(fwu – 10.8.26) Ein Feuerwehrfest hat gegenüber anderen Sommerfesten einen gewissen Vorteil: Die großen roten Autos stehen schon da. Man muss sie weder als Dekoration herbeischaffen noch den Kindern erklären, warum sie nicht näher herandürfen. Am vergangenen Wochenende, 8. und 9. August, öffnete die Feuerwehr Leimen wieder ihre Tore – bei hochsommerlichen Temperaturen, reichlich Betrieb auf dem Gelände und jener Mischung aus Familienausflug, Wiedersehen und gemütlichem Zusammensitzen, die sich schwer planen lässt, aber zuverlässig einstellt, sobald Biertische, Schattenplätze und genügend bekannte Gesichter vorhanden sind.
Am Samstag verteilten sich die Gäste zwischen Feuerwehrhalle, roten Pavillons und Stehtischen. Getränke wechselten über die Theke, Kuchen standen hinter Glas bereit, und wer einen Platz im Schatten gefunden hatte, gab ihn angesichts der Temperaturen nicht ohne zwingenden Grund wieder her. Die Einsatzfahrzeuge standen derweil draußen und erinnerten daran, dass das Ganze zwar ein Fest war, die Feuerwehr aber trotzdem Feuerwehr blieb – eine Tatsache, die später noch eine unerwartet praktische Demonstration erfahren sollte.
Die Jugendfeuerwehr zeigt, wie es geht
Zunächst gehörte die Straße jedoch dem Nachwuchs. Für die Schauvorführung der Jugendfeuerwehr war der Bereich vor dem Gerätehaus abgesperrt worden, zahlreiche Zuschauer säumten den Straßenrand, darunter auffallend viele Kinder, die teilweise ganz vorne auf dem Bordstein saßen. Als Übungsobjekt diente ein großes Fass mit brennendem Holz, dessen Rauch schon von weitem unmissverständlich klarmachte, wo diesmal das Problem lag. Im wirklichen Einsatz ist die Lage bekanntlich selten so höflich und markiert sich selbst.
Dann kam die Jugendfeuerwehr – mit Einsatzfahrzeug, Blaulicht und Martinshorn. Für die jungen Zuschauer am Straßenrand war spätestens jetzt der Punkt erreicht, an dem Kuchen und Limonade vorübergehend deutlich an Bedeutung verloren. Bemerkenswert war vor allem, wie routiniert die Jugendlichen vorgingen: Der Gruppenführer ließ die Mannschaft antreten, verteilte die Aufgaben, und anschließend begann das, was für Außenstehende zunächst nach einem beträchtlichen Durcheinander aus Schläuchen, Kupplungen und Kommandos aussehen könnte, tatsächlich aber einem klaren Ablauf folgte.
Die Wasserversorgung wurde aufgebaut, eine Leitung zum nahegelegenen Hydranten hergestellt, Schläuche wurden über die Straße ausgerollt und die einzelnen Trupps gingen in Position. Schließlich rückten gleich drei Strahlrohre dem Feuer zu Leibe. Wasser spritzte über den Asphalt, Dampf und Rauch zogen vor dem Feuerwehrhaus entlang, und mittendrin arbeiteten Jugendliche, von denen einige kaum älter als zwölf Jahre waren, bereits erstaunlich konzentriert mit Gerät und Abläufen, die im Ernstfall sitzen müssen.
Gerade bei den Kindern im Publikum war die Aufmerksamkeit entsprechend groß. Es ist schließlich ein Unterschied, ob Erwachsene in Schutzkleidung einen Löschangriff demonstrieren oder ob dort Jugendliche stehen, die altersmäßig gar nicht so weit von den Zuschauern in der ersten Reihe entfernt sind. Nach einigen Minuten war das Feuer gelöscht, die Straße nass und die Vorführung beendet – so ordentlich, wie man sich einen Feuerwehreinsatz grundsätzlich wünscht, nur eben mit vorher vereinbartem Brandherd.
Zu heiß für die nächste Vorführung
Für 16 Uhr war ursprünglich noch eine Schauvorführung der aktiven Einsatzabteilung angekündigt. Daraus wurde angesichts der hohen Temperaturen nichts; die Vorführung wurde kurzfristig abgesagt. Eine nachvollziehbare Entscheidung, denn wer bei solcher Hitze schon beim bloßen Herumstehen den Schatten sucht, kann ungefähr ermessen, welchen Freizeitwert komplette Feuerwehrschutzkleidung besitzt.
Die meisten Besucher nahmen die Änderung gelassen. Unter den Pavillons und in der Halle wurde weitergeredet, an den Stehtischen standen kühle Getränke, und eigentlich hätte der Nachmittag nun ohne weitere Einsatzdramaturgie gemütlich weiterlaufen können. Eigentlich.
