Flohmarkt im Hochsommer: In St. Ilgen stand das Miteinander im Vordergrund
(fwu – 24.6.26) Es gibt Tage, an denen man sich fragt, wer zuerst auf die Idee kam, einen Flohmarkt ausgerechnet bei mehr als 30 Grad zu veranstalten. Vermutlich derselbe Mensch, der irgendwann einmal beschlossen hat, an heißen Sommertagen Dachgeschosse zu bauen. Andererseits gehören Hofflohmärkte zum Sommer wie das Handtuch auf der Liegewiese – und wenn die Sonne scheint, zieht es die Menschen eben hinaus. Oder ins Schwimmbad.
So auch am Samstag beim Hofflohmarkt in St. Ilgen. Über den Ort verteilt hatten Anwohner ihre Höfe, Garagen und Einfahrten geöffnet und boten alles an, was in Kellern, Kinderzimmern und Abstellkammern in den vergangenen Jahren ein eher stilles Dasein geführt hatte.
Mit der Landkarte durch den Ort
Wer auf Schnäppchenjagd gehen wollte, bekam zunächst eine kleine Orientierungshilfe an die Hand. Eine Landkarte führte die Besucher von Hof zu Hof und zeigte zugleich, was an den einzelnen Stationen angeboten wurde. Die Kategorien reichten von Kinderkleidung über Spielzeug bis hin zu einem „Sammelsurium“ – jenem wunderbaren Begriff, der alles beschreibt, was sich nicht mehr in übersichtliche Schubladen einsortieren lässt.
Am frühen Morgen herrschte durchaus Betrieb. Familien zogen durch die Straßen, Kinder warfen interessierte Blicke auf Spielzeugkisten und manch einer entdeckte Dinge, von denen er bis dahin nicht wusste, dass er sie möglicherweise dringend benötigt.
Wenn die Sonne übernimmt
Doch mit jeder Stunde stieg das Thermometer weiter an. Die Sonne stand beinahe unbeweglich über den Dächern, der Asphalt begann zu flimmern und die Zahl der Besucher nahm sichtbar ab.
„Die Familien gehen dann doch lieber ins Schwimmbad oder in den heimischen Pool“, war mehrfach zu hören. Auch einige angemeldete Aussteller entschieden sich angesichts der Temperaturen spontan dagegen, ihre Waren überhaupt auszulegen. Wer möchte schon stundenlang neben alten Büchern, Schallplatten oder Kinderfahrrädern sitzen, während die Sonne arbeitet wie ein leistungsstarker Heizlüfter.
Das Schwätzchen ist wichtiger als der Umsatz
Trotz der Hitze erfüllte der Hofflohmarkt seinen eigentlichen Zweck. Denn für viele Teilnehmer steht weniger der Verkaufserlös im Vordergrund als vielmehr das Miteinander im Ort. Im Unterschied zu großen Flohmärkten entfällt die Anreise, der Aufbau ist unkompliziert und die Kundschaft besteht häufig aus Menschen, die man ohnehin kennt.
„Das Gesellige spielt eine große Rolle, die Nachbarn sehen sich, man hält ein Schwätzchen, insgesamt gute Laune bei bestem Sonnenschein“, beschrieb ein Teilnehmer die Stimmung.
Und vielleicht passte die außergewöhnliche Wärme sogar ganz gut zur Veranstaltung. Gedränge gab es kaum, niemand musste sich an Ständen vorbeischieben, und zwischen den Höfen blieb genügend Zeit für Gespräche. Oder, wie es ein Teilnehmer trocken formulierte: „Je heißer es wird, desto mehr hält sich das Gedrängel in Grenzen.“
So wurde der Hofflohmarkt in St. Ilgen am Ende weniger zu einer Jagd nach Schnäppchen als zu einem sommerlichen Dorfrundgang – nur mit etwas mehr Kinderkleidung, ein paar alten Spielsachen und erstaunlich vielen Dingen aus der Kategorie Sammelsurium.
Kurz-URL: https://leimenblog.de/?p=204472





















































