(fwu – 30.9.26) Eine Kerze ist schnell angezündet. Bei ca. 1500 Stück sieht die Sache schon anders aus – zumal jede einzelne erst einmal an ihren Platz muss. Beim Lichterfest der Liedertafel am Samstag, 26. September, ließ sich im Leimener Menzerpark deshalb nicht nur ein stimmungsvoller Abend erleben, sondern auch beobachten, wie viel Handarbeit hinter den leuchtenden Bildern steckte.
Große Motive aus vielen kleinen Gläsern
Schon im letzten Sonnenlicht waren die Muster auf der Rasenfläche gut zu erkennen. Gelbe, rote, blaue und pinkfarbene Gläser bildeten große Ornamente: ein sternförmiges Motiv mit weit auslaufenden Strahlen, daneben eine runde, blütenartige Figur mit geschwungenem Rand und farbigem Mittelpunkt. Ein großes rotes Herz ergänzte die Bilder. Auch die Wege waren an beiden Seiten mit Kerzen gesäumt, sodass sich die Lichtgestaltung durch den Park zog.
Bei den großen Motiven dürften nach unserer Schätzung jeweils annähernd 300 Kerzen zusammengekommen sein. Die mussten so verteilt werden, dass aus einzelnen Gläsern ein erkennbares Gesamtbild entstand: Rundungen sollten stimmen, Strahlen gleichmäßig auslaufen und die Farben an der richtigen Stelle stehen. Wer den Blick über die Rasenfläche schweifen ließ, sah das fertige Muster. Wer genauer hinschaute, sah die Helferinnen und Helfer, die sich immer wieder bückten, Gläser ausrichteten und die Teelichter darin anzündeten.
Das Anzünden war eine Aufgabe für sich
Mit einem gewöhnlichen kurzen Feuerzeug war den Dochten tief in den Gläsern kaum beizukommen. Gefragt waren Stabfeuerzeuge mit langem Hals – und reichlich Geduld. Etliche Helfer arbeiteten sich durch die Reihen, Glas für Glas, Flamme für Flamme. Während an einer Stelle bereits ein ganzes Stück des Motivs brannte, warteten wenige Meter weiter noch zahlreiche Teelichter auf ihren Einsatz. Und selbst eine einmal brennende Kerze war noch keine dauerhaft erledigte Aufgabe. Einige Flammen gingen wieder aus und mussten später erneut angezündet werden. So gehörte zum Abend auch der wiederholte Kontrollgang durch die Muster. Das Licht ließ sich eben nicht mit einem einzigen Schalter einschalten; hier hatte jede Flamme ihren eigenen kleinen Betreuungsbedarf.
Akkordeonklänge zwischen den Lichtbildern
Während auf der Wiese noch an den Kerzen gearbeitet wurde, sorgte Rudi Sailer mit seinem Akkordeon für die musikalische Begleitung. Vor sich den Notenständer, das Instrument auf dem Schoß, spielte er bekannte Melodien wie „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“, „Griechischer Wein“ und das „Kufstein-Lied“. Dazu wurde gesungen, und zwischen den farbigen Gläsern entstand eine kleine, ganz bodenständige Musikszene.
Unter den Bäumen saßen Besucher an den aufgestellten Biertischgarnituren, andere machten es sich auf Decken auf der Wiese bequem. Am Stand der Liedertafel bildete sich eine Schlange für Getränke und kleine Stärkungen. Kinder waren auf der Rasenfläche und am Spielplatz unterwegs. Das milde Septemberwetter lud dazu ein, sitzen zu bleiben und abzuwarten, wie sich der Park mit dem schwindenden Tageslicht veränderte.
Wenn die Dunkelheit die Gestaltung übernimmt
Je dunkler es wurde, desto deutlicher traten die Kerzenbilder hervor. Aus den farbigen Gläsern wurden leuchtende Punkte, aus den Reihen zusammenhängende Konturen. Beim Spaziergang entlang der beleuchteten Wege zeigte sich, wofür das viele Bücken, Aufstellen und Nachzünden gut gewesen war: Der Menzerpark bekam für einen Abend ein anderes Gesicht. Der ruhige Blick auf die Flammen war dabei den Besuchern vorbehalten – die Helfer hielten weiterhin Ausschau nach den kleinen dunklen Lücken.
Seit 2013 in unserem Archiv
Ein Blick zurück zeigt, wie lange die Liedertafel den Menzerpark bereits zum Leuchten bringt: Schon am 1. Oktober 2013 berichteten wir über das erste Lichterfest. Damals wurden sogar mehr als 2.000 Kerzen aufgestellt, darunter Schmetterlinge, Sterne, Noten und ein Notenschlüssel. Gewitter und kräftiger Regen hatten den Aufbau zunächst verzögert; erst mittags fiel die Entscheidung, das Fest dennoch vorzubereiten. Dreizehn Jahre später gehören die bunten Lichtbilder weiterhin zum Menzerpark – und hinter jeder einzelnen Flamme steckt noch immer jemand, der sich bückt, das Glas zurechtrückt und den Docht anzündet.





