Das WinterVarieté ist angerichtet: Neues Menü, neue Acts und große Pläne für die Festhalle

Der Umzug war schon bekannt, nun liegen die Karten auf dem Tisch – und zwar teilweise tatsächlich auf Tellern. Erst vor wenigen Tagen hatten wir berichtet, dass das WinterVarieté Heidelberg in seiner Saison 2026/27 erstmals nach Leimen zieht und ab dem 19. November die Festhalle zum Varieté-Theater macht. Bei der Saisonauftakt-Pressekonferenz im ATLANTIC Hotel Heidelberg wurde nun nachgelegt: Leimens Oberbürgermeister John Ehret war dabei, der neue kulinarische Verantwortliche wurde vorgestellt, das bislang noch geheime Drei-Gang-Menü serviert und weitere Einzelheiten des Bühnenprogramms bekanntgegeben.

Damit ist aus der Ankündigung inzwischen etwas geworden, das man sich deutlich konkreter vorstellen kann. Vor wenigen Tagen wussten wir: Monte-Carlo und Moulin Rouge kommen gewissermaßen nach Leimen. Jetzt wissen wir auch, was vorher gegessen wird.

OB Ehret: WinterVarieté soll auch der Festhalle neues Leben bringen

Auf der Bühne des Ballsaals standen Veranstalter Florian Keutel und Riadh Bourkhis diesmal gemeinsam mit Vertretern aus Leimen und Heidelberg vor den pink leuchtenden WinterVarieté-Tafeln. Links und rechts rahmten zwei Showgirls in rosa Federkleidern die Runde ein – womit ein kommunaler Pressetermin optisch schon einmal deutlich weiter von einer Gemeinderatssitzung entfernt war als gewöhnlich.

Oberbürgermeister John Ehret hatte sich nach Angaben der Veranstalter maßgeblich dafür eingesetzt, das WinterVarieté nach Leimen zu holen. Für ihn geht es dabei nicht nur um die Show selbst, sondern auch um die Festhalle: „Das WinterVarieté ist eine echte Bereicherung für unsere Stadt. Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit den Verantwortlichen von Heidelberg Materials den Weg dafür ebnen konnten und an diesem Leuchtturmprojekt und Kulturereignis für Leimen mitwirken dürfen.“

Das ist für Leimen durchaus von Bedeutung. Die Festhalle bekommt über mehrere Wochen hinweg eine regelmäßige Nutzung mit jeweils rund 350 Gästen, Bühne, Gastronomie und internationalem Programm. Wo sonst Veranstaltungen kommen und gehen, soll ab November Abend für Abend derselbe Vorhang aufgehen – allerdings für Menschen, die an Haaren durch die Luft schweben, durch Reifen springen oder Dinge verschwinden lassen. Letzteres kennt man aus kommunalen Haushaltsberatungen zwar grundsätzlich auch, dort heißt es nur anders.

Heidelberg bleibt im Namen – die Bühne steht in Leimen

Mit dabei war auch Mathias Schiemer, Geschäftsführer der Heidelberg Marketing GmbH und der Heidelberger Kultur- und Kongressgesellschaft. Er sieht den Standortwechsel als Beispiel für die Zusammenarbeit innerhalb der Region. Der Name „WinterVarieté Heidelberg“ bleibt bestehen, obwohl die Zuschauer künftig nach Leimen fahren müssen. Das ist weniger ungewöhnlich, als es zunächst klingt: Namen etablierter Veranstaltungen sind schließlich keine amtlichen Gemarkungsgrenzen.

Für Leimen ergibt sich daraus sogar eine bemerkenswerte Umkehr der gewohnten Richtung. Wie bereits in unserem ersten Bericht zum WinterVarieté in der Festhalle beschrieben, fährt das Publikum diesmal nicht aus Leimen zur großen Veranstaltung nach Heidelberg – Heidelberg kommt, zumindest dem Namen nach, nach Leimen. 

Das Küchengeheimnis ist gelüftet

Eine der Fragen, die beim ersten Bericht noch ausdrücklich offen geblieben war, ist nun beantwortet: Was kommt eigentlich auf den Teller? Damals war nur bekannt, dass ein Drei-Gang-Gourmetmenü zur Show gehört. Bei der Pressekonferenz standen die weißen Teller nun in mehreren Reihen auf dem Tisch, und Christian Adam arbeitete mit Pinzette und bemerkenswerter Ruhe an den letzten Details. Rundherum schauten mehrere Herren im Sakko zu. Ein Koch, drei Beobachter – ein Verhältnis, das man aus dem heimischen Küchenbetrieb durchaus kennt.

