Sandhausens Bürgermeister Hakan Günes nahm in der Kewerede OB John Ehret aufs Korn

(fwu – 14.10.26) Bei der Sandhäuser Kerwe 2026 gehörten die Nachbarn aus Leimen und St. Ilgen zu den bevorzugten Adressaten der traditionellen Kerwerede (im Video ab Min. 25). Bürgermeister Hakan Günes hatte sich insbesondere den Fassbieranstich von Oberbürgermeister John Ehret vorgenommen. Der brauchte auf der Kerwe in Dilje 25 Schläge, um das Bier zum Laufen zu bringen – wobei ein beträchtlicher Teil des Gerstensafts seinen Weg nicht ins Glas, sondern auf den Rathausplatz und in die ersten Zuschauerreihen fand. Für Günes eine Steilvorlage, die er ausgiebig nutzte.

Von der Weltpolitik zum Bierpreis

Die Weltlage ist schwierig, die Politik sorgt für Kopfschütteln und an der Tankstelle wird das Bezahlen längst zur Mutprobe. Aber wenigstens auf eine Konstante ist Verlass: die Sandhäuser Kerwe. Mit einem kräftigen „Seid ihr bereit?“ eröffnete Bürgermeister Hakan Günes seine traditionelle Kerwerede und begrüßte die Gäste in der „Weltmetropole Sandhausen“.

Nach einigen Seitenhieben auf die große Politik wandte sich Günes den wirklich wichtigen Fragen des kommunalen Lebens zu. Während andernorts die Preise steigen, bleibe in Sandhausen der Dopsi-Preis stabil, verkündete er unter Applaus. Cola, Fanta und Spirituosen seien damit auch 2026 zu erschwinglichen Preisen zu haben. Eine Nachricht, die auf dem Rathausplatz offenbar mindestens so gut ankam wie manche wirtschaftspolitische Ankündigung aus Berlin.

Doch während man in Sandhausen beim Feiern auf bewährte Verhältnisse setzen könne, habe es wenige Kilometer weiter in St. Ilgen ein bemerkenswertes Problem gegeben. Und damit war Günes bei einem seiner Lieblingsthemen angekommen: den Nachbarn aus Leimen.

John Ehret und die 25 Schläge von St. Ilgen

„Empty Jonny“ und seine 25 Schläge beim Faßbieranstich auf der Diljemere Kerwe 2026

„In Dilje war das ja dieses Jahr leider gar nicht so“, leitete Günes seinen Rückblick auf die dortige Kerweeröffnung ein. Der Freibierausschank sei, so seine wenig schmeichelhafte Bilanz, ein „Griff ins Klo“ gewesen.

Verantwortlich dafür machte er niemand Geringeren als Leimens Oberbürgermeister John Ehret, den Günes kurzerhand zum „Empty Jonny“ ernannte. Der habe schon vor dem ersten Schlag auf den Zapfhahn Applaus bekommen, anschließend aber dafür gesorgt, „dass mehr Bier in den ersten drei Sitzreihen als in den Biergläsern landet“.

Das Publikum quittierte die Schilderung mit Applaus. Günes legte nach und stellte eine Frage, die vermutlich in keiner kommunalen Verwaltungsvorschrift abschließend geregelt ist: Wie viele Schläge darf man eigentlich maximal benötigen, um ein Bierfass anzuzapfen?

In St. Ilgen waren es nach seiner Darstellung stolze 25. „Nächstes Mal gehen da noch zwei mehr“, spottete der Sandhäuser Bürgermeister und machte damit deutlich, dass er dem Leimener Kollegen durchaus noch Steigerungspotenzial zutraute – allerdings in die falsche Richtung.

Grundwasser mit Welde-Geschmack

Besonders ausführlich widmete sich Günes den angeblichen Folgen des missglückten Fassanstichs. So viele Liter Bier seien bei den 25 Schlägen auf dem Leimener Rathausplatz versickert, dass dies mittlerweile sogar Auswirkungen auf die örtliche Wasserqualität habe.

