Ausnahmezustand im Kraichgau: Wenn Gauangelloch Jubiläum feiert, bebt der Rathausplatz!

Die Angellocher Kerweborscht 2026

(ckr – 31. 8. 26) Ganz Gauangelloch befand sich an diesem Wochenende im kollektiven Feier-Fieber. Wer glaubt, in Angelloch geht es beschaulich zu, wird spätestens jedes Jahr beim Auftakt der Kerwe eines Besseren belehrt. Die diesjährige Jubiläums-Kerwe zog Besucher aus allen Himmelsrichtungen an und der Puls im Ortsteil schlug eindeutig im Takt der Festmusik.
Bereits am Freitagabend gab es unter der Leitung der Angellocher Kerweborscht kein Halten mehr: Beim Warm-up-Konzert heizte „Gonzo’s Jam“ der Menge ordentlich ein. Dank des wohlwollenden Entgegenkommens von Oberbürgermeister John Ehret, übrigens selbst Angellocher Kerweborscht, sogar mit gefeierter Überlänge!
 
Gelungener Fassanstich. Oberbürgermeister John Ehret feuert Kerwebürgermeister Dennis Arnold an

Beim offiziellen Startschuss am Samstag folgten dann große Emotionen mit kleinem Augenzwinkern: Der OB trat uneigennützig einen Schritt zurück und überließ den Holzhammer für den Fassanstich Kerwebürgermeister Dennis Arnold. Da dieser nach zehn treuen Dienstjahren seinen wohlverdienten Kerwe-Ruhestand antritt, durfte er das Fass in diesem Mal eigenhändig bezwingen. Mit vollem Körpereinsatz saß der Fassanstich direkt beim ersten Schlag – man hatte in einem Jahrzehnt wohl oft genug zugeschaut!
 
Ein herzliches Dankeschön an Dennis für zehn unvergessliche Jahre im Amt und alles Liebe für den weiteren Weg! Im Anschluss übernahm die Partyband „new2morrow“ das Ruder und verwandelte den Festplatz bis tief in die Nacht in eine ausgelassene Tanzarena. Unter den Gästen Mitglieder und Mitgliederinnen  des Gemeinderates, der Ortsvorsteher aus Schatthausen und andere bekannte Gesichter aus der näheren Umgebung.
 
Am Sonntagmittag erreichte der Wahnsinn dann seinen vorläufigen Höhepunkt: Der Jubiläumsumzug rollte an, und das Dorf platzte aus allen Nähten. Zum großen Festtag hatten sich nämlich auch die benachbarten Kerwedelegationen angekündigt – die Kerweborscht aus Gaiberg, Wiesenbach, Mauer und natürlich die Reilser aus Bammental sorgten für beste Feststimmung und reichlich Trubel im Zug.
 
Die scheidende Tremonia

Für die Angellocher bedeutete das ansonsten aber: Alarmstufe Rot. Denn wenn so viele schlitzohrige Nachbarborscht auf einem Haufen versammelt sind, hat der eigene Schlumpel ein extrem hohes Entführungsrisiko. Also wurde die Strohpuppe – in diesem Jahr passend getauft auf den Namen „die scheidende Tremonia“ – bewacht wie das Tafelsilber der Queen.
 
Als echtes Highlight zeigten sich die befreundeten Kerweborscht dann aber von ihrer charmanten Seite und spendierten nach dem Zug durch die Gemeinde dann gleich eine komplette Runde Karussell für alle Kinder!
 
Diese Jubiläumsausgabe der Kerwezeitung wog in diesem Jahr spürbar schwerer in den Händen als sonst – schließlich gab es ein extralanges, saftiges „Best of“ der peinlichsten Missgeschicke und Dorfpossen der vergangenen Jahre: Von „Welcome to the Jungle“ (2016) über den „Elektrischen Reiter“ (2017) bis hin zu unvergessenen Knallern wie „Acht Koffer und ein SEK“ (2018) oder „Shit happens“ aus dem Jahr 2023. Dennis Arnold brachte die Verbundenheit zu seinem Double in seiner Rede gewohnt treffsicher auf den Punkt: „Sie ähnelt mir was mir gefällt, wurd nicht mal mit KI erstellt!“ Das Publikum feierte jede einzelne Pointe ausgelassen.
 
Habib Modabber zeigt John Ehret den Ruheraum im Nachbarschaftszentrum

Dass dieses Fest so lebendig pulsiert, ist dem unermüdlichen Einsatz der Vereine zu verdanken, die kulinarisch ebenfalls nichts ausließen. Der TSV hielt mit Bratwurst, Feuerwurst, Steaks, erfrischendem Wurstsalat und Heringsbrötchen sowie dem beliebten Bierwagen die Feiergesellschaft bei Kräften. Beim TC Rot-Weiss ging es mit feurigem Chili con Carne, herzhaften Fleischkäsesemmeln und spritzigen Sekt und Cocktails zur Sache, während die GGG mit erlesenen Tropfen und weinbegleitenden Snacks für Genussmomente sorgte. Der Musikverein lieferte dazu die unverzichtbaren Klänge, und die Landfrauen verwöhten traditionell mit ihrer reich bestückten Kuchentheke. Für bunte Farbtupfer sorgte die Bahai-Gemeinde mit Mitmachspielen und individuellem T-Shirt-Druck, während die Schausteller mit Buden und Fahrgeschäften die klassische Kirmes-Atmosphäre abrundeten.
 
Der Nachbarschaftsraum fungierte in diesem Jahr erstmals als Ruheraum. Oberbürgermeister John Ehret schaute auf einen Sprung vorbei und begrüßte die Initiative: Gerade zum Wickeln, Stillen oder um einfach mal kurz durchzuatmen, ist dieser Ort im Trubels ideal.
 
Die Jubiläumsausgabe der Kerwe-Rede ist in diesem Jahr doppelt so dick

Wer meint, das war schon alles, unterschätzt das Angellocher Durchhaltevermögen: am heutigen Montag geht die Gaudi nahtlos in die Verlängerung.
Nach dem traditionellen Frühschoppen und einem deftigen Mittagessen gehört der Festplatz am Nachmittag ganz den Kleinsten, die mit Spielen und reichlich Trubel für beste Stimmung sorgen. Um 19 Uhr schlägt dann die schwerste Stunde des Festes: Beim großen Trauermarsch geht es zur feierlichen Beisetzung der scheidenden Tremonia auf den „Südfriedhof“ (allen Einheimischen bestens bekannt als ehemaliger Bolzplatz).
 
Trübsal blasen gilt danach allerdings nicht – die legendäre Bar der Kerweborscht lädt zum großen Endspurt ein. Um 21 Uhr folgt die feierliche Schlüsselrückgabe an das Stadtoberhaupt, ehe gegen 22 Uhr mit der feuchtfröhlichen „Einborschtung“ der neuen Nachwuchs-Rekruten der rituelle Schlusspunkt gesetzt wird – gefeiert wird natürlich trotzdem noch bis zum letzten Tropfen!

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