(fwu – 23.9.26) Eine Kerwe lebt bekanntlich nicht allein von Fahrgeschäften, Getränkeständen und der gelegentlich schwierigen Entscheidung, ob vor dem nächsten Programmpunkt noch Zeit für eine Kleinigkeit zu essen bleibt. In Leimen gehört inzwischen auch die Musikschule sichtbar zum Geschehen – und beim Kerwewochenende 2026 sogar ausgesprochen farbenfroh.
Schon zum Auftakt beim Kerweumzug durch die Leimener Straßen war die Musikschule nicht zu übersehen (Bericht mit großer Bilderstrecker hier). Ausgerüstet mit Fähnchen mit dem Musikschullogo und diversen Rhythmusinstrumenten zogen Musikschulleiterin Nicole Staber sowie die Lehrkräfte Johanna Haywood, Natalia Jakob-Apars, Monika Weese und Thomas Wagner mit durch die Stadt. Wo eine Kerwegesellschaft vorbeizieht, darf es schließlich ruhig ein wenig scheppern, rasseln und klingen – dezente Hintergrundmusik wäre bei einem Umzug ohnehin eine eher theoretische Angelegenheit.
Am Sonntag gehörte die Bühne dem Ballett
Am Kerwe-Sonntag verlagerte sich der Beitrag der Musikschule dann auf die Bühne vor dem Leimener Rathaus. Dort hatte sich bereits eine beachtliche Zuschauerschar versammelt: Erwachsene standen dicht beieinander, Kinder suchten sich möglichst freie Sicht nach vorne, und etliche Mobiltelefone wurden in jene Position gebracht, die heute bei öffentlichen Auftritten ungefähr das ist, was früher die gezückte Kleinbildkamera war. Auf der Bühne warteten derweil die jungen Tänzerinnen aus vier Ballettgruppen von Alona Ruf.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Musikschulleiterin Nicole Staber begann das Programm klassisch. In weißen Tutus und mit weißen Rosenbögen formierten sich die Tänzerinnen vor dem schwarzen Bühnenhintergrund. Die Bögen wurden über die Köpfe gehoben, paarweise gehalten und in die Choreografie eingebaut, während vorne einzelne Tänzerinnen ihre Positionen einnahmen. Das kräftige Sonnenlicht ließ die weißen Kostüme stellenweise regelrecht aufleuchten – Bühnenbeleuchtung von oben, gewissermaßen, und an diesem Sonntag kostenlos.
Schmetterlinge statt Schwanensee
Danach wurde es deutlich farbiger. Beim Schmetterlingstanz trugen die Mädchen große, bunt bedruckte Flügel in kräftigen Rosa-, Violett- und Orangetönen. Mit ausgestreckten Armen öffneten und schlossen sich die Stoffbahnen, während sich die Gruppe über die Bühne bewegte. Kleine schwarze Fühler auf den Köpfen vervollständigten das Bild. Aus dem klassischen Weiß war innerhalb weniger Minuten ein kleiner Schwarm geworden – eine Verwandlung, für die anderswo erheblich mehr biologischer Aufwand nötig ist.
Auch Rhythmus gehörte zum Programm: Bei einem weiteren Tanz kamen Schellentrommeln zum Einsatz. Damit verbanden die Schülerinnen Bewegung und Musik unmittelbar miteinander. Den Abschluss bildete schließlich ein moderner Regenschirmtanz. Schon beim Blick ins Publikum zeigte sich dabei, wie aufmerksam die Darbietungen verfolgt wurden: Vor der Bühne standen die Zuschauer in mehreren Reihen, Kinder ganz vorne, dahinter Eltern und Großeltern, und immer wieder gingen Handys für Fotos und Videos nach oben.
Viel Applaus vor dem Rathaus
Die vier Gruppen zeigten an diesem Kerwesonntag, wie unterschiedlich Ballettunterricht aussehen kann: einmal klassisch mit Tutu und Rosenbogen, dann verspielt mit Schmetterlingsflügeln, rhythmisch mit Instrumenten und schließlich modern mit Regenschirmen. Gerade dieser Wechsel machte den kurzen Auftritt vor dem Rathaus abwechslungsreich – und bewies nebenbei, dass ein Regenschirm auch bei Sonnenschein seine Berechtigung haben kann, sofern man ihn rechtzeitig auf eine Bühne stellt.
Am Ende gab es kräftigen Applaus aus dem dicht gefüllten Zuschauerbereich. Für die jungen Tänzerinnen und ihre Lehrerin Alona Ruf war es der hörbare Schlusspunkt eines Auftritts mitten im Kerwetrubel. Und für die Musikschule ein Wochenende, an dem sie erst durch Leimens Straßen zog und anschließend die Rathausbühne eroberte – mit Fähnchen, Rosen, Schellen, Schmetterlingen und Regenschirmen. Mehr Requisiten passen vermutlich nur noch in einen Kerweumzug.




