(zoo – 22.10.26) Große Augen, riesige Ohren, ein etwas skeptischer Blick und eine Frisur, die offenbar noch keinen Friseur gesehen hat: Der jüngste Nachwuchs im Zoo Heidelberg erinnert auf den ersten Blick verblüffend an Gollum aus „Der Herr der Ringe“. Nur dass dieses kleine Wesen deutlich niedlicher ist und vermutlich noch nicht ständig nach seinem „Schatz“ verlangt. Bei den Weißscheitelmangaben im Zoo Heidelberg hat sich Mitte September Nachwuchs eingestellt. Ein kleines Weibchen erblickte das Licht der Welt und sorgt seitdem für reichlich Entzücken. Und das völlig zu Recht, wie die Bilder zeigen.
Mama hat alles im Griff
Für die Affenmutter ist es bereits das dritte Jungtier. Entsprechend gelassen geht sie mit ihrem Nachwuchs um. Während die Kleine mit großen Augen die Welt bestaunt, sorgt Mama dafür, dass ihr nichts passiert. Viel Körperkontakt, ein sicherer Platz am Bauch und eine Rundumbetreuung, von der manche menschlichen Eltern nur träumen können.
„Da es bereits ihr drittes Junges ist, meistert die Mutter die Aufzucht sehr souverän. Der Nachwuchs entwickelt sich bislang altersgerecht und macht einen rundum gesunden Eindruck“, berichtet Kuratorin Sandra Reichler.
Noch verbringt die kleine Mangabe den größten Teil ihrer Zeit dicht bei ihrer Mutter. Aber das wird sich ändern. In den kommenden Monaten dürfte der Entdeckerdrang wachsen. Schließlich gibt es im Affengehege einiges zu erkunden. Und irgendwann wird auch Mama feststellen, dass aus dem niedlichen, anhänglichen Baby ein ziemlich bewegliches kleines Äffchen geworden ist.
So niedlich – und leider so selten
Hinter der erfreulichen Nachricht steckt allerdings ein ernster Hintergrund. Weißscheitelmangaben gehören zu den seltensten und am stärksten bedrohten Affenarten Westafrikas. Ihre Heimat sind die Regenwälder Ghanas und der Elfenbeinküste, vereinzelt reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Burkina Faso.
Dort haben die Tiere erhebliche Probleme. Die Zerstörung der Regenwälder nimmt ihnen den Lebensraum, zusätzlich setzt ihnen die Jagd zu. In vielen Regionen sind ihre Bestände in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zurückgegangen. Dass in Heidelberg nun ein gesundes Jungtier heranwächst, ist deshalb weit mehr als eine nette Nachricht für Tierfreunde.
Heidelberg engagiert sich seit über 20 Jahren
Der Zoo Heidelberg setzt sich schon lange für den Schutz dieser bedrohten Affen ein. Auf seine Initiative wurde Anfang 2001 die Artenschutzorganisation WAPCA (West African Primate Conservation Action) gegründet. Unter Heidelberger Führung arbeiten europäische Zoos und Naturschutzorganisationen zusammen, um Weißscheitelmangaben, Roloway-Meerkatzen und ihre natürlichen Lebensräume zu schützen.
Das Engagement reicht von wissenschaftlicher Forschung und Tierzählungen über die Ausbildung von Wildhütern bis zur Einrichtung neuer Schutzgebiete. Auch die Aufklärung der Bevölkerung vor Ort gehört dazu. Außerdem betreibt WAPCA eine Auffang- und Zuchtstation für beschlagnahmte Affen. Aktuell laufen Forschungsprojekte, die langfristig sogar eine Wiederansiedlung von Weißscheitelmangaben ermöglichen könnten.
Ein kleiner Affe mit großer Bedeutung
Seit 2019 hält der Zoo Heidelberg Weißscheitelmangaben und beteiligt sich an einem internationalen Erhaltungszuchtprogramm. „Jedes Jungtier trägt dazu bei, eine genetisch vielfältige Reservepopulation zu erhalten und ist ein Erfolg für den Artenschutz“, erklärt Kuratorin Sandra Reichler. Die kleine Mangabe ist also nicht nur ein ausgesprochen fotogenes Affenbaby, sondern auch ein wichtiger Hoffnungsträger für ihre bedrohte Art.
Wer sich selbst davon überzeugen möchte, wie niedlich so ein kleiner „Gollum“ sein kann, hat dazu bereits Gelegenheit: Mutter und Tochter sind auf ihrer Anlage im Zoo Heidelberg zu beobachten. Und keine Sorge: Anders als ihr berühmtes Filmvorbild dürfte die Kleine vorerst wenig Interesse an goldenen Ringen haben. Mamas Bauch ist ihr eindeutig lieber.
Fotos: Petra Medan und Andreas Traxler / Zoo Heidelberg







