
(fwu) Vor dem Spiel des SV Sandhausen gegen Energie Cottbus, das Sandhausen souverän mit 3.0 gewann, kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Migliedern der SVS Fangruppe „Hardtwaldfront“ und der Polizei. Mitglieder der Hardwaldfront hatten zwei Transparente aufgehängt, an denen die Polizei Anstoß nahm und die Fans bei Androhung eines Stadionverbotes und einer Strafanzeige aufforderte, diese zu entfernen.
Bei vielen Fans auf der neuen Stehplatztribüne wurde dieses Vorgehen der Polizei als repressiv und unverhältnismäßig angesehen. Andere SV Sandhausen Fangruppen solidarisierte sich mit der Hardtwaldfront und forderten ein gemeinsames Vorgehen gegen solche Polizeiaktionen im Rahmen einer gemeinsamen Fanaktion.
Zum Hintergrund: In einschlägigen Kreisen steht die Buchstabenkombination „ACAB“ für „All Cops Are Bastards“. Da dieses Akronym in „copACABana“ enthalten ist, wertete die Polizei das Transparent als vorsätzliche Beamtenbeleidigung. Auch die Zahlenkombination „1312“, die die Position von Buchstaben im Alphabet angibt und somit ebenfalls für „ACAB“ steht oder stehen könnte, wurde von den Einsazkräften als Beleidigungstatbestand gewertet und die Entfernung des Transparentes angeordnet. Polizeioberrat Uwe Schrötel, Leiter des Polizeireviers Wiesloch und Einsatzleiter vor Ort, bestätigte gegenüber Leimen-Lokal das Vorgehen der Polizei.

Erst im Februar war in Regensburg ein Mann wegen Beleidigung verurteilt worden, der ein „copACABana“ T-Shirt trug, allerdings im Gegensatz zu dem im Hardtwald gezeigten Transpartent mit der ausdrücklichen Hervorhebung des beleidigenden Teils „ACAB“ und einem eindeutigem Hinweis an die Polizei, wie das Tragen des T-Shirts zu verstehen sei (Info <hier>).
Bei künftigen Heimspielen des SVS darf man gespannt sein, ob auch die Fans der Gastmannschaften, bei denen es im Gegensatz zu den SVS-Fans durchaus gewaltbereite Ultras gibt, die gleichen Maßstäbe angesetzt werden. Dann dürfte es im Hardtwald spannend werden.
Während das Bewerten von solchen T-Shirts und das Zeigen von Copacabana-Transparenten bei der Masse der Bevölkerung wohl nicht als Beleidigung erkannt würde, sind die auch in Sandhausen auftauchenden Schmierereien z. B. an der Schallschutzwand der L598 (manche nennen diese Form der Sachbeschädigung verharmlosend „Graffitti“) mit Inhalt „ACAP“ oder „1312“ ein ganz anderes Kaliber. HIER sollte das Auge des Gesetzes tatsächlich ernsthaft bemüht sein die Täter zu ermitteln und zu bestrafen. Zwar nicht als Beamtenbeleidigung, aber als Sachbeschädigung zu Lasten der Allgemeinheit.
Wer übrigens meint, Unwissenheit schütze vor Strafe, irrt. Mit einem Copacabana-T-Shirt beim Fußball aufzulaufen, kann bestraft werden. Selbst wenn ein bibeltreuer Christ damit lediglich ausdrücken wollte, daß man immer eine Bibel mitführen sollte („Always Carry A Bible!“). Man sollte also grundsätzlich aufpassen, welche Buchstaben oder Zahlencodes sich in gezeigter Kleidung möglicherweise befinden und was sie bedeuten könnten …