„Es war nicht zu verdecken, dass die Grundwasserproben in Dilj jetzt nach Welde-Bier schmecken“, reimte Günes und erntete dafür erneut Applaus.

Die Vorstellung, dass man in St. Ilgen künftig beim Grundwasserpumpen gleich ein frisch gezapftes Bier erhalten könnte, blieb natürlich eine rein humoristische. Immerhin hätte die Stadt damit ein Alleinstellungsmerkmal, das selbst bei ambitionierter kommunaler Wirtschaftsförderung nur schwer zu erreichen wäre.

Günes hatte aber bereits eine Lösung für künftige Versorgungsengpässe parat. Max Spielmann von der Familienbrauerei Welde habe ihm versichert, dass er John Ehret beim nächsten Mal ein 1.000-Liter-Fass zur Verfügung stellen werde. Damit, so die Hoffnung, könne trotz der zu erwartenden Verluste wenigstens jeder Kerwebesucher einen winzigen Schluck Freibier erhalten.

Ein ehrgeiziges Ziel für „Empty Jonny“

Bei aller Frotzelei ließ Günes keinen Zweifel daran, dass er dem Leimener Oberbürgermeister durchaus Ehrgeiz bescheinigt. „Der Empty Jonny ist immer ambitioniert, als Oberbürgermeister bis in die Haarspitzen motiviert“, dichtete er.

Und weil ein ambitionierter Rathauschef selbstverständlich messbare Ziele braucht, habe Ehret für die nächste Kerwe bereits eine klare Vorgabe ausgegeben. Günes verkündete sie mit der gebotenen Feierlichkeit:

„Liebe Diljemer, ihr könnt beruhigt sein. Der John hat mir garantiert, dass er nächstes Jahr den Fassbieranstich mit bloß 24 Schlägen probiert.“

Eine Verbesserung um immerhin vier Prozent. In Zeiten kommunaler Sparzwänge könnte man das bereits als Effizienzsteigerung verkaufen. Ob sich Ehret mit diesem bescheidenen Fortschritt tatsächlich zufriedengeben würde, blieb offen.

Auch Nußloch bekommt sein Fett weg

Nachdem Leimen und St. Ilgen ausreichend bedacht waren, richtete Günes seinen Blick nach Nußloch. Dort sei der Fassanstich bei der Kerwe wesentlich reibungsloser verlaufen. Bürgermeister Joachim Förster, von Günes als „Dopsi Joe“ angesprochen, habe gerade einmal drei Schläge gebraucht – und das mit links.

Allerdings hatte Sandhausen den Nußlochern noch eine andere Überraschung bereitet. Während der dortigen Kerwe war ein Flugzeug über den Festplatz gekreist, das mit einem Banner Grüße aus Sandhausen überbrachte. Die Botschaft war unmissverständlich: Wer die beste Kerwe erleben wolle, müsse nach Sandhausen kommen.

Seitdem, so Günes, grassiere in Nußloch eine rätselhafte Erkrankung. Die Einwohner litten angeblich unter steifen Nacken, weil sie bei jedem Motorengeräusch erwartungsvoll zum Himmel blickten. Ein Nußlocher Apotheker sei bereits ganz verzagt.

Da Sandhausen unmöglich für jede Mitteilung ein Flugzeug losschicken könne, empfahl Günes den Nachbarn kurzerhand, das Sandhäuser Gemeindeblatt zu abonnieren.

Auch die künstliche Intelligenz bekam ihren Platz in der Rede. Während Nußloch angeblich längst auf KI setze, vertraue Sandhausen weiterhin auf die eigenen kreativen Köpfe. Als Beweis wurde auf dem Rathausplatz eine eigens umgedichtete Version des Fliegerlieds angestimmt, bei der die Nußlocher Kerwe und das Sandhäuser Flugzeugbanner noch einmal musikalisch verarbeitet wurden.

