(fwu – 1.11.26) Hitze, Trockenheit und jetzt kräftige Herbststürme: Die Wälder im Rhein-Neckar-Kreis haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Das Kreisforstamt warnt vor abbrechenden Ästen und umstürzenden Bäumen – und das nicht nur während eines Sturms.
Ein Spaziergang durch den herbstlichen Wald gehört für viele Menschen zu den angenehmen Seiten dieser Jahreszeit. Bunte Blätter, frische Luft und das Rascheln unter den Schuhen – eigentlich eine recht friedliche Angelegenheit. Allerdings kann es derzeit auch von oben rascheln, und zwar mit deutlich unangenehmeren Folgen. Das Sturmtief „Luise“ hat auch im Rhein-Neckar-Kreis seine Spuren hinterlassen. Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste zeigen, welche Kräfte bei einem Herbststurm wirken können. Das Kreisforstamt mahnt deshalb zu besonderer Vorsicht.
Baumkronen wirken wie riesige Segel
Das Problem: Herbststürme kommen selten mit gleichmäßigem Wind daher. Vielmehr treffen einzelne kräftige Böen auf die Bäume und setzen deren Kronen erheblichen Belastungen aus. Solange Laubbäume noch einen Großteil ihrer Blätter tragen, bieten sie dem Wind eine besonders große Angriffsfläche. Die Baumkrone wirkt dann wie ein Segel, an dem kräftig gezogen wird. Äste geraten in Bewegung, können abbrechen und im schlimmsten Fall stürzt der gesamte Baum um. Erst mit fortschreitendem Laubfall verringert sich diese Angriffsfläche. Was für Spaziergänger nach einem hübschen Blätterregen aussieht, bedeutet für den Baum also durchaus eine Entlastung.
Der trockene Sommer hat die Bäume geschwächt
In diesem Jahr kommt allerdings ein weiteres Problem hinzu: Die vorausgegangene Hitze und Trockenheit haben vielen Bäumen erheblich zugesetzt. „In diesem Jahr kommt ein weiterer Faktor hinzu“, erklärt Forstamtsleiter Manfred Robens. „Die vorausgegangene Hitze und Trockenheit haben vielen Bäumen zugesetzt. Über längere Zeit stand ihnen nur wenig Wasser zur Verfügung.“ Sichtbar wurde dies vielerorts durch ungewöhnlich frühe Blattverfärbungen und vorzeitigen Blattfall. Doch die eigentlichen Schäden sind nicht immer von außen zu erkennen. Länger anhaltender Wassermangel schwächt die Bäume insgesamt und macht Äste anfälliger für Brüche. Das bedeutet: Auch ein Baum, der äußerlich noch völlig gesund aussieht, kann bei einer kräftigen Windböe zur Gefahr werden.
Auch nach dem Sturm ist Vorsicht geboten
Besonders tückisch sind Äste, die während eines Sturms abbrechen, aber zunächst in den Baumkronen hängen bleiben. Solche sogenannten Hänger können noch Stunden oder sogar Tage später herunterfallen – ganz ohne neuerlichen Sturm.
Das Kreisforstamt empfiehlt deshalb, bei starkem Wind, Sturm oder Starkregen grundsätzlich auf Waldbesuche zu verzichten. Auch nach dem Abflauen des Unwetters ist erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich.
Zu beschädigten, schiefstehenden oder bereits entwurzelten Bäumen sollte unbedingt ausreichend Abstand gehalten werden.
Der Wald bleibt schön – aber nicht ungefährlich
Grundsätzlich gilt: Wer den Wald betritt, tut dies auf eigene Gefahr. Das ist keine neue Regel, bekommt nach einem heißen, trockenen Sommer und den ersten kräftigen Herbststürmen allerdings besondere Bedeutung.
Wer derzeit durch die heimischen Wälder spaziert, sollte deshalb nicht nur auf die bunten Blätter am Boden achten, sondern gelegentlich auch einen prüfenden Blick nach oben werfen. Denn nicht alles, was im Herbst vom Baum fällt, lässt sich anschließend problemlos zusammenrechen.
Bild: Abgebrochene und umgeworfene Buchen nach einem Sturm. Archivfoto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis.