Dann piepste plötzlich das ganze Feuerwehrfest
Knapp eine halbe Stunde nach dem ursprünglich vorgesehenen Termin der abgesagten Vorführung kam gewissermaßen das nicht bestellte Ersatzprogramm – und diesmal ohne Drehbuch. Plötzlich waren auf dem Festgelände gleichzeitig die Alarmtöne zahlreicher Funkmeldeempfänger zu hören. Wer eben noch mit einem Getränk am Tisch gestanden hatte, sah Feuerwehrleute zügig in Richtung Gerätehaus verschwinden. Gespräche brachen ab, Einsatzkleidung wurde angezogen, Fahrzeugtüren gingen auf, Motoren wurden gestartet.
Auch die Drehleiter – so heißt das Feuerwehrfahrzeug mit der großen, ausfahrbaren Leiter korrekt – musste einsatzbereit gemacht werden. Da die Leiter auf dem Festgelände ausgefahren gewesen war, wurde sie zunächst eingefahren und in Fahrstellung gebracht; das Fahrzeug rückte deshalb etwas später nach. Aus der angekündigten Schauvorführung war damit binnen weniger Minuten ein echter Alarm geworden. Näher am Feuerwehralltag konnte man als Festbesucher an diesem Nachmittag kaum sein.
Zum Glück stellte sich der Einsatz anschließend als Fehlalarm einer Brandmeldeanlage heraus. Niemand war in Gefahr, und die Einsatzkräfte konnten wieder zurückkehren. Für die Besucher blieb dennoch ein ziemlich anschaulicher Eindruck davon, wie schnell bei einer Feuerwehr aus Festbetrieb Einsatzbetrieb wird. Eben noch Zapfhahn und Kuchentheke, kurz darauf Schutzkleidung, Blaulicht und ausrückende Fahrzeuge – bei anderen Vereinen ist der Übergang vom gemütlichen Nachmittag zum Ernstfall gewöhnlich weniger abrupt.
Rock am Samstag, Blasmusik am Sonntag

Am Samstagabend übernahm dann die Uwe Jansen Band den musikalischen Teil. Uwe Jansen ist in der Region mit seinem Rock längst kein Unbekannter und auch für unsere Zeitung ein alter Weggefährte: Bereits vor rund 15 Jahren, kurz nach Gründung der Zeitung, veranstalteten wir gemeinsam mit ihm ein Benefizkonzert zugunsten der Leimener Tafel. Manche Bekanntschaften beginnen bei einem Pressetermin und enden nach drei Fotos; andere halten eben anderthalb Jahrzehnte.
Am Sonntag ging es musikalisch traditioneller weiter. Zum Frühschoppen spielte die Stadt- und Feuerwehrkapelle, während sich vor dem Gerätehaus wieder Gäste an den Tischen niederließen. Blechbläser, Schlagzeug und Notenständer standen vor den großen Hallentoren, daneben die Feuerwehrfahrzeuge – eine Kombination, bei der man in Leimen immerhin nicht lange überlegen muss, woher der Name „Stadt- und Feuerwehrkapelle“ kommt.
Kuchen, kühle Getränke und Gespräche im Schatten
Abseits des Programms funktionierte das Feuerwehrfest nach einer seit Generationen bewährten kommunalen Ordnung: Man trifft jemanden, den man kennt, bleibt kurz stehen und stellt nach einer halben Stunde fest, dass aus dem kurzen Gespräch inzwischen ein Stehtisch geworden ist. Hinter der Kuchentheke warteten Torten und Kuchen, am Getränkestand wurden Gläser gefüllt, und unter den roten Pavillons rückten die Gäste angesichts der Sonne freiwillig etwas enger zusammen.
Auch Oberbürgermeister John Ehret schaute gemeinsam mit seiner Frau Katja beim Feuerwehrfest vorbei. Statt großer Zeremonie gab es Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern zwischen Tischen und Getränkestand – jene kleinen Begegnungen also, für die solche Feste mindestens ebenso wichtig sind wie das offizielle Programm.
Ein Fest mit ungeplantem Blick auf den Ernstfall
So endete das Feuerwehrwochenende schließlich deutlich ruhiger, als es am Sonntagnachmittag für einige Minuten den Anschein gehabt hatte. Die Jugendfeuerwehr hatte eindrucksvoll gezeigt, was der Nachwuchs bereits beherrscht, die aktive Wehr lieferte unfreiwillig einen kurzen Einblick in den tatsächlichen Alarmablauf, und dazwischen blieb genügend Zeit für Musik, Kuchen, Bier und Gespräche.
Dass ausgerechnet am Tag der abgesagten Einsatzvorführung ein echter Alarm einging, gehört zu jenen kleinen Ironien, die man nicht organisieren kann – und bei der Feuerwehr vermutlich auch lieber nicht organisiert. Umso besser, dass es am Ende nur eine ausgelöste Brandmeldeanlage war. Das Feuer im Übungsfass war damit der einzige Brand des Festwochenendes, der tatsächlich gelöscht werden musste. Und den hatte die Jugendfeuerwehr bereits zuverlässig erledigt.








