Leserbrief Thomas Heim: Wir backen uns eine/n OB

(th – 7.3.16) Wer bringt Leimen am besten voran? Auf der Suche nach der richtigen Rezeptur

von Thomas Heim (ehem. Ortsbeirat, St. Ilgen)

Der Kampf um das Amt des Oberbürgermeisters in Leimen hat auf der Zielgeraden zum Wahltag an Intensität gewonnen. Insbesondere zwischen Anhängern von OB-Kandidat Reinwald und Befürwortern der Initiative „Wir wollen Felden“ kam es auch zu einigen Misstönen. Zuletzt hat der OB-Kandidat selbst – auf der Rückseite seiner Wahlkampfbroschüre – eine wenig hilfreiche Aussage getroffen, die eine in Zukunft mögliche Zusammenarbeit im Leimener Rathaus durchaus belasten könnte.

Doch dazu später mehr. Lenken wir unseren Blick zunächst auf die viel interessantere Fragestellung, welche Fähigkeiten ein geeigneter OB für Leimen denn haben müsste?

Traditionell wird im Wahlkampf ja einiges versprochen, werden gängige Ziele ausgelobt, wird die Entwicklung von Konzepten und zukunftsweisenden Visionen beschworen, die Bedeutung der Vereine hervorgehoben und intensiv die Nähe zum Bürger gesucht – möglichst ohne dabei irgendeine gesellschaftliche Gruppe zu vernachlässigen.

Über das „Wie?“ (und „Mit welchen Ideen?“), über die persönlichen Strategien zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben erfahren wir vergleichsweise wenig. Zur Verdeutlichung: Erworbene Qualifikationen per se stellen noch keine Strategie dar, haben nur eine begrenzte Aussagekraft hinsichtlich des Führungsstils oder der Herangehensweise zur Erreichung von bestimmten Zielen. Letztlich ist das „Wie?“ aber der entscheidende Faktor, wenn Teamarbeit erfolgreich gelingen soll.

Die Persönlichkeit und gestalterischen Fähigkeiten eines Bewerbers liefern vielleicht noch die zuverlässigste Prognose auf seine künftige Amtsführung.

Gute Kommunikationsabläufe spielen eine entscheidende Rolle

Vielleicht kommen wir bei der Suche nach einem geeigneten OB einen Schritt weiter, wenn wir die Aufgabenfelder eines Oberbürgermeisters etwas genauer beleuchten:

Zum einen leitet er die Verwaltung (und in dieser Rolle ist er der erste Dienstleister der Stadt), zum anderen hat er den Vorsitz im Rat inne und muss diesen zielführend moderieren. Vor allem aber ist er auch der zentrale Ansprechpartner für alle Bürgerinnen und Bürger, für die Vereine und ansässigen Unternehmen.

Ein/e OB sollte also sehr vielseitig veranlagt sein, denn bei ihm/ihr laufen alle Fäden zusammen – die Position des Oberbürgermeisters ist die SCHNITTSTELLE zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Gemeinderat.

Deswegen muss ein/e OB in erster Linie ein guter KOMMUNIKATOR sein. Jemand, der zuhören, verstehen und Inhalte weiter vermitteln kann. Jemand, der sich auf vollkommen unterschiedlichen Ebenen in vollkommen unterschiedliche Zusammenhänge hineindenken kann.

Er muss die gestalterische Kraft haben, aus diesen Zusammenhängen heraus mögliche Lösungen oder Potenziale (erstens) zu erkennen und (zweitens) diese weiterzuentwickeln, um letztlich (drittens) als IMPULSGEBER wirken zu können. Diese Aufgabe kann dem OB tatsächlich niemand abnehmen, denn nur er sitzt an dieser Schnittstelle. Als Impulsgeber wiederum ist es wichtig seine Mitarbeiter gut einschätzen zu können und Aufgaben realistisch zu verteilen, um Ideen auch erfolgreich durchzusetzen.

Als nachhaltiger WIRTSCHAFTSFÖRDERER muss er die Interessenlagen und Entscheidungskriterien der unterschiedlichen „Player“ verstehen, diese mit den Interessen der Stadt und seiner Menschen in Einklang bringen, um daraus die Positionierung der Stadt am Markt sowie die konkrete Ansprache der Zielgruppen abzuleiten – eine ganz wichtige Kommunikationsaufgabe.

