„SchulePlus“ ist gestartet: Theodor-Heuss-Grundschule Sandhausen arbeitet jetzt als Ganztagsgrundschule

(nge – 9.10.26)  Mit dem neuen Schuljahr 2026/2027 hat in Sandhausen ein neues Kapitel in der Bildungs- und Betreuungslandschaft begonnen: Die Theodor-Heuss-Grundschule (THGS) arbeitet seit Schuljahresbeginn als gebundene Ganztagsgrundschule nach dem „Sandhäuser Modell SchulePlus“. Den Anfang machen die neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler sowie die neu eingerichtete Juniorklasse. Damit setzt die Gemeinde Sandhausen den Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder um, der mit dem Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) des Bundes ab diesem Schuljahr erstmals gilt. Dass der Start gelungen ist, ist alles andere als selbstverständlich: Mit über 520 Schülerinnen und Schülern zählt die THGS zu den größten Grundschulen im Land und die Umstellung musste parallel zu laufenden Sanierungs- und Umbauarbeiten bewältigt werden.

Die neuen Differenzierungsräume sind Teil des Konzepts. Foto: Gemeinde Sandhausen

Das Ganztagsförderungsgesetz sieht einen stufenweise eingeführten Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Kinder im Grundschulalter vor. Er gilt zunächst für die Klassenstufe 1 und wird bis zum Schuljahr 2029/2030 auf alle Klassenstufen ausgeweitet. Der gesetzlich vorgesehene Umfang beträgt acht Stunden täglich an fünf Werktagen während der Schulzeit ebenso wie in den Ferien, wobei an bis zu 20 Ferientagen eine Schließzeit möglich ist. Hinzu kommt der Anspruch auf ein warmes Mittagessen. Für die Kommunen als Schulträger bedeutet dies erhebliche organisatorische, finanzielle, personelle und bauliche Anstrengungen.

Das Konzept „SchulePlus“ wurde von Schulleitung, Gemeindeverwaltung, Gemeinderat und den betroffenen Elternbeiräten in enger Zusammenarbeit entwickelt. Der Gemeinderat hatte bereits am 31. März 2025 beschlossen, dass die THGS ab dem Schuljahr 2026/2027 aufwachsend als verbindliche Ganztagsgrundschule geführt wird; im Februar 2026 bestätigte das Gremium das pädagogische Gesamtkonzept, einschließlich der Organisation des Mittagsbandes und der Mittagsverpflegung. Das Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigte den Ganztagsbetrieb, während das Kultusministerium dem pädagogischen Konzept zustimmte.

Kern des Modells sind drei längere Schultage, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, mit jeweils sieben Zeitstunden. Die schulischen Zeiten werden durch buchbare kommunale Betreuungsangebote ergänzt, sodass der gesetzliche Acht-Stunden-Anspruch in jedem Fall erfüllt wird. Der Schultag beginnt um 7.45 Uhr; die Betreuung reicht je nach gewähltem Buchungsmodell bis 14.45 Uhr, 16.00 Uhr oder 17.00 Uhr. Das Modell ist ausdrücklich auch der Wunsch der Sandhäuser Familien: Bei einer Elternumfrage im Frühjahr 2025 sprachen sich über 90 Prozent der Befragten für „SchulePlus“ aus oder konnten es sich für ihr Kind gut vorstellen.

Die Umstellung auf den Ganztag erforderte zahlreiche Maßnahmen, die eng aufeinander abgestimmt werden mussten. Eine Machbarkeitsstudie hatte zuvor gezeigt, dass die bestehenden Schulgebäude den Anforderungen eines Ganztagsbetriebs allein nicht gerecht werden. Die Gemeinde hat deshalb das Gebäude der bisherigen Pestalozzischule in der Kirchstraße 7 in den Schulcampus einbezogen. Die Pestalozzischülerinnen und -schüler haben neue Räumlichkeiten am Friedrich-Ebert-Schulzentrum bezogen. Langfristig entsteht so ein zusammenhängender Grundschulcampus.

Neben der laufenden Sanierung des Altbaus wurden zusätzliche Differenzierungsräume geschaffen, die für das Lernen in kleineren Gruppen, für Förderangebote und für eine rhythmisierte Gestaltung des längeren Schultages unverzichtbar sind. Auch die kommunale Schulkindbetreuung wurde modernisiert und neu organisiert: Sie wird künftig am Standort Kirchstraße 7 gebündelt. Das verkürzt die Wege für die Kinder, erspart Standortwechsel im Tagesverlauf und erleichtert die Personal- und Vertretungsplanung.

Eine zentrale Herausforderung war die Mittagsverpflegung. Zu Beginn der Planungen standen weder eine Mensa noch geeignete Flächen zur Verfügung. Die Gemeinde hat daher das im Jahr 2025 von der evangelischen Kirche erworbene Wichernhaus als Interimsmensa hergerichtet. Die Arbeiten wurden zügig umgesetzt, sodass die Mensa rechtzeitig zum Schuljahresbeginn in Betrieb gehen konnte.

