(rnk – 24.10.26) Der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer hat in den Wäldern des Rhein-Neckar-Kreises deutliche Spuren hinterlassen. Viele Bäume sind geschwächt, manche bereits abgestorben. Besonders gefährlich könnte die Situation im kommenden Jahr werden: Das Kreisforstamt warnt vor einem erneuten starken Anstieg des Borkenkäferbefalls und fordert Waldbesitzer auf, jetzt zu handeln.
Braune Baumkronen, kahle Äste und abfallende Nadeln: Wer derzeit durch die Wälder im Rhein-Neckar-Kreis spaziert, kann die Folgen des vergangenen Sommers vielerorts mit bloßem Auge erkennen. Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben den Bäumen erheblich zugesetzt. Und auch wenn die Temperaturen inzwischen gesunken sind, ist die Gefahr keineswegs vorüber. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes lag die Durchschnittstemperatur in Baden-Württemberg im Sommer um 4,9 Grad Celsius über dem Referenzwert der Jahre 1961 bis 1990. Damit war es nach Angaben des Kreisforstamtes der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bereits seit Juli zeigen zahlreiche Laubbäume auffällige Kronenverfärbungen. Bei Nadelbäumen ist teilweise ein erheblicher Nadelverlust zu beobachten. Besonders ausgeprägte Schäden sind häufig ein Zeichen dafür, dass die betroffenen Bäume absterben.
Die Folgen der Trockenheit zeigen sich oft erst Jahre später
„Die Auswirkungen dieser extremen Witterung werden die Bäume auch in den kommenden Jahren schwächen“, erklärt Manfred Robens, Leiter des Kreisforstamtes Rhein-Neckar-Kreis. Nicht immer ist es die Trockenheit allein, die einem Baum den Garaus macht. Häufig kommen mehrere Belastungen zusammen: Hitze, Wassermangel und schließlich Schädlinge, gegen die sich ein bereits geschwächter Baum kaum noch wehren kann. Besonders betroffen waren in diesem Sommer Fichten und Lärchen, die unter Borkenkäferbefall litten. Kiefern und Douglasien wurden dagegen vor allem unmittelbar durch die extreme Hitze und Trockenheit geschädigt. Dass die Menge des angefallenen Schadholzes bislang deutlich unter den Werten der Vorjahre liegt, ist deshalb noch lange kein Grund zur Entwarnung.
Schlechte Erfahrungen nach den Hitzesommern 2003 und 2018

Die Forstleute erinnern an die extremen Sommer der Jahre 2003 und 2018. Auch damals zeigte sich das volle Ausmaß der Schäden erst mit zeitlicher Verzögerung. Die Schadholzmengen stiegen jeweils im darauffolgenden Jahr deutlich an. Ein ähnlicher Verlauf könnte nun 2027 bevorstehen. Denn die geschwächten Bäume bieten dem Borkenkäfer günstige Bedingungen. Gesunde Fichten können sich gegen eindringende Käfer durch die Produktion von Harz wehren. Fehlt ihnen aufgrund von Trockenstress das notwendige Wasser, funktioniert dieser natürliche Abwehrmechanismus nur noch eingeschränkt. Die Käfer können sich dann unter der Rinde vermehren und weitere Bäume befallen. Entwickelt sich daraus eine Massenvermehrung, lässt sich diese nur noch schwer eindämmen.
Jetzt beginnt der Wettlauf gegen die nächste Käfergeneration
Mit den sinkenden Temperaturen gehen die Borkenkäfer allmählich in die Winterruhe. Neue Befälle sind deshalb derzeit nur noch selten zu erwarten. Die bereits unter der Rinde vorhandenen Bruten können sich allerdings noch vollständig entwickeln. „Befallene Bäume sollten möglichst frühzeitig entfernt werden, bevor sich die Rinde ablöst“, warnt Forstamtsleiter Robens. Spätestens bis Februar sollten diese Bäume aus dem Wald gebracht werden. Andernfalls können Käfer aus den befallenen Stämmen in den Waldboden gelangen und dort überwintern. Im kommenden Frühjahr stehen sie dann für eine erneute Ausbreitung bereit. Das Kreisforstamt empfiehlt deshalb insbesondere privaten und kommunalen Waldbesitzern, ihre Bestände sorgfältig zu kontrollieren und befallene Bäume rechtzeitig zu beseitigen.
Auch liegendes Holz kann zur Gefahr werden
Nicht nur stehende Bäume müssen überprüft werden. Auch bereits gefälltes und im Wald gelagertes Holz kann zum Ausgangspunkt eines neuen Befalls werden. Befallene Holzpolter sollten deshalb möglichst rasch aus gefährdeten Waldbeständen abtransportiert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt außerdem Sturm- und Schneebruchholz. Frisch umgestürzte oder abgebrochene Nadelbäume bieten Borkenkäfern im Frühjahr geeignete Brutplätze. Solches Holz sollte vor Beginn der nächsten Käfersaison unschädlich gemacht werden. Möglich ist dies beispielsweise durch Entrindung oder durch das Hacken und Abfahren des Kronenmaterials. Jeder befallene Baum, der über den Winter unentdeckt bleibt, kann die Ausgangslage für das kommende Jahr verschlechtern.
Entscheidend sind die kommenden Wintermonate
Noch ist nicht absehbar, wie stark sich die Borkenkäfer 2027 tatsächlich vermehren werden. Die Erfahrungen aus früheren Hitzejahren geben allerdings Anlass zur Sorge. Für die Waldbesitzer im Rhein-Neckar-Kreis bedeutet das: Die kommenden Monate sollten genutzt werden, um befallene Bäume zu erkennen und die weitere Vermehrung der Schädlinge möglichst zu verhindern. Denn wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen und die nächste Käfergeneration ausschwärmt, könnte es für vorbeugende Maßnahmen bereits zu spät sein.
Beratung für Waldbesitzer: Bei Fragen zum Borkenkäferbefall, zur Kontrolle gefährdeter Bestände und zu notwendigen Maßnahmen helfen die zuständigen Forstrevierleitungen des Rhein-Neckar-Kreises weiter. Ansprechpartner und Kontaktdaten sind unter www.rhein-neckar-kreis.de/kreisforstamt zu finden.
Quelle: Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis.





