Steinkäuze kehren in die Region rund um Heidelberg und Leimen zurück

(zoo – 1.10.26) Sechs junge Steinkäuze sind in Heidelberg, Leimen und Reilingen ausgewildert worden. Was nach einer eher überschaubaren Zahl klingt, gehört zu einer bemerkenswerten Entwicklung: Wo vor wenigen Jahren in der gesamten Region nur noch ein bekanntes Brutpaar lebte, wurden 2026 bereits 22 Brutpaare und 90 Jungvögel dokumentiert. Der Zoo Heidelberg und der BUND Dossenheim zeigen damit, dass Artenschutz manchmal tatsächlich vor der eigenen Haustür funktioniert – vorausgesetzt, dort hängt der richtige Nistkasten.

Steinkauz Der Steinkauz gehört zu den kleinsten heimischen Eulenarten. Klein, aber für den regionalen Artenschutz inzwischen eine ziemlich große Angelegenheit. (Foto: BUND Dossenheim)

Drei Tage Eingewöhnung, dann geht die Tür auf

Für sechs junge Steinkäuze begann das Leben in Freiheit zunächst mit drei Tagen in einer kleinen Voliere. Die Käfige waren unmittelbar an geeigneten Nisthilfen angebracht, die Tiere wurden dort gefüttert und konnten sich an ihre neue Umgebung gewöhnen. Erst danach öffneten Zoo Heidelberg und BUND Dossenheim die Volieren und ließen die Jungvögel frei.

Das Verfahren nennt sich „Soft-Release“ und ist gewissermaßen die behutsame Variante des Auszugs: nicht einfach Tür auf und hinaus in die Welt, sondern zunächst drei Tage mit Unterkunft und Verpflegung. Der entscheidende Vorteil ist allerdings biologischer Natur. Die jungen Steinkäuze lernen die Nisthilfe bereits vor ihrer Freilassung als sicheren Ort kennen und nutzen sie deshalb häufig auch später weiter. So steigt die Chance, dass sie in der vorgesehenen Gegend bleiben und dort ein eigenes Revier besetzen.

Steinkauz wird an einer Minivoliere eingesetzt Michael Ziara vom BUND Dossenheim setzt einen der Vögel an der Nisthilfe ein. Vor dem freien Flug steht zunächst die kurze Eingewöhnungszeit. (Foto: BUND Dossenheim)

Vier Heidelberger und zwei Tiroler

Vier der sechs jungen Steinkäuze sind im Zoo Heidelberg geschlüpft und aufgewachsen. Zwei weitere kamen aus dem Alpenzoo Innsbruck in die Region. Für das Projekt „Gemeinsam für den Steinkauz“ ist diese Zusammenarbeit mehr als nur ein Austausch unter Zoos, denn die beiden österreichischen Vögel bringen zusätzliche genetische Vielfalt in die Population.

„Mit dem Alpenzoo Innsbruck konnten wir einen hervorragenden Partner für unsere Steinkauz-Auswilderungsmaßnahmen finden. Um genetische Vielfalt sicherzustellen, übernehmen die beiden Tiere aus Innsbruck eine wichtige Funktion“, erklärt Joshua Förg, Kurator im Zoo Heidelberg.

Joshua Förg vom Zoo Heidelberg mit einem Steinkauz Joshua Förg vom Zoo Heidelberg mit einem der Steinkäuze. Im Hintergrund wartet bereits die Nisthilfe – Immobilienbesichtigung auf Eulenart. (Foto: BUND Dossenheim)

Partnersuche mit zwei Minivolieren

Ausgewildert wurden die sechs Vögel an insgesamt fünf Standorten in Leimen, Reilingen und Heidelberg. An einem dieser Plätze probierten die Projektpartner eine besondere Variante aus: Ein Männchen aus Innsbruck und ein Weibchen aus Heidelberg bezogen zwei Minivolieren, die nur wenige Meter voneinander entfernt standen.

Ob aus dieser räumlichen Bekanntschaft im kommenden Jahr tatsächlich ein Revierpaar wird, müssen nun die Käuze entscheiden – der menschliche Einfluss auf Partnerschaftsfragen hat schließlich auch im Artenschutz vernünftige Grenzen. Die Projektpartner werden den Standort jedenfalls genau beobachten.

Sieben Jungvögel, wo vorher keiner war

Dass diese Form der Auswilderung funktionieren kann, zeigt ein anderer Standort besonders deutlich. Dort waren zuvor keine Steinkäuze nachgewiesen worden. 2024 wurde erstmals ein Vogel per Soft-Release ausgewildert. Ein Jahr später beobachteten die Artenschützer dort ein unberingtes Weibchen. 2026 folgte schließlich der deutlichste Beleg: Das Paar brütete erfolgreich und zog sieben Jungvögel groß.

Aus einem Standort ohne nachgewiesene Steinkäuze wurde damit innerhalb von zwei Jahren ein Brutplatz mit Nachwuchs. Im Artenschutz, wo Entwicklungen häufig eher in Jahrzehnten als in Wochen gemessen werden, ist das eine bemerkenswert schnelle Veränderung.

Beteiligte des Artenschutzprojekts Gemeinsam für den Steinkauz „Gemeinsam für den Steinkauz“: Beteiligte von Zoo Heidelberg und BUND Dossenheim bei der Arbeit im Projektgebiet. (Foto: BUND Dossenheim)

Von einem Brutpaar auf 22

Überhaupt war 2026 das bislang erfolgreichste Brutjahr seit Beginn des Projekts „Gemeinsam für den Steinkauz“. Im Gebiet zwischen Hemsbach-Laudenbach und Reilingen wurden insgesamt 90 Jungvögel dokumentiert. Die Zahl der Brutpaare stieg von 17 im Vorjahr auf 22; zusätzlich wurde ein weiteres Revierpaar festgestellt.

Die Zahlen werden besonders anschaulich, wenn man ein paar Jahre zurückgeht. Als das Projekt 2020 begann, war in der gesamten Großregion nur noch ein bekanntes Brutpaar dokumentiert. Inzwischen verteilen sich die 22 Brutpaare auf zehn Gemarkungen, darunter Ladenburg, Weinheim und Heidelberg. Früher suchte man also nach einzelnen Steinkäuzen, heute braucht man zunehmend eine ordentliche Tabelle.

Ein Ring fürs weitere Leben

Bevor die jungen Steinkäuze ihre Volieren verlassen, werden sie beringt. Die kleinen Ringe ermöglichen es, einzelne Tiere später wiederzuerkennen und ihre weitere Entwicklung nachzuverfolgen. Gerade bei einem Projekt, das nicht nur Tiere auswildert, sondern wissen möchte, wo sie bleiben, ob sie Partner finden und erfolgreich brüten, sind solche Daten entscheidend.

Junger Steinkauz wird beringt Bevor es hinaus ins neue Revier geht, werden die jungen Steinkäuze beringt. Schmuck ist das weniger, Personalausweis trifft es eher. (Foto: BUND Dossenheim)

Artenschutz zwischen Nistkasten und Geduld

Der positive Bestandstrend hält inzwischen seit sechs Jahren an. Dahinter stehen Nisthilfen, Kontrollen, Beringungen, Auswilderungen und viele Stunden Arbeit von Zoo Heidelberg und BUND Dossenheim. Spektakulär sieht das im Alltag nicht immer aus: Da hängt ein Kasten, jemand schaut hinein, irgendwo sitzt eine kleine Eule und sagt nichts dazu. Entscheidend ist, was einige Monate später darin zu finden ist.

2026 waren das im Projektgebiet 90 junge Steinkäuze. Aus einem einzigen bekannten Brutpaar im Jahr 2020 sind 22 Brutpaare geworden, und an einem Standort, an dem vor wenigen Jahren überhaupt kein Steinkauz nachgewiesen wurde, saßen in diesem Jahr sieben Jungvögel. Artenschutz-Erfolgsgeschichten müssen also nicht zwangsläufig in fernen Nationalparks spielen. Manchmal hängen sie an einem Baum zwischen Heidelberg und Reilingen – in Form eines Nistkastens.

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