BÜRGERNÄHE und TRANSPARENZ in den Entscheidungsprozessen stehen oder fallen mit der Bereitschaft zur Kommunikation. Zum einen muss ein Bürgermeister den Menschen zugewandt sein und sich auf sein Gegenüber einstellen können, er muss die jeweils geeignete Sprachebene finden. Zum anderen ist er dafür verantwortlich, dass für die Bürgerschaft relevante Vorgänge rechtzeitig und umfassend kommuniziert werden.

Als oberster DIENSTLEISTER der Stadt, als Leiter einer modernen und serviceorientierten Verwaltung, prägt er maßgeblich den Umgangsstil und ist verantwortlich für eine gute und konstruktive Arbeitsatmosphäre. Hierarchien werden heute flach gehalten und Führungsstärke vornehmlich über die Inhalte definiert (was eine umfassende Grundorientierung voraussetzt, siehe letzter Punkt). Empathie und Wertschätzung sind durchaus hilfreich, wenn man Mitarbeiter motivieren möchte, aber es gibt noch weitere Kommunikationstechniken.

Ein OB muss selbstverständlich auch alle wichtigen Vorgänge in der VERWALTUNG stets im Blick haben und sich entsprechend einarbeiten. Er muss die verwaltungstechnischen Abläufe erfassen und richtig einordnen können.

Volkswirtschaftliche Grundkenntnisse sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit FINANZEN sind wichtige Eckpfeiler.

Wünschenswert wäre außerdem – und das Folgende ist im übertragenen Sinne zu verstehen – ein „ARCHITEKT“, der unseren sich im Wandel befindenden Lebensraum mit einer „zukunftstauglichen Infrastruktur“ ausstattet.

Durchaus jemanden mit einem städtebaulichen Grundverständnis.

Aber auch jemanden mit einem gewissen soziologischen Hintergrund, der gesellschaftliche Vorgänge richtig einordnen und darauf angemessen reagieren kann.

Jemanden mit einem weiten politischen Horizont – denn viele auf höherer Ebene ungelöst gebliebene Probleme schlagen heute in der Kommune auf und müssen vor Ort bewältigt werden.

Eine Persönlichkeit, die tatsächlich die ganze Bandbreite beherrscht – der oder die ideale OB für Leimen – muss vermutlich erst noch gebacken werden. Bei der Suche nach der richtigen Rezeptur für das neue Stadtoberhaupt, lohnt es seinen Blick darauf zu richten, welche Kompetenzen in Leimen am meisten fehlen.

Die gute Nachricht: Eine Trendwende ist bereits eingeleitet.

Die angespannte finanzielle Situation der Stadt Leimen ist hinlänglich bekannt. Die spärlichen Einnahmen übersteigen seit Jahren die Ausgaben und entsprechend groß ist mittlerweile die Schuldenlast.

Nahezu reflexartig haben die OB-Kandidaten die Bereiche Wirtschaftsförderung und Finanzen unisono zur „Chefsache“ erklärt und wollen damit Führungsstärke demonstrieren. Dabei beanspruchen sie aber ausgerechnet diejenigen Bereiche für sich, in denen in letzter Zeit eine erfreulich gute Arbeit geleistet wird – u.a. das neu entstehende Forschungszentrum der HeidelbergCement AG ist ein erster sichtbarer Beleg für diesen langfristig angelegten Prozess der Standortentwicklung.

Führungsstärke allerdings drückt sich nun nicht dadurch aus, dass man gerade dort, wo Mitarbeiter bereits einen guten Weg eingeschlagen haben, selbst die Zügel in die Hand nimmt. Vielmehr sollte man die gute Arbeit seiner Mitarbeiter durch flankierende Maßnahmen unterstützen. Wenn etwas „Chefsache“ ist, dann doch die Verantwortung für das Ganze – die Verantwortung dafür, dass die verschiedenen Rädchen (erstens) insgesamt gut laufen und dabei (zweitens) auch gut ineinander greifen!

Was aktuell im Bereich Wirtschaftsförderung vordringlich fehlt, ist ein vernünftiges Marketing – eine gewissenhaft vorbereitete Marktpositionierung inklusive der entsprechenden Außendarstellung. Es ist tatsächlich ein Kommunikationsproblem, das sich wie ein roter Faden durch verschiedene Bereiche der Stadtverwaltung zieht – bis hin zum Dialog mit dem Bürger.

Ungeachtet dessen gibt es zwischen Heidelberg und Leimen im Bereich der Wirtschaftsförderung derzeit eine enge und von gegenseitigem Interesse geprägte Zusammenarbeit. Das ist vernünftig, denn ein Wirtschaftsraum endet nicht an der Stadtgrenze. Bereits heute stellt man sich hier auf die Interessenlagen ganz bestimmter Unternehmen ein, um den Aufbau eines Wirtschaftsclusters zu ermöglichen und den Standort Leimen langfristig attraktiv zu machen. Eine gute Nachricht, die es Wert ist an dieser Stelle einmal zu … kommunizieren!

Leimen wird wirtschaftlich also über kurz oder lang gesunden – auch dank seiner geografisch und verkehrstechnisch günstigen Lage.

Damit aber auch die sogenannten weichen Standortfaktoren die Stadt in Zukunft wieder attraktiver machen, werden zeitnah viele weitere Investitionen folgen müssen. Zum Beispiel in den Ausbau der Bildungseinrichtungen, in die innerstädtischen Strukturen oder auch in den Nahverkehr. Baustellen gibt es viele, und so wird die Haushaltslage in Leimen – realistischer Weise – noch einige Jahre durch einen engen Handlungsspielraum sowie einen hohen Schuldenstand gekennzeichnet sein.

Volkswirtschaftlich gesehen sind Leimens Schulden jedoch eine hinzunehmende Größe, wenn es auf der anderen Seite gelingt die Einnahmesituation entsprechend zu verbessern und dabei gleichzeitig ein zählbarer Gegenwert aufgebaut wird.

Gemeinsam mehr erreichen?

Neben den drei offiziellen Bewerbern Hans D. Reinwald, Sahin Karaaslan und Christa Foß, die am 13. März zur Wahl stehen, setzt sich noch eine – und davon müssen wir ausgehen – unabhängige Wählerinitiative für die „Schattenkandidatin“ Claudia Felden ein. Diese konnte aufgrund einer der Leimener CDU gegebenen Zusage nicht als OB-Kandidatin antreten.

Die Initiative bewegt sich dabei im Rahmen der demokratischen Möglichkeiten. Ob sie mit ihrer Aktion der ersten Bürgermeisterin aber nun einen Gefallen tut oder letztlich eher schadet, sei dahingestellt – es wird sich erweisen. In dieser Frage muss man schließlich über den Wahltag hinaus denken, wenn alle Protagonisten wieder zum Wohle der Stadt zusammenarbeiten müssen.

Ob sich auch OB-Kandidat Reinwald vorausschauend gezeigt hat mit seinen Ausführungen zu den Umständen der Nicht-Kandidatur von Frau Felden? Unter der Überschrift „In eigener Sache“ ist in seiner Wahlkampfbroschüre zu lesen, dass er über die in der Vergangenheit getroffenen Absprachen „nichts“ wisse – was zwar einerseits kaum glaubwürdig erscheint, im Übrigen aber auch in keiner Weise von Belang ist.

Ein Fauxpas dürfte hingegen die Tatsache sein, dass Reinwald seine persönliche Zustimmung zu einer Kandidatur von Frau Claudia Felden nun im Nachhinein – also NACH Ablauf der Bewerbungsfrist – öffentlich zum Besten gibt.

Denn mit dieser Erklärung schiebt er der Leimener Bürgermeisterin in aller Öffentlichkeit eine Art „Schwarzen Peter“ für die entstandene Situation zu, frei nach dem Motto „sie hätte ja kandidieren können“ (was aber auf Basis einer privat vorgetragenen Bekundung als fragwürdig anzusehen ist, nachdem Felden sich zuvor bereits öffentlich zu ihrem Wort gegenüber der CDU bekannt hatte).

Mit seiner Stellungnahme düpiert der OB-Kandidat letztlich eine über Parteigrenzen hinweg geschätzte Führungskraft der Stadt Leimen, die im Falle seiner Wahl zum OB ja eine seiner wichtigsten Mitarbeiterinnen wäre! Schließlich genießt Frau Felden in der Verwaltung wie auch in der Bevölkerung viel Rückhalt, so dass hier durchaus die Gefahr besteht Gräben aufzureißen, die Leimen ganz sicher nicht voranbringen würden. Das Motto „Gemeinsam mehr erreichen“ wäre geradezu auf den Kopf gestellt.

Es ist also auch eine Prise „Pfeffer“ im Wahlkampf, Leimens Bürgerinnen und Bürger stehen zweifellos vor einer nicht unkomplizierten Wahlentscheidung.

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