialen Rechte zu verweigern. Die Aramäer werden bis heute nicht als Volk in der Türkei anerkannt.

Ein ganzes Jahrhundert ist seit dem Völkermord vergangen, jedoch bluten immer noch unsere Wunden. Wir von der Syrisch-Orthodoxen Kirche sind verpflichtet, der Welt an eines der schändlichsten und hässlichsten Verbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts zu erinnern. Denn wer über die Wahrheit schweigt, ist Partner dieser Kriminalität. Mindestens 22 Staaten haben diese Massentötungen bislang als Völkermord im Sinne der UN-Konvention von 1948 über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes anerkannt. Die türkische Regierung  dagegen leugnet es  bis heute ab.

4787 - Mahnwache - 3Wie wenig hat sich seit dem Sayfo verändert! Während der letztjährigen Sommermonate wurden 140.000 Bewohner von Mosul aus ihrer Stadt vertrieben, und die Bürger von den Dörfern der Ninive- ebene wurden von dem Land ihrer Vorfahren entwurzelt. Unsere Aramäischen Christen sind wieder auf der Suche nach einen Ort, um sich niederzulassen und in Sicherheit und Frieden zu leben. Trotz allem sind wir immer noch in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in der wir einmal wieder eine freie Anbetung des Herrn in unserem eigenen Land, der Wiege des Christentums ausüben können.

 Wir werden niemals den Glauben aufgeben, und den Glauben an die Worte unseres Herrn Jesus Christus, der sagte: „Habt Mut; Ich habe die Welt besiegt. (Johannes 16,33).

Alle diese Verfolgungen werden uns nicht davon abhalten, wir halten an unseren Glauben an den Herrn Jesus. Das Ziel dieses Gedenken ist nicht zu Hass oder  Feindseligkeit aufzurufen, NEIN!!!  vielmehr ist es die Treue der Erinnerung an unsere unschuldigen Märtyrer zu zeigen, so dass unser Volk und alle  andere Völker auf der Welt, niewieder ähnliche Massaker erfahren müssen.“

Bericht über die Mahnwache: „Freitags-Mahnwache erinnerte an türkischen Völkermord und Dresden Bombardierung

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