St. Ilgen liegt plötzlich im Hochgebirge – Seilrettung aus alpiner Notlage inklusive

(fwu – 7.10.26) Man lernt eben nie aus. Seit mittlerweile 15 Jahren berichten wir im LeimenBlog über Leimen, seine Stadtteile und die kleinen und größeren Merkwürdigkeiten des kommunalen Lebens. Und eigentlich waren wir der Meinung, dass uns zumindest in Sachen St. Ilgen so schnell niemand mehr etwas vormachen könnte. Doch dann kam am Sonntag eine Pressemitteilung der Landespolizeidirektion Steiermark ins Haus. Überschrift: „St. Ilgen – Zwei Wanderinnen aus alpiner Notlage gerettet.“

St. Ilgen? Alpine Notlage? Polizeihubschrauber? Taubergung? Da mussten wir doch zweimal hinschauen. Denn in unserem St. Ilgen braucht man für eine Bergrettung allenfalls eine besonders hohe Leiter. Und selbst die dürfte nur selten zum Einsatz kommen.

Unser St. Ilgen hat Frösche – das andere richtige Berge

Sankt Ilgen in der Steiermark, im Hintergrund das Hochschwabmassiv. Österreich. Foto Christian Pirkl – CC BY-SA 4.0

Bekanntlich liegt unser St. Ilgen nicht gerade im Hochgebirge. Eher im Gegenteil. Die Niederung gehört zur örtlichen Geografie wie die Frösche zur lokalen Identität. Der Frosch hat es dort zwar nicht zum amtlichen Wappentier gebracht, genießt aber als inoffizielles Symbol einen Bekanntheitsgrad, von dem manches offiziell verliehene Wappen nur träumen kann. Und wenn in St. Ilgen von größeren Wassermengen die Rede ist, denkt man eher an Hochwasser als an schmelzende Gletscher.

Ganz anders sieht die Sache im österreichischen Namensvetter aus. Denn tatsächlich gibt es in der Steiermark, im Hochschwabgebiet, ebenfalls ein St. Ilgen. Ein kleines Dorf mit ungefähr 250 bis 275 Einwohnern, umgeben von Bergen, Wäldern und Gipfeln, deren Höhenangaben bei uns im Rhein-Neckar-Kreis vermutlich bereits als ernsthafte geografische Provokation empfunden würden.

Während unser St. Ilgen also eher mit Grundwasser und Fröschen vertraut ist, hat man es im steirischen St. Ilgen mit Felswänden, steilen Hängen und alpinen Gefahren zu tun. Gleicher Name, völlig andere Höhenlage. Die Gemeinsamkeiten dürften sich damit zunächst weitgehend erschöpfen.

Eine Internetroute mit unerwartetem Ausgang

Karte hergestellt aus OpenStreetMap-Daten | Lizenz: Open Database License (ODbL)

Aufmerksam wurden wir auf diese geografische Verwandtschaft durch eine durchaus ernste Angelegenheit. Am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, mussten zwei Wanderinnen im Hochschwabgebiet aus einer alpinen Notlage gerettet werden.

Die 56 und 69 Jahre alten Frauen waren gegen 9.30 Uhr zu einer Tour auf die 1.835 Meter hohe Messnerin aufgebrochen. Ihre Wanderroute hatten sie zuvor im Internet recherchiert. Was dort offenbar nach einer machbaren Unternehmung aussah, führte allerdings nicht nur über markierte Wanderwege, sondern auch über alte, unmarkierte Jagdsteige.

Im Bereich des Rabensteins war schließlich Schluss. Das Gelände wurde so unwegsam, dass weder ein sicherer Aufstieg noch ein gefahrloser Rückweg möglich war. Gegen 17.52 Uhr alarmierten die beiden Frauen die Einsatzkräfte.

Ein Polizeihubschrauber konnte die Wanderinnen und ihren mitgeführten Hund im letzten Tageslicht orten. Alle drei wurden mittels Tau geborgen und blieben unverletzt. Im Einsatz standen außerdem ein Alpinpolizist und zwölf Mitglieder der Bergrettung Thörl, die bereits eine Rettung am Boden vorbereitet hatten.

Eine glückliche Rettung also, bei der die Einsatzkräfte gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit eingreifen konnten. Und eine Erinnerung daran, dass eine Wanderroute nicht allein deshalb ungefährlich ist, weil sie im Internet steht. Dort findet man schließlich auch genügend andere Dinge, deren praktische Erprobung nur eingeschränkt empfehlenswert ist.

Von der Rheinebene auf 1.835 Meter

Für uns in der LeimenBlog-Redaktion war die Nachricht jedenfalls eine doppelte Überraschung. Erstens, dass es überhaupt noch ein zweites St. Ilgen gibt. Und zweitens, dass dieses ausgerechnet in einer Landschaft liegt, in der man sich nicht mit Gummistiefeln, sondern mit Bergschuhen zweckmäßig ausrüstet.

Man stelle sich nur einmal einen Besuchsaustausch vor: Eine Delegation aus dem badischen St. Ilgen reist in die Steiermark (700 km Distanz, 9 Stunden Fahrzeit) und fragt nach dem nächsten Froschteich. Die österreichischen Gastgeber zeigen auf die Messnerin. Umgekehrt könnten die Steirer bei einem Gegenbesuch vergeblich nach dem Einstieg zum nächsten Klettersteig suchen. Die topografischen Unterschiede wären vermutlich rasch geklärt.

Nach 15 Jahren LeimenBlog haben wir also tatsächlich noch etwas Neues über St. Ilgen gelernt. Unser Stadtteil hat einen kleinen, hochalpinen Namensvetter in Österreich. Dort gibt es statt der vertrauten Niederung mächtige Berge, statt gelegentlicher Hochwassergefahr alpine Herausforderungen und statt Froschkonzerten vermutlich eher das Rauschen des Bergwinds.

Und sollte irgendwann einmal eine Meldung aus der Steiermark eintreffen, wonach in St. Ilgen ein Frosch aus alpiner Notlage gerettet werden musste, werden wir selbstverständlich wieder berichten.

Bis dahin bleiben wir lieber auf dem Boden der Tatsachen. Der liegt bei uns bekanntlich deutlich tiefer.

Quelle: Landespolizeidirektion Steiermark, Pressemitteilung vom Oktober 2026

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Informationen...

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen