SV Sandhausen siegt – Fans sind sauer!

Von der Polizei als Beamtenbeleidigung angesehenes Transparent!

(fwu) Vor dem Spiel des SV Sandhausen gegen Energie Cottbus, das Sandhausen souverän mit 3.0 gewann, kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Migliedern der SVS Fangruppe „Hardtwaldfront“ und der Polizei. Mitglieder der Hardwaldfront hatten zwei Transparente aufgehängt, an denen die Polizei Anstoß nahm und die Fans bei Androhung eines Stadionverbotes und einer Strafanzeige aufforderte, diese zu entfernen.

Bei vielen Fans auf der neuen Stehplatztribüne wurde dieses Vorgehen der Polizei als repressiv und unverhältnismäßig angesehen.  Andere SV Sandhausen Fangruppen solidarisierte sich mit der Hardtwaldfront  und forderten ein gemeinsames Vorgehen gegen solche Polizeiaktionen im Rahmen einer gemeinsamen Fanaktion.

Zum Hintergrund: In einschlägigen Kreisen steht die Buchstabenkombination „ACAB“ für „All Cops Are Bastards“. Da dieses Akronym in „copACABana“ enthalten ist, wertete die Polizei das Transparent als  vorsätzliche Beamtenbeleidigung. Auch die Zahlenkombination „1312“, die die Position von Buchstaben im Alphabet angibt und somit ebenfalls für „ACAB“ steht oder stehen könnte, wurde von den Einsazkräften als Beleidigungstatbestand gewertet und die Entfernung des Transparentes angeordnet. Polizeioberrat Uwe Schrötel, Leiter des Polizeireviers Wiesloch und Einsatzleiter vor Ort, bestätigte gegenüber Leimen-Lokal das Vorgehen der Polizei.

Knutschende „Bobbys“ plus 1312 = Beamtenbeleidigung?!

Erst im Februar war in Regensburg ein Mann wegen Beleidigung verurteilt worden, der ein „copACABana“ T-Shirt trug, allerdings im Gegensatz zu dem im Hardtwald gezeigten Transpartent mit der ausdrücklichen Hervorhebung des beleidigenden Teils „ACAB“ und einem eindeutigem Hinweis an die Polizei, wie das Tragen des T-Shirts zu verstehen sei (Info <hier>).

Bei künftigen Heimspielen des SVS darf man gespannt sein, ob auch die Fans der Gastmannschaften, bei denen es im Gegensatz zu den SVS-Fans durchaus gewaltbereite Ultras gibt, die gleichen Maßstäbe angesetzt werden.  Dann dürfte es im Hardtwald spannend werden.

Während das Bewerten von solchen T-Shirts und das Zeigen von Copacabana-Transparenten bei der Masse der Bevölkerung wohl nicht als Beleidigung erkannt würde, sind die auch in Sandhausen auftauchenden Schmierereien z. B. an der Schallschutzwand der L598 (manche nennen diese Form der Sachbeschädigung verharmlosend „Graffitti“) mit Inhalt „ACAP“ oder „1312“ ein ganz anderes Kaliber.  HIER sollte das Auge des Gesetzes tatsächlich ernsthaft bemüht sein die Täter zu ermitteln und zu bestrafen. Zwar nicht als Beamtenbeleidigung, aber als Sachbeschädigung zu Lasten der Allgemeinheit.

Wer übrigens meint, Unwissenheit schütze vor Strafe, irrt. Mit einem Copacabana-T-Shirt beim Fußball aufzulaufen, kann bestraft werden. Selbst wenn ein bibeltreuer Christ damit lediglich ausdrücken wollte, daß man immer eine Bibel mitführen sollte („Always Carry A Bible!“). Man sollte also grundsätzlich aufpassen, welche Buchstaben oder Zahlencodes sich in gezeigter Kleidung möglicherweise befinden und was sie bedeuten könnten …

Ein nettes Transparent der Energiefans … Kurz nach dem 2:0 wurde es stillschweigend eingerollt

 

LeimenBlog.de Ihre lokale Internetzeitung für Leimen, Nußloch, Sandhausen

Kurz-URL: https://leimenblog.de/?p=21883

13 Kommentare für “SV Sandhausen siegt – Fans sind sauer!”

  1. richter,m.

    Keine Kompromisse. Wehret den Anfängen. Dank an Polizei.

  2. OTTO

    Nur am Rande:

    Entgegen dem weitverbreiteten Irrglauben ist „Beamtenbeleidigung“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz rechtlich gesehen kein besonderer Tatbestand.

    Es macht keinen Unterschied ob man einen Polizisten oder eine beliebige andere Person beleidigt. Eine Besonderheit ist lediglich in der Stellung des Strafantrags. Während die Straftat grundsätzlich nur auf Antrag des Beleidigten verfolgt wird, kann hier gemäß § 194 Absatz 3 StGB bei Amtsträgern auch der Dienstvorgesetzte den Strafantrag stellen.
    Anders ist es aber z. B. in Frankreich («Outrage à agent public», Artikel 433-5 Code pénal).

  3. lukas podolski

    Sorry, aber wie naiv kann man eigentlich sein. Allein sich zu wundern, dass diese Plakate Ärger bringen werden, zeigen was für Kleingeister dort am Werk waren.

  4. FredvomJupiter

    Welche Bedeutung soll den das Plakat 1312 denn haben? Welche Bedeutung soll das Plakat Copacabana denn haben in Bezug auf Fußball oder den SVS.
    Es geht hier aus meiner Sicht ganz klar um die Beamtenbeleidigung.
    ABER – muss man da gleich so hart durchgreifen?
    Dieses mal ging es um die friedlichen Fans von SVS.
    Wenn andere Vereine kommen kann so ein Abhängen von „Fanutensilien“ schon ganz schnell in sehr handfesten Ausschreitungen enden. Gerade dieser Fahnenklau ist unter Fans sehr verhasst.
    Oft ist das Abbrennen der Bengalos oder Rauchbomben in den Stadien nur ein Ablenkungsmanöver um solche Flaggen anzubringen ohne den Anbringer zu zeigen.

    In Sandhausen wird diese Sasion noch viel passieren – da war das nur ein kleiner Vorgeschmack. Und wer mal die ‚“schwarzen Jungs mit den Schlagstöcken in dicken Panzergarnituren“ in Bayern mal gesehen hat weiß wie friedlich unsere Polizisten in BW sind.
    So friedvoll wird es nicht bleiben – selbst wenn Sandhausen keine Hools hat – es gibt genügend im Umkreis die dann mit dem SVS sympathisieren werden – egal ob der SVS das mag oder nicht. Früher oder später werden sich hier aber KSC oder Eintracht Fans treffen und wenn es Prügel gibt sind die Barackler vom Waldhof meist auch nicht weit. Spätestens wenn der FCK kommt sind die Barackler im Sandhäuser Block.

    Wir sind jetzt in der zweiten Liga – da ist das kein Zuckerschlecken mehr.

  5. Karl

    @richter:
    Ist bei dem einen Transparent die erwähnte Buchstabenreihe hervorgehoben worden? Könnte sich auch um einen weltberühmten Strand handeln in der Ordnungshüter nicht erwünscht sind?

    Werden irgendwann Banner / Utensilien von Gruppierungen als Beleidigung angesehen, weil deren meist verwendeten Abkürzungen evtl. auch irgendwelche Wortkombinationen daraus an den Haaren herbeizuziehen.

    Hauptsache noch mehr Willkür!

    Hauptsache rasch ein Urteil zur Hand! Man merkt, dass Du nie im Stadion bist.

  6. richter,m.

    @ Karl
    Transparent ist pure Provokation.
    Deshalb nochmals volle Unterstützung für Polizei.

  7. FredvomJupiter

    @richter

    Wer Gewalt säht wird Gewalt ernten. Soll das die neue Strategie sein der Polizeit?
    Ich denke hier sind die Strategen der Polizei verlangt und nicht ein Richter aus Leimen Lokal.
    Natürlich hat man provoziert mit dem Banner – die Frage ist wie die Polizei reagiert und was darauf passiert. Bisher war es in Sandhausen friedlich – nach dieser Aktion wird es nicht mehr friedlich bleiben.

