60 Bilder: Leimens Kerweumzug zwischen neuer Strecke und alter Tradition

(fwu – 20.9.26) Traditionen erkennt man unter anderem daran, dass jeder weiß, wo er hinmuss. Und wenn sich daran etwas ändert, merkt man erst, wie fest solche Dinge über die Jahrzehnte im örtlichen Gedächtnis verankert sind. Am gestrigen Samstag, dem 19. September, begann die Leimener Weinkerwe – wie es sich gehört mit dem Kerweumzug, diesmal allerdings mit einer kleinen geografischen Neuordnung.

Denn wer wie in den vergangenen Jahrzehnten zum Schwimmbad-Parkplatz marschierte, um dort den Beginn des Zuges zu erleben, stand diesmal am falschen Ort. Der Treffpunkt war in den Innenhof der Stadtwerke verlegt worden. Dort sammelten sich die teilnehmenden Gruppen und Vereine, Trachten waren zu sehen, letzte Absprachen wurden getroffen und nach und nach formierte sich aus vielen einzelnen Grüppchen das, was wenige Minuten später als Kerwezug Richtung Innenstadt unterwegs war.

Vom Stadtwerke-Hof auf direktem Weg zum Rathaus

Nicht nur der Ausgangspunkt war neu, auch die Strecke hatte gegenüber den vergangenen Jahren deutlich abgespeckt. Vom Innenhof der Stadtwerke führte der Weg über den Falltorweg und die St. Ilgener Straße direkt in die Rathausstraße. Keine große Stadtrundfahrt also, sondern eine vergleichsweise geradlinige Angelegenheit – vom Start zum Rathaus, ohne dass zwischendurch jemand ernsthaft über die Mitnahme von Reiseproviant nachdenken musste. Die neue Route war damit wesentlich kürzer und direkter als die bisherige Strecke. Dafür gab es unterwegs durchaus einiges zu betrachten – und in einem Fall sogar etwas zu rätseln.

Ein Porsche-Diesel und die rätselhafte Botschaft „Kerweborscht 2027“

Ziehmlich am Ende des Kerwezuges rollte nämlich auch ein Gespann mit, das vermutlich nicht zufällig für einige neugierige Blicke sorgte. Vorne ein Porsche-Diesel-Trecker, dahinter ein Wagen beziehungsweise Container, darauf etliche stadtbekannte Gesichter in Warnwesten. Das allein wäre bei einem Kerweumzug noch kein Anlass für größere Spekulationen gewesen. Interessanter war die Beschriftung an der Seite: „Kerweborscht 2027“.

Mehr wurde zunächst nicht verraten. Und so zog mit dem Kerwezug gewissermaßen auch ein kleines Leimener Zukunftsrätsel durch die St. Ilgener Straße. Denn ganz aus der Luft gegriffen ist die Botschaft nicht: Schlossherr Wolfgang I. und seine beiden Schlossfräuleins werden ihre Ämter nach neun Jahren nicht weiterführen. Damit stellt sich ohnehin die Frage, wie es mit dieser Leimener Kerwetradition künftig weitergeht – eine Frage, über die man sich nicht nur im Rathaus Gedanken macht.

In Gauangelloch und St. Ilgen gehören Kerweborscht und Kerweschlacke traditionell längst zum Erscheinungsbild der jeweiligen Kerwe. In Leimen selbst gibt es eine solche Formation bislang nicht. Der Wagen mit der unübersehbaren Jahreszahl 2027 könnte also durchaus ein erster Hinweis darauf sein, dass sich daran etwas ändern soll.

Ob aus den warnwestentragenden Herren auf dem Anhänger tatsächlich die Leimener Kerweborscht des Jahres 2027 werden, blieb am Samstag allerdings noch offen. Man zeigte sich, ließ den Schriftzug für sich sprechen und fuhr weiter. Für eine ordentliche örtliche Gerüchteküche reicht so etwas bekanntlich vollkommen aus – zumal ein Porsche-Diesel als Überbringer geheimnisvoller Botschaften eine gewisse Autorität besitzt.

Eine Besonderheit war in diesem Jahr auch der Besuch aus Leimens ungarischer Partnerstadt Mány. Eine Abordnung der Partnerstadt war zur Weinkerwe angereist, einige Damen beteiligten sich in traditioneller Tracht am Umzug und sorgten damit zwischen Vereinsgruppen und Kerwepublikum für einen sichtbaren Hinweis darauf, dass die Leimener Städtepartnerschaft nicht nur auf Urkunden und offiziellen Schildern existiert.

Vor dem Rathaus lag schließlich das Ziel der neuen, kürzeren Strecke. Dort trafen die einzelnen Gruppen und Vereine nacheinander ein und wurden auf der Bühne vom Oberbürgermeister begrüßt und vorgestellt.