Bei aller Frotzelei: Gute Nachbarschaft mit Leimen und Nußloch

Dass die Sticheleien gegen Leimen, St. Ilgen und Nußloch nicht als ernsthafte kommunalpolitische Kampfansage gemeint waren, machte Günes zum Abschluss des humoristischen Teils ausdrücklich deutlich.

Er wandte sich an seine Bürgermeisterkollegen und betonte, wie froh man in Sandhausen über die gute Nachbarschaft sei. Die Zusammenarbeit beschränke sich keineswegs auf gegenseitige Kerwebesuche. Vielmehr pflege man das ganze Jahr über einen respektvollen, konstruktiven und vertrauensvollen Umgang miteinander, von dem viele andere Gemeinden nur träumen könnten.

„Egal, ob ihr von Dilje, Nußloch oder Sandhausen seid“, rief Günes den Gästen zu und erhob das Glas auf die gemeinsame Kerwetradition. Die Rivalität zwischen den Nachbargemeinden durfte damit für den Abend weiter gepflegt werden – selbstverständlich nur auf dem Gebiet der Festkultur und des Fassbieranstichs.

Prominenz auf der Bühne und Dank an die Helfer

Nach dem gereimten und humoristischen Auftakt wechselte Günes zum offiziellen Teil seiner Ansprache. Er begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter Sandhausens Ehrenbürgerin Eva-Maria Eichler sowie eine Delegation aus der französischen Partnergemeinde, die trotz schwerer Brände mit 3.000 Austern angereist war.

Auch mehrere amtierende und ehemalige Bürgermeister waren zur Kerweeröffnung gekommen. Unter ihnen Joachim Förster aus Nußloch, Florian König aus Edingen-Neckarhausen sowie Leimens Ex-Oberbürgermeister Hans Reinwald, den Günes als Teil des früheren kommunalen „Dreigestirns“ begrüßte und mit seiner Begleitung auf die Bühne bat.

Günes erinnerte daran, dass hinter den drei Kerwetagen zahlreiche Helfer stehen. Er dankte dem Kerwekomitee, den Vereinen, den Gewerbetreibenden und den Beschäftigten der Gemeinde, die in den Wochen zuvor mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen waren. Auch die Anwohner rund um das Festgelände erhielten einen ausdrücklichen Dank für ihre Geduld angesichts der zu erwartenden Geräuschkulisse.

Trotz der laufenden Festhallensanierung könne die Kerwe wie gewohnt stattfinden. Schließlich ging es zum traditionellen Fassbieranstich – jenem Programmpunkt also, dessen Beherrschung in Sandhausen an diesem Abend bereits ausführlich zum Gegenstand kommunaler Vergleiche geworden war.

Ein Fass Bier und die Grenzen der interkommunalen Konkurrenz

Die Kerwerede von Hakan Günes zeigte humovoll, dass die Rivalität zwischen Sandhausen, Leimen und Nußloch vor allem dann besonders gut funktioniert, wenn sie mit einem Augenzwinkern ausgetragen wird. Während Nußloch wegen eines Flugzeugbanners den Himmel absuchen muss, hat St. Ilgen nach Günes‘ Darstellung ein Problem mit dem Grundwasser – und Leimens Oberbürgermeister John Ehret eine sehr persönliche Herausforderung für die nächste Kerwe.

24 Schläge statt 25 lautet das erklärte Ziel. Ob daraus tatsächlich etwas wird, bleibt abzuwarten. Zumindest dürfte beim nächsten Fassanstich in St. Ilgen besonders aufmerksam mitgezählt werden. Und vorsichtshalber sollte man in den ersten drei Zuschauerreihen vielleicht auf wasserfeste Kleidung achten.

Die Nachbarschaft jedenfalls scheint solche Scherze auszuhalten. Ein paar Liter verschüttetes Bier und einige spitze Verse sind offenbar noch lange kein Grund für eine kommunale Krise.

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