75 Jahre MSC Sandhausen –
Motorsport mit Rücksicht auf die Nachbarn

(fwu – 30.7.26) 75 Jahre Motorsportclub Sandhausen – das klingt zunächst nach einer Zahl. Wer am Wochenende jedoch das Vereinsgelände besuchte, merkte schnell, dass hinter diesem Jubiläum weit mehr steckt als ein runder Geburtstag. Es roch nach Zweitaktgemisch und trockenem Waldboden, über den Sprüngen hing feiner Staub in der Luft, und im Fahrerlager wurden Benzingespräche geführt, als hätte es Smartphones nie gegeben. Statt einer großen Festveranstaltung entschied sich der MSC bewusst für das, was ihn seit Jahrzehnten ausmacht: Motorräder, Strecke und Menschen.

Freies Training zum Jubiläum

Mit einem zweitägigen freien Training feierte der MSC Sandhausen sein 75-jähriges Bestehen. Rund 100 Fahrer allein am Samstag nutzten die Gelegenheit, auf der traditionsreichen Strecke ihre Runden zu drehen. Manche nahmen dafür Anfahrten von bis zu drei Stunden und Entfernungen von rund 300 Kilometern in Kauf. Zuschauer verfolgten die spektakulären Sprünge, enge Kurvenpassagen und anspruchsvollen Bodenwellen entlang der Strecke. 

Ursprünglich hatte der Verein überlegt, die Adolf-Ockert-Gedächtnisfahrt außerplanmäßig wieder auszurichten. Nach intensiven Beratungen entschied man sich jedoch dagegen und setzte stattdessen auf ein offenes Trainingswochenende, das Fahrer aus der Region ebenso anzog wie Gäste von weiter her.

Ein Jubiläum mit vielen Helfern

Dass eine Veranstaltung dieser Größe reibungslos funktionieren konnte, lag nicht nur an den zahlreichen Vereinsmitgliedern. Ein besonderer Dank galt den Landwirten aus Sandhausen und Umgebung, die abgeerntete Felder als Parkflächen, Zufahrten und Stellplätze für Wohnmobile und Zelte zur Verfügung stellten. Hinter dem eigentlichen Motocross-Gelände konnte zudem ein großes abgeerntetes Feld als zusätzliche Fahrstrecke genutzt werden. Diese enge Zusammenarbeit machte es überhaupt erst möglich, die große Zahl an Teilnehmern und Besuchern unterzubringen. 

Staub vermeiden statt Ärger verursachen

Bei Temperaturen, die den Boden schnell austrocknen ließen, legte der Verein besonderen Wert darauf, die Belastung für die Umgebung möglichst gering zu halten. Regelmäßig wurde die Strecke bewässert, damit sich der Staub nicht über das Gelände hinaus ausbreitete und Spaziergänger oder Anwohner beeinträchtigte.

Dafür sorgte unter anderem Landwirt Matthias Krienke, der mit Traktor und großem Wassertank immer wieder Wasser zur Strecke brachte. Ebenso wurde der Boden mehrfach mit landwirtschaftlichen Geräten aufgelockert und geharkt, damit er nicht zu stark verhärtete und sowohl für Fahrer als auch für die Maschinen in einem guten Zustand blieb. Dieser Aufwand war auf dem gesamten Gelände sichtbar – zwischen den Trainingsläufen waren ständig Helfer unterwegs, die an der Strecke arbeiteten.

Ein Geschenk für das älteste Mitglied

Ein besonders bewegender Moment spielte sich abseits der Rennstrecke ab. Vereinsvorsitzender Martin Werz überreichte Herbert Müller, dem ältesten noch lebenden Mitglied des MSC Sandhausen, ein gerahmtes Jubiläumsplakat als Dank und Anerkennung für seine jahrzehntelange Verbundenheit mit dem Verein. Gemeinsam stellten sich beide für ein Erinnerungsfoto auf – Vergangenheit und Gegenwart des Vereins nebeneinander.

Blick über Sandhausen hinaus

Der MSC Sandhausen beschränkt sein Engagement längst nicht nur auf das Vereinsgelände. Martin Werz organisiert darüber hinaus privat die Teilnahme der deutschen Mannschaft an der Enduro-Mannschaftsweltmeisterschaft in Portugal. Insgesamt neun Fahrer werden dort die deutschen Farben vertreten – ein organisatorischer Kraftakt, der weit über die eigentliche Vereinsarbeit hinausgeht.

Dass der MSC seit 1951 fester Bestandteil der regionalen Motorsportszene ist, zeigte sich an diesem Wochenende auf vielen Ebenen. Junge Fahrer sammelten ihre ersten Erfahrungen, Routiniers flogen scheinbar mühelos über die Sprungkanten, Zuschauer verfolgten das Geschehen im Schatten der Bäume und im Fahrerlager wurden Erinnerungen an frühere Rennen ausgetauscht. 75 Jahre Vereinsgeschichte – gefeiert nicht mit Festreden, sondern mit dem, was diesen Verein seit jeher ausmacht: Leidenschaft für den Motorsport, viel ehrenamtlicher Einsatz und eine bemerkenswerte Rücksicht auf Mensch und Umgebung.

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