Schlossherr Wolfgang I. übernimmt das Wort

Nachdem der Kerwezug vollständig vor dem Rathaus eingezogen war und sich das Geschehen zunehmend auf die Bühne konzentrierte, kam der Moment des Schlossherrn: Wolfgang I. hielt seine Kerwerede und nahm dabei das örtliche Geschehen in bewährter Weise unter die Lupe. Die vollständige Kerwerede haben wir bereits in einem eigenen Artikel veröffentlicht. Hier geht es zur Kerwerede von Schlossherr Wolfgang I.

Eine Weinkerwe braucht Wein – selbstverständlich auch im Fass

Bierschwemme in Dilje …

Nach der Rede folgte jene Zeremonie, bei der kommunalpolitische Erfahrung nur begrenzt weiterhilft: der traditionelle Fassanstich. Eine Woche zuvor bei der St. Ilgener Kerwe war noch ein Bierfass das Objekt der amtlichen Hammerarbeit gewesen. In Leimen heißt die Veranstaltung nun einmal Weinkerwe, und deshalb wartete vor dem Rathaus folgerichtig ein Fass Wein. Aus Freibier wurde Freiwein – die deutsche Sprache ist erfreulich anpassungsfähig.

Wein im Glas in Leimen!

Auch diesmal nahm der Oberbürgermeister den Hammer selbst in die Hand. Dabei erinnerte er an seine etwas unglückliche Hand beim Fassanstich am Wochenende zuvor und äußerte die Hoffnung, der Wein möge sich zugänglicher zeigen als zuletzt das Bier.

Das tat er.

Zwei Schläge genügten, dann saß der Zapfhahn im Spund. Keine längeren technischen Verhandlungen zwischen Hammer, Hahn und Holz, kein Anlass für eine kommunale Untersuchungskommission. Kurz darauf wurde der Rotwein in kleinen Gläsern ausgeschenkt, und wer wollte, konnte auf den Beginn der Weinkerwe anstoßen.

Gemeinderat, Bundestag und Gäste aus Mány auf der Bühne

Beim offiziellen Auftakt war die Bühne vor dem Rathaus gut besetzt. Fast der gesamte Gemeinderat hatte sich dort versammelt, außerdem war der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Lars Castellucci zu Gast. Hinzu kam die Abordnung aus Mány, sodass sich beim Fassanstich lokale Politik, Bundespolitik und internationale Städtepartnerschaft auf wenigen Bühnenmetern zusammenfanden – vor ihnen das Weinfass, was die protokollarische Lage zumindest optisch erheblich auflockerte.

Mit dem erfolgreichen Fassanstich war der offizielle Auftakt schließlich vollzogen: Der Kerwezug hatte sein Ziel erreicht, Schlossherr Wolfgang I. seine Rede gehalten und der Wein floss. Mehr Voraussetzungen braucht eine Weinkerwe zunächst nicht.

60 Bilder vom Start bis zur Ankunft

Wie sich der Zug zuvor im Innenhof der Stadtwerke formierte, wer alles mitmarschierte, wie die neue Strecke aussah und wie die Gruppen schließlich vor dem Rathaus eintrafen, zeigt unsere große Bilderstrecke. Insgesamt 60 Fotos begleiten den Kerweumzug vom neuen Ausgangspunkt bis zum offiziellen Empfang vor dem Rathaus.

Natürlich ist darin auch jenes noch etwas geheimnisvolle Gespann zu sehen, das schon einen Blick auf das kommende Jahr wirft. Wer also wissen möchte, welche stadtbekannten Gesichter sich hinter „Kerweborscht Lome 2027“ versammelt haben, muss nicht bis 2027 warten – ein Blick in die Bilderstrecke genügt fürs Erste.

Darin finden sich die großen Momente ebenso wie die kleinen Szenen am Rand, die bei einem solchen Umzug mindestens genauso dazugehören: wartende Gruppen, Trachten, Gespräche vor dem Abmarsch, Menschen entlang der Strecke und schließlich das Gedränge vor der Bühne. Wer selbst dabei war, dürfte sich möglicherweise wiederfinden. Wer nicht dabei war, bekommt immerhin 52 Gelegenheiten nachzusehen, was er verpasst hat.

Und damit: viel Spaß beim Durchklicken durch den ersten Tag der Leimener Weinkerwe 2026. Der Weg zum Rathaus war diesmal zwar kürzer – für die Bilderstrecke gilt das ausdrücklich nicht. Und was es mit den „Kerweborscht 2027“ genau auf sich hat, dürfte sich ebenfalls noch zeigen. Bis dahin darf in Leimen gerätselt werden. Das gehört schließlich auch irgendwie zur Kerwe.

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