Flugzeugabsturz in Leimen-Süd – Feuerwehren rückten zum Großeinsatz aus

(fwu – 14.8.26) Es gibt Nachrichten, bei denen man sich zunächst fragt, warum eigentlich niemand darüber berichtet hat. Ein Flugzeugabsturz in Leimen-Süd zum Beispiel. Feuer. Dichter Qualm. Die Feuerwehr im Großeinsatz, mehrere Löschfahrzeuge vor Ort, eine Drehleiter ebenfalls. Und das alles am vergangenen Samstag praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Nun könnte man der Presse Versagen vorwerfen. Man könnte über Nachrichtensperren spekulieren, über behördliches Schweigen oder darüber, ob Leimen-Süd inzwischen über einen geheimen Flugplatz verfügt. Die Erklärung ist allerdings erheblich einfacher: Das Flugzeug war klein. Sehr klein. Und der Großeinsatz ebenfalls – jedenfalls, wenn man einen Zollstock danebenlegt.

Schauplatz war das Vereinsgelände des Funktions-Modell-Truck Kurpfalz e.V. am Engelsbrunnen, wo am Samstag nicht irgendeine Katastrophe, sondern der 30. Geburtstag von Kai Daubenthaler gefeiert wurde. Daubenthaler ist seit zwölf Jahren im Verein und zweifacher deutscher Vizemeister. Andere Menschen bekommen zum Dreißigsten einen Gutschein, eine Flasche Wein oder Dinge, über deren späteren Verbleib höflich geschwiegen wird. Beim FMT lässt man zur Feier des Tages eben ein Flugzeug abstürzen und alarmiert anschließend die eigene Werks-Feuerwehr.

Der Absturz war geplant – das Feuer auch

Am Rand des Parcours landete das Modellflugzeug dort, wo es nach dem Drehbuch landen sollte: in einem Reisighaufen. Der wurde anschließend in Brand gesetzt. Schließlich standen auf dem Gelände reichlich Feuerwehrfahrzeuge herum, und wer ein voll funktionsfähiges Löschfahrzeug gebaut hat, möchte irgendwann auch löschen. Nur Blaulicht einschalten und danebenstehen wäre auf Dauer selbst für einen Modellbauer etwas wenig.

Also begann der Einsatz. Rote Fahrzeuge setzten sich in Bewegung, Blaulichter blitzten zwischen den Bäumen, Schläuche wurden ausgerollt und Wasser marsch. Plötzlich war auf dem kleinen Straßennetz genau jene Betriebsamkeit zu beobachten, die man bei der echten Feuerwehr lieber nicht vor dem eigenen Haus erleben möchte. Der entscheidende Unterschied: Hier konnte man den Brand notfalls noch einmal anzünden, falls beim ersten Durchgang jemand mit der Kamera nicht aufgepasst hatte.

Dass solche Szenarien beim FMT durchaus Tradition haben, zeigt ein Blick ins Leimen-Lokal-Archiv: Schon vor Jahren rückten die Modellfeuerwehren zu Bränden aus, während andernorts auf dem Parcours gebaut, transportiert und gebaggert wurde. Das Prinzip ist bis heute dasselbe geblieben: Die Fahrzeuge sehen nicht nur aus wie ihre großen Vorbilder, sie sollen möglichst auch das tun können, was diese können.

10.000 Liter Wasser – beziehungsweise vier

Besonders eindrucksvoll ist der Wechsellader mit Ladekran und Abrollbehälter Wasser. Beim großen Vorbild fasst ein solcher Behälter ungefähr 10.000 Liter. Das Modell führt vier Liter mit sich. Das klingt zunächst nach einer gewissen Einsparung beim Katastrophenschutz, ist im entsprechenden Maßstab aber eine durchaus respektable Wassermenge – und spätestens wenn vier Liter Wasser aus einem Modellfahrzeug tatsächlich dort ankommen, wo sie hinsollen, versteht man, dass hier nicht einfach Spielzeug über den Hof geschoben wird.

Überhaupt lohnt sich der zweite Blick. Türen, Beleuchtung, Pumpen, Kräne, Aufbauten und technische Einrichtungen funktionieren; Fahrzeuge fahren nicht bloß von links nach rechts, sondern verrichten Arbeit. Vor dem Besucher stehen Lastwagen, Feuerwehrfahrzeuge, Baumaschinen und Spezialfahrzeuge, in denen teilweise Hunderte Arbeitsstunden stecken. Früher bekam man als Kind einen Plastik-Lkw, drückte oben auf ein gelbes Knöpfchen und war mit dem technischen Fortschritt im Wesentlichen durch. Hier reicht das nicht.

Eine Drehleiter mit persönlicher Geschichte

Besonders schön wird dieses Hobby dort, wo Modellbau und eigenes Berufsleben zusammenkommen. Auf dem Gelände stand auch ein Hubrettungsfahrzeug – im üblichen Feuerwehrdeutsch eine Drehleiter mit Korb in niedriger Bauweise. Das historische Vorbild stammt aus der Zeit um Anfang/Mitte der 1980er-Jahre; nur vier Exemplare dieses Typs soll es gegeben haben, eines davon war früher in Frankfurt im Einsatz.

Für den Erbauer Franz Josef ist das Fahrzeug weit mehr als irgendeine Vorlage aus einem Katalog. Er war 40 Jahre bei der Berufsfeuerwehr und absolvierte auf genau diesem Drehleitertyp seine Ausbildung. Jahrzehnte später steht die Leiter wieder vor ihm, nun eben so klein, dass ihr Bediener deutlich größer ist als das gesamte Feuerwehrhaus dahinter. Die Funktionen aber sind geblieben: Die Leiter fährt aus, der Korb bewegt sich, Blaulichter leuchten – Berufsbiografie im Modellmaßstab.

Und während Franz Josef neben seinem Fahrzeug steht, sieht man recht gut, warum dieses Hobby Menschen über Jahrzehnte beschäftigt. Man baut nicht einfach einen roten Lastwagen. Man baut ein bestimmtes Fahrzeug, aus einer bestimmten Zeit, mit einer bestimmten Technik und manchmal eben mit einer ganz persönlichen Geschichte dahinter.

Leimen-Süd wächst um rund 150 Quadratmeter

Auch die kleine Stadt am Engelsbrunnen selbst ist größer geworden. Rund 150 Quadratmeter zusätzliche Fläche konnte der Verein von der Stadt anmieten. Wo vorher Schluss war, geht der Parcours nun weiter. Straßen ziehen sich durch das Gelände, Brücken überspannen kleine Einschnitte, Baustellen warten auf Bagger und Lkw, und zwischen Beton, Erde und Grün stehen Fahrzeuge bereit, als hätte das örtliche Bauamt einen außergewöhnlich guten Tag erwischt.

Das Gelände wirkt dabei wie eine Mischung aus Verkehrsübungsplatz, Großbaustelle und jener Modelleisenbahn, die man als Kind gern gehabt hätte, für die aber weder Kinderzimmer noch elterliche Geduld ausreichend dimensioniert waren. Nur dass hier keine Lok zuverlässig im Kreis fährt. Hier wird rangiert, geladen, gekippt, gebaggert, gekrant und eben gelegentlich auch ein abgestürztes Flugzeug gelöscht.

Gerade für Kinder gibt es deshalb ständig etwas zu entdecken. Ein Bagger bewegt Erde, ein Lastwagen rollt heran, irgendwo blinkt es, eine Feuerwehr setzt sich in Bewegung. Und während die Kinder den Fahrzeugen folgen, stehen die Erwachsenen erstaunlich häufig genauso lange daneben. Vermutlich nur, um den Kindern alles genau zu erklären. Selbstverständlich.

25 Aktive – und einer davon jetzt 30

25 aktive Mitglieder zählt der FMT Kurpfalz derzeit. Auf dem Gruppenfoto stehen sie hinter ihrer kleinen Welt, Schulter an Schulter zwischen Baggern, Lastwagen, Absperrungen und Straßenbau. Dass die Truppe zusammenhält, war an diesem Nachmittag nicht nur fürs Foto zu erkennen: Einer hilft beim Fahrzeug, der nächste erklärt eine technische Besonderheit, andere beobachten den Einsatz oder sitzen beisammen. Dazwischen fährt immer wieder etwas auf Rädern vorbei.

Im Mittelpunkt stand diesmal Kai Daubenthaler. Zwölf seiner nun 30 Lebensjahre ist er bereits im Verein, dazu kommen zwei deutsche Vizemeistertitel. Man kann also mit einiger Berechtigung feststellen, dass ein beträchtlicher Teil seines bisherigen Erwachsenenlebens auf Rädern im Kleinformat stattgefunden hat.

Dass zu seinem Geburtstag nicht bloß Kuchen angeschnitten, sondern ein kompletter Feuerwehreinsatz inszeniert wurde, passt deshalb ziemlich gut. Und es zeigt auch, was diesen Verein ausmacht: Man baut gemeinsam, tüftelt gemeinsam, fährt gemeinsam – und wenn einer 30 wird, brennt eben irgendwo ein Reisighaufen.

Entwarnung für Leimen-Süd

Am Ende kann die Bevölkerung also beruhigt werden. Der Flugzeugabsturz von Leimen-Süd forderte keine Verletzten. Der Brand war beabsichtigt. Die Feuerwehr hatte die Lage jederzeit unter Kontrolle, was bei mehreren Löschfahrzeugen für einen einzelnen Reisighaufen allerdings auch erwartet werden durfte.

Zurück blieb ein Nachmittag zwischen großen Männern und kleinen Lastwagen, zwischen jahrzehntelanger Berufserfahrung und millimetergenauem Modellbau, zwischen Geburtstagsfeier und Großeinsatz. Und die Erkenntnis, dass beim FMT Kurpfalz das Wort „Spielplatz“ zwar durchaus passt, aber nur, solange man hinzufügt, dass manche der dort abgestellten „Spielzeuge“ Hunderte Arbeitsstunden verschlungen haben und technisch mehr können als manches ausgewachsene Auto.

Und Kai Daubenthaler? Dem wünschen wir natürlich alles Gute zum 30. Geburtstag – und für die kommenden Jahre weiterhin eine ruhige Hand an der Fernsteuerung. Denn wie der Samstag gezeigt hat, kann in Leimen-Süd jederzeit etwas passieren.

Zumindest im Maßstab 1:16.

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