(fwu – 14.10.26) Da haben wir nun einen Bilderbuchsommer hinter uns, mit Sonne satt und einer Dürre, die selbst dem letzten Grashalm das Grün ausgetrieben hat. Auch im Leimener Menzerpark ist davon wenig übrig geblieben. Der Rasen präsentiert sich weitgehend braun und verdorrt, und man hätte sich über ein paar ordentliche Regenschauer während der vergangenen Monate durchaus gefreut. Aber wann kommt der Regen? Natürlich ausgerechnet an dem Sonntag, an dem das Apfelkuchenfest stattfinden soll. Petrus hat offenbar seinen ganz eigenen Veranstaltungskalender.
Regen am Morgen – und ein banger Blick zum Himmel
Dabei stand die sechste Auflage des Apfelkuchenfestes der Bürgerinitiative „Leimen legt los“ zunächst durchaus auf der Kippe. Am Vormittag regnete es kräftig, und auf dem Veranstaltungsplakat war unmissverständlich zu lesen: „Bei Regen fällt die Veranstaltung leider aus.“ Nun ist Regen bekanntlich ein dehnbarer Begriff, insbesondere dann, wenn man rund 50 Apfelkuchen erwartet und zahlreiche Helfer bereits in den Startlöchern stehen.
Der Wetterbericht versprach allerdings Besserung, und tatsächlich: Gegen 13 Uhr, also eine Stunde vor dem geplanten Beginn, hellte es deutlich auf. Die Entscheidung, das Fest stattfinden zu lassen, erwies sich als richtig. Die Wolken verzogen sich, die ersten Besucher kamen und unter den großen Bäumen des Menzerparks füllten sich nach und nach die Plätze. Der ausgedörrte Rasen blieb zwar braun, aber immerhin konnte man sich wieder darauf niederlassen, ohne anschließend die Kleidung auswringen zu müssen.
50 Apfelkuchen und die Qual der Wahl
Im Mittelpunkt stand natürlich das, was dem Fest seinen Namen gibt: der Apfelkuchen. Und davon gab es reichlich. Rund 50 gespendete Kuchen waren zu Beginn vorhanden, weitere wurden noch vorbeigebracht. Die ehrenamtlichen Bäckerinnen und Bäcker hatten sich dabei keineswegs auf eine einheitliche Auslegung des Themas verständigt. Da lagen klassische Apfelkuchen mit Streuseln neben Varianten mit Mandeln, Vanillepudding oder Quark, heller Teig neben dunklem. Der Apfel ist eben ein ausgesprochen anpassungsfähiges Obst.
Unter den Pavillons hatten die Helferinnen alle Hände voll zu tun. Hinter den transparenten Abdeckungen reihten sich die Backwerke aneinander, während davor die Besucher ihre Auswahl trafen. Was angesichts des Angebots durchaus etwas dauern konnte. Schließlich wollte man sich nicht schon beim ersten Stück festlegen, wenn drei Kuchen weiter noch eine andere interessante Variante wartete.
Die Kuchenstücke wurden gegen eine freiwillige Spende ausgegeben, deren Höhe jeder selbst bestimmen konnte. Dazu gab es Kaffee, und wer nicht alles vor Ort verzehren wollte, konnte sich auch etwas für den heimischen Kaffeetisch mitnehmen. Eva Neuschäfer vom Organisationsteam freute sich über die zahlreichen Kuchenspenden und eröffnete das Fest.
Picknickdecken, Campingstühle und viele Gespräche
Vielleicht waren es angesichts des wenig einladenden Vormittags ein paar Besucher weniger als in den vergangenen Jahren. Verständlich wäre es jedenfalls gewesen. Wer morgens beim Blick aus dem Fenster nur Regen sieht und auf dem Plakat einen entsprechenden Warnhinweis gelesen hat, plant seinen Sonntagnachmittag möglicherweise anders. Dennoch war der Menzerpark gut besucht, und rund um die Kuchenausgabe bildeten sich immer wieder kleine Gruppen.
Unter den Bäumen lagen bunte Picknickdecken, daneben standen mitgebrachte Campingstühle. Andere Besucher nutzten die aufgestellten Tische und Bänke. Familien mit Kindern, ältere Leimener und viele Bekannte, die sich offenbar schon länger nicht mehr gesehen hatten, kamen miteinander ins Gespräch. Während die einen noch überlegten, welchen Kuchen sie probieren sollten, waren andere bereits beim zweiten Stück angelangt.
Auch Rita Niemann-Geiger von „Leimen legt los“ zeigte sich zufrieden. Nach den Regenschauern am Morgen war keineswegs sicher gewesen, wie viele Menschen sich überhaupt auf den Weg machen würden. Am Nachmittag hatte sich diese Sorge weitgehend erledigt. Die Campingstühle waren zwar stärker vertreten als die Picknickdecken, aber angesichts des nassen Vormittags war das wohl eine vernünftige Entscheidung.
Auch die Kommunalpolitik ließ sich den Kuchen nicht entgehen

Unter den Besuchern waren auch Bürgermeisterin Claudia Felden und Mitglieder des Gemeinderats. Schließlich bietet ein solches Fest Gelegenheit, abseits von Sitzungsvorlagen, Tagesordnungspunkten und kommunalpolitischen Diskussionen miteinander ins Gespräch zu kommen. Und über die Qualität eines Apfelkuchens lässt sich bekanntlich wesentlich entspannter diskutieren als über einen städtischen Haushaltsplan.
Das Apfelkuchenfest verfolgt allerdings auch einen ganz praktischen Zweck. Mit den Spenden möchte die Initiative „Leimen legt los“ erneut eine Sitzbank finanzieren, die anschließend im Stadtgebiet aufgestellt werden soll. Möglicherweise findet sie sogar im Menzerpark ihren Platz. Darüber soll noch beraten werden. Eine Sitzbank dürfte jedenfalls zu den kommunalen Anschaffungen gehören, deren Nutzen sich ohne längere Erläuterung erschließt: Man setzt sich einfach darauf.
Am Ende hatte der Wetterbericht recht

So wurde aus einem zunächst ziemlich verregneten Sonntag doch noch ein Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und zahlreichen Begegnungen im Menzerpark. Die Pavillons boten Platz für die Kuchentheke, unter den Bäumen saßen die Besucher auf ihren Decken und Campingstühlen, und an den Tischen wurde geschnitten, verteilt und gegessen.
Dass ausgerechnet nach einem derart trockenen Sommer der Regen beinahe das Apfelkuchenfest verhindert hätte, gehört wohl zu den kleinen Bosheiten des Wetters. Immerhin hatte es rechtzeitig ein Einsehen. Der Menzerpark bekam ein wenig Wasser, die Besucher ihren Apfelkuchen und die Initiative hoffentlich genügend Spenden für die nächste Sitzbank. Nur der Rasen wird etwas mehr Regen brauchen, bis er wieder grün wird – möglichst nicht beim nächsten Apfelkuchenfest.





