(fwu – 1.10.26) Frag mal Oma oder Opa, ob sie dir einfach so 20 Euro für die Vereinskasse geben. Kann funktionieren. Muss aber nicht. Vielleicht kommt erst einmal die Frage, wofür das Geld denn gebraucht wird – Großeltern haben schließlich auch ihre Erfahrungen mit überraschend auftretendem Finanzbedarf des Nachwuchses.
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn ein Kind mit entsprechend großen Augen erklärt: „Ich laufe eine halbe Stunde für einen guten Zweck. Gibst du mir für jede Runde zwei Euro?“ Wer kann da schon Nein sagen? Eben. Und damit beginnt die wunderbare, nahezu universelle Dehnbarkeit des Förderkreises.
Denn selbstverständlich fragt man nicht nur Oma oder Opa. Man fragt Oma und Opa. Mama und Papa ohnehin. Dann gibt es noch Onkel und Tante, weitere Verwandte, Freunde und Bekannte. Je nach Größe der Familie und Charme des jungen Spendensammlers lässt sich dieser Kreis durchaus noch erweitern. Kleine Kinderaugen sind in solchen Verhandlungen ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil.
Eine halbe Stunde, so viele Runden wie möglich

Das Schöne an der Sache: Das Geld gab es nicht fürs Gucken. Am 29. September musste die Basketballjugend der KuSG Leimen im Otto-Hoog-Stadion anschließend tatsächlich laufen. Kinder und Jugendliche aus den Altersklassen U8 bis U12 hatten eine halbe Stunde Zeit, auf der Bahn möglichst viele 400-Meter-Runden zurückzulegen.
Bei angenehmem, leicht bedecktem Wetter ging es dabei nicht um Bestzeiten. Entscheidend war, die Kräfte einzuteilen. Sieben Runden ergeben immerhin 2,8 Kilometer, acht Runden bereits 3,2 Kilometer. Und wer beispielsweise zwei Euro pro Runde zugesagt bekommen hatte, konnte nach acht Runden bei einem einzelnen Unterstützer schon 16 Euro abrechnen. Nun stelle man sich vor, Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel und Tante hätten sich alle zu einer kleinen Rundenspende hinreißen lassen. Da entwickelt selbst die achte Stadionrunde plötzlich einen gewissen wirtschaftlichen Reiz.
Wer zu schnell anfängt, zahlt später mit Kondition

Allerdings hatte die Sache einen kleinen Haken: Die halbe Stunde musste man erst einmal durchhalten. Wer auf den ersten 400 Metern lossprintete, als sei hinter der nächsten Kurve bereits das Ziel, konnte einige Runden später feststellen, dass eine Laufbahn eine bemerkenswerte Eigenschaft besitzt: Sie kommt immer wieder.
Nach jeder absolvierten Runde bekamen die jungen Läuferinnen und Läufer ein Gummiband. Ein einfaches und ziemlich narrensicheres Abrechnungssystem: eine Runde, ein Band. Am Ende wurden die Bänder gezählt und mit den zuvor zugesagten Beträgen verrechnet. Tabellen, Zwischenzeiten und komplizierte Formulare brauchte es nicht. Entscheidend war, was am Handgelenk hing.
Viele kleine Zusagen werden zu 3.000 Euro
Und genau darin liegt der Charme eines solchen Spendenlaufs. Hier zwei Euro pro Runde, dort vielleicht ein anderer Betrag, dazu Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel, Tante, Freunde und Verwandte – einzeln alles überschaubare Zusagen. Zusammengenommen wurde daraus allerdings eine beachtliche Summe: Rund 3.000 Euro kamen beim Spendenlauf zusammen.
Die Hälfte des Erlöses ist für die Mannschaftskassen der KuSG-Basketballjugend vorgesehen. Die andere Hälfte geht an die Waldpiraten der Kinderkrebshilfe Heidelberg. Die jungen Läuferinnen und Läufer waren damit gleichzeitig für den eigenen Basketballnachwuchs und für andere Kinder unterwegs.
Die Erwachsenen mussten am Ende nur noch zahlen
So funktioniert das Prinzip erstaunlich gut: Erst schaut einen ein Kind mit großen Augen an, dann sagt man einen kleinen Betrag pro Runde zu, und irgendwann stellt man fest, dass dieses Kind erfreulich ausdauernd ist. Pädagogisch betrachtet natürlich hervorragend. Aus Sicht des großelterlichen Geldbeutels möglicherweise mit gewissen Nebenwirkungen.
Aber am Ende kamen rund 3.000 Euro zusammen – und dafür hatten die Kinder eine halbe Stunde lang Runde um Runde zurückgelegt. Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel, Tante, Freunde und Verwandte hatten es körperlich deutlich leichter. Sie mussten anschließend lediglich zu ihrem Wort stehen.
Ein großer Dank des Veranstalters ging an den VfB und seinen Vorsitzenden Walter Stamm, die das Stadion für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt und außer der Reihe geöffnet hatten.





