(rnk – 14.8.26) Es gibt Dinge, die ändern sich auch im Jahr 2026 nur begrenzt: Im Kraichgau geht es bergauf, im Odenwald ebenfalls, und wer eine Radtour mit dem Wort „Höhenmeter“ bucht, sollte nicht darauf hoffen, dass diese unterwegs aus organisatorischen Gründen entfallen. Neu ist allerdings das Personal: Die RadGuides Rhein-Neckar haben Verstärkung bekommen, und die neuen Guides bringen nun ihre eigenen Touren ins Sommerprogramm – mit Wasser, Wald, alten Wegen, regionalen Spezialitäten und gelegentlich auch einem Ort, an dem die Sache ein wenig mystischer wird.
Auf den Wegen zwischen Rhein, Neckar, Kraichgau und Odenwald ist dabei fast alles vertreten, was eine Sommertour braucht: schmale Asphaltbänder zwischen Feldern, schattige Waldstücke, Aussichtspunkte, Bäche, ehemalige Steinbrüche und jene kleinen Stopps am Wegesrand, an denen man gewöhnlich vorbeifährt, weil gerade der Tacho, die Trinkflasche oder der nächste Anstieg wichtiger erscheint. Die RadGuides machen genau dort Halt.
Vier Täler und ziemlich viele Hügel

Am 16. August startet in Wiesloch die Vier-Bachtäler-Radtour durch den Kraichgau. Leimbach, Angelbach, Katzbach und Elsenz geben der Strecke ihren Namen, wobei die vier Täler nicht darüber hinwegtäuschen sollten, dass der Kraichgau weiterhin als „Land der 1000 Hügel“ firmiert. Die Landschaft hat diesen Titel nicht aus touristischer Höflichkeit erhalten: Auf 60 Kilometern kommen rund 500 Höhenmeter zusammen.
Die Strecke führt durch vier Fluss- und Bachtäler und verbindet Natur- und Kulturlandschaft miteinander. Wer um 11 Uhr startet, sollte also nicht nur Wasser in der Flasche, sondern auch etwas Bereitschaft zum Schalten mitbringen. Zwölf Euro kostet die Tour, Kinder bis 14 Jahre zahlen acht Euro. RadGuide ist Thomas Stang, Anmeldung unter stang-radguide@web.de.
Dinkel, Grünkern und die Kunst des Hinschauens
Deutlich gemächlicher geht es am 23. August zwischen Walldorf, Reilingen und St. Leon-Rot zu. „Wälder, Felder, Gaumenkitzler“ heißt die 24 Kilometer lange Tour, und schon der Titel lässt erkennen, dass hier weniger der sportliche Ehrgeiz als die Aufmerksamkeit für Landschaft und Lebensmittel gefragt ist. Große Steigungen fehlen, dafür liegen Königstuhl und Letzenberg als Kulisse am Horizont, während die Gruppe durch Wälder und Felder rollt.
Unterwegs wird an Stellen gehalten, die auf den ersten Blick eher unspektakulär wirken – also genau dort, wo man allein vermutlich mit unverändertem Tempo weiterfahren würde. Dabei geht es unter anderem um Dinkel und Grünkern, und beim bloßen Darüberreden bleibt es nicht: Verkostet wird ebenfalls. Start ist um 10 Uhr, die Teilnahme kostet zehn Euro. RadGuide Michael Lamprecht nimmt Anmeldungen unter mi-lam@web.de entgegen.
Vom Ur-Neckar bis zum Kallenbergsee

Ebenfalls am 23. August führt Friedbert Kaiser von Neckargemünd aus zum Kallenbergsee. Zunächst geht es am Bannwald „Hollmuth“ vorbei auf die Höhe, von wo sich der Blick zurück auf die Neckarschleife öffnet. Danach folgt eine Station, die zeitlich etwas weiter zurückliegt als die meisten Sehenswürdigkeiten der Region: die Fundstelle des berühmten Unterkiefers des Homo heidelbergensis.
Über den Elsenztal-Radweg fährt die Gruppe weiter durch Hoffenheim und Neidenstein nach Eschelbronn zum Naturschutzgebiet Kallenberg. Der ehemalige Steinbruch ist heute Lebensraum für Kröten, Molche, Schmetterlinge und Libellen – wobei sich die Tiere naturgemäß nicht an touristische Dienstpläne halten und deshalb etwas Beobachtungsglück dazugehört. Schon auf der Anfahrt geht es außerdem um den Ur-Neckar, die Bodensee-Wasserversorgung und einen römischen Kalkofen. Zurück führt die Strecke entlang des Schwarzbachs nach Neckargemünd.
Start ist um 13 Uhr, die Tour kostet acht Euro. Anmeldung bei RadGuide Friedbert Kaiser unter friedbert.kaiser@gmx.de.
Brücken, die heute niemand mehr hinterfragt
Am 23. und 31. August nimmt Ralf Handl die Heidelberger Neckarbrücken unter die Räder. Heute rollt man über eine Brücke, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen. Das Bauwerk ist da, der Fluss unten, das Ziel auf der anderen Seite – damit scheint der Fall erledigt. Früher war eine Flussüberquerung allerdings eine technische, wirtschaftliche und gelegentlich politische Angelegenheit von beträchtlichem Gewicht.
Auf der rund 20 Kilometer langen Radrunde werden sämtliche Heidelberger Neckarbrücken über- oder unterquert. Dabei geht es um ihre Geschichte und um die Pionierleistungen, die nötig waren, bevor das Überqueren des Neckars zu jener selbstverständlichen Alltagsbewegung wurde, die heute kaum noch jemand bemerkt. Start ist an beiden Tagen um 14 Uhr, die Teilnahme kostet acht Euro. Anmeldung jeweils bis zwei Tage vor dem Termin unter ralf.radelt.um.hd@icloud.com.
Mit dem Fahrrad zur Kneippanlage
Am 25. August wird es am späten Nachmittag zumindest stellenweise kühl. Die Rundtour „Kneippen im Wald“ startet um 17 Uhr in Sinsheim und führt zunächst über die Felder nach Steinsfurt, anschließend hinein in den Wald. Nach einigen Anstiegen und Abfahrten erreicht die Gruppe eine Kneippanlage, an der Füße und Beine nach einem Sommertag eine deutlich andere Temperatur kennenlernen dürfen.
Ganz unbeschwert ist das Thema Wasser allerdings nicht. Unterwegs soll auch die aktuelle Wasserknappheit zur Sprache kommen. Dorfbrunnen führen teilweise nur wenig Wasser oder sind ganz abgestellt – eine Veränderung, die man vom Fahrradsattel aus ziemlich unmittelbar bemerkt. Je nach Interesse kann zu Beginn außerdem ein Abstecher zum U-Boot U17 auf dem Gelände des Technikmuseums eingelegt werden. Ein U-Boot vor einer Kneipptour ist vermutlich eine Kombination, die Sebastian Kneipp selbst so nicht vorgesehen hatte.
Die Strecke ist zwischen 15 und 22 Kilometer lang, die Teilnahme kostet sechs Euro. RadGuide ist Ursula Liebscher, Anmeldung bis 24. August unter liebscherursula67@gmail.com.
750 Höhenmeter und ein mystischer Zwischenstopp
Wer am 26. August mit Dittmar Kinne in Neckargemünd startet, sollte ein wenig Kondition mitbringen. 50 Kilometer und 750 Höhenmeter führen durch Wälder, über Höhen und durch Täler des Odenwalds. Ein erstes markantes Ziel ist der Teltschikturm auf dem Schriesheimer Kopf. Der Turm steht auf 529 Metern Höhe, seine Plattform liegt noch einmal 36 Meter darüber – womit sich die Landschaft gewissermaßen in mehreren Etagen erarbeiten lässt.
Weiter geht es zur Stiefelhütte, wobei sich rund um Lampenhain der Wald öffnet und bewirtschaftete Höhen den Blick auf die Berge und die Rheinebene freigeben. Die Hütte selbst war früher Versorgungsstation für den angrenzenden Steinbruch. Heute ist ihre Aufgabe friedlicher: Pause machen, trinken, essen, Beine sortieren.
Danach führt die Strecke hinunter zur ehemaligen Kapelle Lichtenklinger Hof. Für manche Besucher gilt die Ruine als mystischer „Kraftplatz“. Auf dem Altarfragment finden sich noch heute Opfergaben – ein Brauch, der zeigt, dass alte Orte auch dann nicht unbedingt ihre Wirkung verlieren, wenn das Dach längst fehlt. Über Heiligkreuzsteinach und Schönau mit den Resten des ehemaligen Zisterzienserklosters geht es weiter nach Neckarsteinach und schließlich entlang des Neckars, vorbei an den vier Burgen, zurück nach Neckargemünd.
Start ist um 10 Uhr, die Teilnahme kostet zwölf Euro. Anmeldung bis 24. August bei RadGuide Dittmar Kinne unter dittmarkinne@gmail.com.
Hohlwege, Profilreifen und ein kleines Handtuch
Am 30. August führt Ursula Liebscher von Meckesheim nach Tairnbach und in die dortige Welt der Hohlwege. Auf 30 Kilometern lernen die Teilnehmenden verschiedene Entwicklungsstufen dieser tief eingeschnittenen Wege kennen, erfahren etwas über ihre Entstehung sowie über Flora und Fauna – und fahren natürlich auch hindurch. Hohlwege betrachtet man schließlich am besten nicht nur von oben.
Die Tour verlangt allerdings etwas Aufmerksamkeit bei der Ausrüstung. Einige Wege sind uneben, dazu kommen steile Abfahrten. Funktionierende Bremsen und Reifen mit Profil sind deshalb ausdrücklich erforderlich, was ohnehin eine vernünftige Grundlage des Radfahrens darstellt, hier aber sicherheitshalber noch einmal amtlich erwähnt wird. Außerdem sollen kleine Plastik- und Papiertüten sowie, falls noch Platz ist, ein kleines Handtuch mitgebracht werden. Wofür genau, zeigt sich unterwegs.
Start ist um 11 Uhr, die Teilnahme kostet zwölf Euro. Anmeldung bis 28. August unter liebscherursula67@gmail.com.
Die Region aus Sattelhöhe
Die neuen Touren zeigen recht schön, was das Konzept der RadGuides ausmacht: Es geht nicht nur darum, von einem Startpunkt zu einem Ziel zu kommen. Zwischen Sonnenblumenfeldern, Waldwegen, Brücken, alten Steinbrüchen und Bachläufen wird angehalten, hingeschaut und erklärt. Mal geht es um Erdgeschichte, mal um Wasserversorgung, mal um Getreide – und zwischendurch schlicht darum, dass ein Weg steiler ist, als er auf der Karte aussah.
Weitere Touren und Details zum Programm gibt es unter www.imsuedenganzoben.de/rhein-neckar/radguides. Rückfragen und Anmeldungen sollen direkt an die jeweiligen RadGuides gerichtet werden. Der Sommer ist schließlich noch nicht vorbei – und an Hügeln herrscht in der Region ohnehin kein Mangel.




