Erste Untersuchung beim Goldkatzen-Nachwuchs: Mei ist fit – und jetzt offiziell ein Weibchen

(zoo – 5.9.26) Wer Katzen kennt, weiß: Untersuchungen beim Arzt gehören gewöhnlich nicht zu den Dingen, für die sich die Tiere morgens freiwillig in den Terminkalender eintragen. Bei einer Asiatischen Goldkatze dürfte die Zustimmung noch etwas überschaubarer ausfallen. Entsprechend zügig ging es vergangene Woche im Zoo Heidelberg zu, als der jüngste Nachwuchs erstmals von Zoo-Tierärztin Dr. Barbara Bach untersucht wurde. Auf dem Foto sitzt das Jungtier zwischen kräftigen Schutzhandschuhen, die Augen groß, die Ohren aufmerksam zur Seite gestellt – ein Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Neugier und der durchaus berechtigten Frage, wer diese Veranstaltung eigentlich genehmigt hat.

Ein Weibchen namens Mei

Das Mitte Juni geborene Jungtier absolvierte bei dieser Gelegenheit gleich mehrere Punkte seines noch recht jungen Katzenlebens: Gesundheitskontrolle, Geschlechtsbestimmung, erste Impfung und Transponder-Chip. Das Ergebnis der Untersuchung fiel erfreulich aus. „Das Jungtier macht einen sehr guten Eindruck. Es ist fit, gut ernährt und erscheint sehr gesund“, berichtet Dr. Barbara Bach.

Auch eine bislang offene Frage ist nun geklärt: Die kleine Goldkatze ist ein Weibchen. Die Tierpfleger haben ihr den Namen „Mei“ gegeben, was auf Chinesisch „schön“ bedeutet. Angesichts des dunklen Fells, der hellen Zeichnung im Gesicht und jener großen Katzenaugen, mit denen Mei inzwischen ihre Umgebung betrachtet, haben sich die Pfleger damit sprachlich nicht allzu weit aus dem Fenster gelehnt.

Erziehung ohne menschliche Einmischung

Nach dem kurzen medizinischen Termin kehrte wieder jene Ruhe ein, die das Zoo-Team bei der Aufzucht bewusst beibehalten möchte. Die Mutter versorgt ihr Jungtier vollständig selbst, während die Tierpfleger über Kameras nach dem Rechten sehen. Das hat den Vorteil, dass niemand ständig an der Wurfkiste vorbeischleichen und dabei so tun muss, als sei er eigentlich nur zufällig dort.

„Wir freuen uns sehr über die Entwicklung des Jungtiers und darüber, wie gut die Mutter ihre neue Aufgabe meistert“, sagt Kuratorin und EEP-Koordinatorin Sandra Reichler. Auf den Aufnahmen aus der Anlage zeigt sich inzwischen auch, was damit gemeint ist: Das Jungtier liegt dicht an seiner Mutter, wird gesäugt und verschwindet mit seinem dunklen Fell zwischen Schatten, Baumstämmen und dem rotbraunen Körper der erwachsenen Katze beinahe vollständig.

Die Wurfkiste wird langsam zu klein für die Neugier

Mei bleibt inzwischen häufiger nicht mehr dort, wo man ein Katzenjunges aus menschlicher Sicht besonders praktisch untergebracht hätte. Gemeinsam mit ihrer Mutter verlässt sie zunehmend die Wurfkiste und erkundet die Anlage. Auf einem der Fotos steht die junge Goldkatze bereits auf einem schrägen Stamm, die Vorderpfoten breit aufgesetzt und den Blick geradeaus gerichtet. Noch ist alles ein wenig kompakt geraten – Beine, Ohren und Tatendrang müssen offenbar erst ihre endgültigen Proportionen miteinander aushandeln.

Damit steigen auch für Besucher die Chancen, das Jungtier zu sehen. Garantiert ist eine Begegnung freilich nicht. Eine Goldkatze führt schließlich keinen öffentlichen Dienstplan und Mei befindet sich gerade in jenem Alter, in dem hinter einem Stück Holz vermutlich mindestens ebenso viel zu entdecken ist wie vor einer Gruppe wartender Menschen.

Neun Tiere in europäischen Zoos

Hinter den niedlichen Bildern steht allerdings ein ernster Hintergrund. Die Asiatische Goldkatze ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet von Nepal bis Sumatra zunehmend bedroht und gehört auch in europäischen Zoos zu den seltensten Katzenarten. Gerade einmal neun Asiatische Goldkatzen leben nach Angaben des Zoos derzeit in europäischen Zoos – fünf davon in Heidelberg.

Der Zoo Heidelberg koordiniert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für diese Art und beschäftigt sich nicht erst seit gestern mit den eher zurückhaltenden Katzen. Seit 1976 werden Asiatische Goldkatzen hier gehalten und gezüchtet; 28 Jungtiere konnten seither erfolgreich aufgezogen werden. Fast ein halbes Jahrhundert Erfahrung also – wobei die eigentliche Arbeit bei Mei derzeit vor allem die Mutter erledigt, während die Menschen vernünftigerweise Abstand halten und auf ihre Kamerabilder schauen.

Und Mei? Hat zunächst anderes vor

Nach Untersuchung, Impfung und Chip darf die kleine Goldkatze nun wieder das tun, was auf den Bildern deutlich interessanter aussieht als jede tierärztliche Formalität: trinken, schlafen, der Mutter folgen und Stück für Stück die Anlage untersuchen. Wer sie im Zoo Heidelberg entdecken möchte, braucht deshalb vor allem etwas Geduld und einen aufmerksamen Blick zwischen Holz, Laub und Schatten. Mei selbst dürfte das vergleichsweise gleichgültig sein. Sie hat gerade erst begonnen, ihre Welt zu erkunden – und die ist fürs Erste schon groß genug.

Bildunterschrift Foto 1: Die erste Untersuchung musste zügig gehen: Zwischen den Schutzhandschuhen der Tierpfleger wurde Mei untersucht, geimpft und mit einem Transponder-Chip versehen. (Foto: Zoo Heidelberg)

Bildunterschrift Foto 2: Nah bei der Mutter: Die junge Goldkatze wird gesäugt und bekommt von den menschlichen Mitarbeitern ansonsten möglichst wenig Besuch. (Foto: Andreas Traxler / Zoo Heidelberg)

Bildunterschrift Foto 3: Raus aus der Wurfkiste: Mei erkundet inzwischen zunehmend ihre Umgebung – mit großen Augen und noch bemerkenswert großen Pfoten. (Foto: Andreas Traxler / Zoo Heidelberg)

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