Die Mensa wurde pünktlich fertiggestellt und rechtzeitig zum Start des Ganztagsbetriebs eröffnet. Foto: Gemeinde Sandhausen

Das Mittagsband aus Mittagessen und Pause ist ein Herzstück des Ganztagskonzepts. Das Essen wird von einem Caterer im Warmanlieferungsverfahren geliefert und in mehreren Schichten ausgegeben. Die Kinder essen in festen Tischgemeinschaften und in familiärer Atmosphäre; Betreuungskräfte begleiten sie auf dem Weg zur Mensa, während des Essens und in der anschließenden Pause.

Dauerhaft soll die Schulverpflegung in einem Mensa-Neubau auf dem Areal Hauptstraße 121 neben der ehemaligen Synagoge ihren Platz finden. Die neue Mensa ist für bis zu 600 Grundschülerinnen und Grundschüler ausgelegt und soll auch künftige Erweiterungen ermöglichen.

Zum erweiterten Bildungsangebot am Standort gehört auch das Lehrschwimmbecken an der Theodor-Heuss-Grundschule. Nach der Sanierung der in die Jahre gekommenen Filtertechnik konnte das Hallenbad im Juni 2026 wieder in Betrieb genommen werden. Außerhalb der öffentlichen Badezeiten wird es insbesondere von Schulen und Vereinen genutzt und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Schwimmförderung und zur Bewegungsbildung der Kinder.

„Der Start der Ganztagsgrundschule ist für Sandhausen ein Meilenstein“, betont Bürgermeister Hakan Günes. „Wir hatten eine der größten Grundschulen in Baden-Württemberg innerhalb kürzester Zeit auf den Ganztagsbetrieb vorzubereiten und das, während gleichzeitig saniert, umgebaut und umgezogen wurde. Differenzierungsräume, eine neu aufgestellte Schulkindbetreuung und eine Mensa, die es vorher schlicht nicht gab: Das war ein echter Kraftakt.“

„Dass alles rechtzeitig zum Schuljahresbeginn fertig war, verdanken wir einem großartigen Zusammenspiel“, so Günes weiter. „Mein herzlicher Dank gilt Schulleiter Ralph Böllinger, seiner Stellvertreterin Birgit Reichenbecher und seinem gesamten Kollegium, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Verwaltung, dem Hauptamt, Bauamt und dem Bauhof, den Betreuungskräften, den beteiligten Firmen und nicht zuletzt dem Gemeinderat, der diesen Weg mit großer Mehrheit mitgetragen hat. Ein besonderer Dank geht auch an die Eltern, die das Modell ‚SchulePlus‘ von Anfang an unterstützt haben. Wir investieren hier ganz bewusst in die Zukunft unserer Kinder und in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Auch an der Schule fällt die Bilanz der ersten Wochen sehr positiv aus. „Wir sind mit dem Start in den Ganztag rundum zufrieden“, sagt Schulleiter Ralph Böllinger. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung war von Beginn an vertrauensvoll, eng und lösungsorientiert. Wann immer Fragen auftauchten, hatten wir kurze Wege und schnelle Antworten. Das ist bei einem Projekt dieser Größenordnung keineswegs selbstverständlich.“

„Alles ist reibungslos verlaufen“, so Böllinger weiter. „Besonders freut mich, dass die Interimsmensa im Wichernhaus so zeitnah an den Start gehen konnte. Das gemeinsame Mittagessen ist für unsere Kinder viel mehr als eine Mahlzeit, es ist ein Ort der Gemeinschaft, an dem sie zur Ruhe kommen und Kraft für den Nachmittag tanken. Mit den neuen Differenzierungsräumen haben wir außerdem die Möglichkeit, unsere Schülerinnen und Schüler individueller zu fördern. Mein Kollegium und ich freuen uns sehr darauf, den Ganztag in den kommenden Jahren gemeinsam weiterzuentwickeln.“

Ebenfalls neu an der Theodor-Heuss-Grundschule ist seit diesem Schuljahr eine Juniorklasse. Sie ist der ersten Klasse vorgeschaltet und richtet sich an Kinder, die beim Schulstart in ihrer Entwicklung, etwa in Sprache, Denken, Bewegung oder im sozialen Miteinander, noch Unterstützung benötigen. Die Juniorklasse gehört zur Grundschule, umfasst 31 Wochenstunden und ist Teil des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ des Landes Baden-Württemberg. Das Staatliche Schulamt Mannheim hatte die Einrichtung bestätigt.

Mit dem Start von „SchulePlus“ ist ein wichtiger Schritt getan, die Arbeit ist aber nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren wächst der Ganztagsbetrieb mit jedem neuen Jahrgang weiter, die Planungen für den dauerhaften Mensa-Neubau an der Hauptstraße 121 laufen, und der Grundschulcampus wird schrittweise weiterentwickelt. Die Maßnahmen sind Teil der Zukunftsstrategie „Sandhausen 2040“, mit der die Gemeinde ihre Infrastruktur für die kommenden Generationen aufstellt.

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