    Fred

    • admin

      Keine Sorge, die bisherigen Sandhäuser Fans sind und bleiben friedlich. Das sind keine Hooligans oder Ultras, es gibt keine Bengalos im Stadion oder Schlägereien. Allerdings werden wir andere Fans von außerhalb wohl auch noch erleben müssen.
      Über das bißchen aufmüpfige „Fankultur“ der jugendlichen Sandhäuser Fans sollte man doch gelassen hinwegsehen können, auch wenn „normale“ Mitbürger und die Polizei diese „pure Provokation“ mimosenhaft ernst nehmen, was nur dazu führt, daß sich andere Fangruppen solidarisieren, die das harte Eingreifen der Polizei völlig unverhältnismüßig finden.
      Glückliches Sandhausen, daß (noch) keine Fanprobleme hat … bis auf die Schmierereien, falls man diese auf Fankreise zurückführen kann.

  8. me

    beleidigung ist im übrigen ein vorsatzdelikt und kein fahrlässigkeitsdelikt. wer also glaubhaft machen kann, bei solch einem tshirt mit strandaufschrift keine kenntnis von dem beleidigenden inhalt zu haben, macht sich gerade nicht strafbar (das ist im letzten absatz des artikels falsch).

  9. Karl

    Wieso nicht auch andere Transparente verbieten bzw. einen Grund dafür zu suchen…z.b. SV FANS = SchwerVerbrecher Fans oder CH= C*psHerausforderer, HS=HitlerSupporters, oder so was. Es gibt viele Gruppierungen die auch, wie erwähnt, die Ihre Namen auch als Abkürzungen verwenden,dann könnten man ja auch gleich jegliche Beileidigungen / Statements an den Haaren herbeiziehen.

    Ich kann ja verstehen, wenn vielleicht politische Meinungen auf Transparenten zur Schau gestellt werde, weil Politik in Stadien NICHTS zu suchen hat, aber bei sowas, da kann man doch ein wenig Fingerspitzengefühl zeigen. Und by the way, da ich ab und an auf die Spiele gehe seit Jahren, da habe ich dieses „schlimme“ Banner mehrmals hängen gesehen gehabt, wieso wird jetzt eine große Sache daraus gemacht?

    Tut mir leid, aber das ärgert mich zutiefst.
    Dann doch lieber komplette Sitzplatzstadien mit Utensilien Verbot, ausser die Fanshop Artikel, und dem dazu tragendem Eventpublikum? Dann kann ich gleich zum Tennis gehen!

  10. Hubi

    Svs Fans und friedlich???? Der war gut! Man denke nur an die Geschichten in pforzheim oder Sinsheim! Aber da die meisten sich ja erst seit dieser saison interessieren , kann man ihnen ja kein vorwurf machen!
    Polizei hat alles richtig gemacht! Ist ja schließlich auch nicht das erste mal das sie mit den Ultras zusammengefunden sind!

    Und ja: Sandhausen hat Ultras! Die hardtwaldfront! Ultra zu sein ist aber nichts negatives …. Vllt einfach mal googeln was das Wort bedeutet!

    Gruß hubi

  11. Naivling

    … Wenn ich daran denke, dass ich als Kind ein T-Shirt mit der Aufschrift „Copacabana“ hatte und es geliebt habe… zum Glück bin ich nicht im Jugendarrest gelandet! 😉 Was angeblich alles anstössig ist… meine Güte, da muss man ja den kompletten Beamtenbeleidigungskatalog auswendig kennen. Mann kann den Beamteneinsatz auch übertreiben. Bei Gewalt, Bengalos, Nazi-Symbolen etc. ist ein hartes Durchgreifen ja ok, aber manchmal gehts zu weit.

Kommentare sind geschlossen

Anmelden | Entworfen von Gabfire themes

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Informationen...

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen