Seltene Jägerin der Nacht: Die Bechsteinfledermaus lebt auch an der Bergstraße

(rnk – 22.10.26) Große Ohren, ein geradezu niedliches Gesicht und erstaunliche Fähigkeiten bei der nächtlichen Jagd: Die Bechsteinfledermaus gehört zu den seltenen Bewohnern unserer heimischen Wälder. Auch in Schriesheim und Hirschberg ist sie nachgewiesen worden. Für das Kreisforstamt Rhein-Neckar ist das eine erfreuliche Nachricht – und zugleich ein Beleg dafür, wie wichtig alte Bäume und naturnahe Wälder sind.

Wer abends durch den Wald spaziert, wird sie kaum zu Gesicht bekommen. Dabei ist die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) durchaus unterwegs, wenn andere Waldbewohner längst ihre Ruheplätze aufgesucht haben. Mit einer Körperlänge von gerade einmal fünf Zentimetern und einer Flügelspannweite von 25 bis 30 Zentimetern ist sie eine eher unscheinbare Erscheinung. Ihre Ohren allerdings sind kaum zu übersehen: Sie sind fast so lang wie ihr Kopf. Im fünften Teil seiner Serie über seltene Waldbewohner stellt das Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis diese besondere Fledermausart vor. Bestätigte Vorkommen gibt es unter anderem im Odenwald und an der Bergstraße, darunter in den Wäldern von Schriesheim und Hirschberg.

Mit riesigen Ohren auf Insektenjagd

Blutsaugende Vampire? Mit solchen Schauergeschichten haben unsere heimischen Fledermäuse nichts gemein. Die Bechsteinfledermaus ernährt sich ausschließlich von kleinen wirbellosen Tieren. Nachtfalter, Käfer, Mücken und andere Insekten stehen auf ihrem Speiseplan, gelegentlich auch Spinnen. Bei der Jagd verfügt sie über eine bemerkenswerte Fähigkeit. Neben der üblichen Echoortung mittels Ultraschall nutzt sie ihr ausgezeichnetes Gehör, um die Geräusche ihrer Beutetiere wahrzunehmen. Ein raschelnder Käfer im Laub oder eine Spinne auf einem Blatt kann ihr dadurch zum Opfer fallen. Manche Beutetiere sammelt sie sogar direkt von Blättern oder vom Waldboden ab. Ihr rötlich- bis gelbbraunes Fell, die hellere Bauchseite und die auffallend großen Ohren verleihen ihr ein beinahe possierliches Aussehen.

Alte Bäume sind überlebenswichtig

Foto: Bechsteinfledermaus bei Untersuchungen zum Artnachweis durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Aufnahme: Elisabeth Schüler.

„Die Bechsteinfledermaus ist eine echte Spezialistin des Waldes. Wo sie vorkommt, gibt es viele alte Bäume, unterschiedliche Strukturen und ein reiches Angebot an Insekten“, erklärt Förster Walter Pfefferle, dessen Forstrevier die Wälder von Schriesheim und Hirschberg umfasst. Die bestätigten Nachweise seien deshalb ein erfreuliches Zeichen für die ökologische Qualität dieser Wälder. Entscheidend für das Überleben der Tiere sind insbesondere alte Bäume mit Höhlen und anderen geeigneten Verstecken. Dort verbringen die Fledermäuse den Tag und ziehen im Sommer ihren Nachwuchs auf.

Das Kreisforstamt setzt deshalb auf das Alt- und Totholzkonzept des Landes Baden-Württemberg. Ökologisch wertvolle Bäume werden gezielt erhalten, selbst wenn sie wirtschaftlich nicht mehr interessant sind. Im Durchschnitt wird etwa alle drei Hektar eine sogenannte Habitatbaumgruppe ausgewiesen. Mehrere alte oder besonders wertvolle Bäume bleiben dort gemeinsam stehen und können sich natürlich weiterentwickeln. Auch abgestorbene Bäume erfüllen wichtige Funktionen. Sie bieten nicht nur Fledermäusen Unterschlupf, sondern dienen Spechten, Käfern, Pilzen und zahlreichen weiteren Organismen als Lebensraum. Unterstützung erhält das Forstamt bei der Suche und Sicherung geeigneter Quartierbäume auch von privaten Naturschützern.

Zwei Waldrefugien ohne reguläre Holznutzung

Rund um das Kerngebiet der Fledermausnachweise wurden zusätzlich zwei größere Waldrefugien eingerichtet. In diesen Bereichen findet keine reguläre forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt. Die Natur kann sich dort weitgehend ungestört entwickeln. Bäume dürfen alt werden, absterben und schließlich zerfallen. Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein ungepflegter Wald aussieht, ist für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ein besonders wertvoller Lebensraum.

Meist nur ein Jungtier pro Jahr

Die Bechsteinfledermaus ist besonders empfindlich gegenüber dem Verlust ihrer Lebensräume. Das liegt auch an ihrer geringen Fortpflanzungsrate. Den Winter verbringt sie in geeigneten unterirdischen Quartieren, beispielsweise in Höhlen, Stollen oder Kellern. Im Frühjahr kehren die Weibchen in ihre angestammten Sommerlebensräume zurück und schließen sich zu sogenannten Wochenstuben zusammen. Dort bringt jedes Weibchen in der Regel nur ein einziges Jungtier zur Welt. Gehen Quartierbäume verloren oder werden die Tiere während der Jungenaufzucht gestört, kann das erhebliche Auswirkungen auf die örtlichen Bestände haben. Der langfristige Erhalt geeigneter Baumhöhlen ist deshalb eine zentrale Voraussetzung für den Schutz dieser seltenen Fledermausart.

Ein gutes Zeichen für unsere Wälder

Dass die Bechsteinfledermaus in Schriesheim und Hirschberg nachgewiesen wurde, ist aus Sicht des Kreisforstamts eine erfreuliche Bestätigung der ökologischen Bedeutung dieser Waldgebiete. Die kleinen nächtlichen Jäger stehen dabei stellvertretend für viele andere Arten, die auf alte Bäume, Totholz und einen strukturreichen Wald angewiesen sind. Wer bei einem Waldspaziergang einen abgestorbenen Baum oder einen morschen Stamm entdeckt, sieht deshalb keineswegs nur ungenutztes Holz. Oft verbirgt sich dahinter ein wertvoller Lebensraum – möglicherweise sogar das Zuhause einer Bechsteinfledermaus.

Quelle: Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis, Serie „Waldtiere, die nur selten gesehen werden“, Teil 5.

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