Neu ist zugleich ein Wechsel an der kulinarischen Spitze. Nach drei Jahren ist die Zusammenarbeit mit Tristan Brandt beendet; der Vertrag lief aus und wurde nicht verlängert. Die Veranstalter betonten, dass man freundschaftlich verbunden bleibe. Die Verantwortung übernimmt nun Christian Adam, der beim WinterVarieté allerdings keineswegs ein Neuer ist. Er begleitet das Format bereits seit seinen Anfängen als kulinarischer Berater und war hinter den Kulissen für die Abläufe mitverantwortlich.

Adam bringt Erfahrungen aus der Spitzengastronomie mit, darunter Stationen in der Schwarzwaldstube in Baiersbronn und im Tantris in München. Beim Pressetermin wirkte das weniger nach großem Personalwechsel als nach einem Mann, der ohnehin schon wusste, wo die Töpfe stehen und nun offiziell den Schlüssel zur Küche bekommt.

Marone und Kürbis machen den Anfang

Und das ist nun das Menü: Zum Auftakt gibt es „Zweierlei von Marone & Kürbis“. Dazu gehören ein Maronensüppchen mit Pastinaken-Espuma und Schnittlauchöl sowie Kürbisravioli in Salbei-Zitronenbutter mit gerösteten Haselnüssen. Herbst und Winter werden damit kulinarisch recht eindeutig abgeholt – nur der Glühwein fehlt, aber dafür ist schließlich der Weihnachtsmarkt zuständig.

Als Hauptgang folgt gebratene Maispoulardenbrust mit Ingwer-Limonen-Jus, Pak Choi, Sellerie-Miso-Crème, Shiitake, Radieschen und Yuzu-Gel. Vegetarisch wird Sellerie in der Salzkruste gegart und mit Pilz-Dashi, Pak Choi, Sellerie-Miso-Crème, Shiitake und Yuzu-Gel serviert.

Beim Dessert wird es schließlich schokoladig: Original-Beans-Schokoladen-Ganache mit Tonkabohnen-Eismurmel, Waldbeerensüppchen, Kirschgel, Joghurt-Hafer-Crumble und Honigkresse. Auf den Tellern bei der Pressekonferenz waren die einzelnen Komponenten mit jener Genauigkeit verteilt, bei der man kurz darüber nachdenkt, ob man das Kunstwerk überhaupt mit einem Löffel beschädigen darf. Man darf. Das ist sogar vorgesehen.

Auch das Bühnenprogramm ist inzwischen vollständiger

Einige Namen hatten wir bereits vorgestellt: Shcherbak & Popov, ausgezeichnet mit dem Goldenen Clown von Monte-Carlo und bekannt aus dem Pariser Moulin Rouge, kommen mit Partnerakrobatik nach Leimen. Yanet Correa und Abel Domínguez zeigen ihre außergewöhnliche Luftakrobatik, bei der Haare und Zähne eine tragende Rolle spielen – und zwar „tragend“ diesmal nicht metaphorisch. Auch Magier Sebastian Rosenbaum kehrt zurück. 

Bei der Pressekonferenz wurde das Programm nun weiter konkretisiert. Kai Hou soll mit Reifenspringen und Akrobatik am Chinesischen Doppelmast für Tempo sorgen, hinzu kommen Adagio-Akrobatik und Pole-Artistik. Mit Tumar KR ist außerdem eine international bekannte Robotertanz-Formation angekündigt, die bereits bei „Das Supertalent“ und „Britain’s Got Talent“ auftrat.

Die Vegas Showgirls sind ebenfalls wieder dabei, künstlerisch geleitet von Camilla Keutel. Einen kleinen Eindruck davon gab es schon beim Pressetermin: Neben den rosa Federkleidern war auch ein goldenes Kostüm samt ausladender Flügel zu sehen. Wer bei „Winter“ bislang vor allem an Wollmütze, Streusalz und beschlagene Autoscheiben dachte, muss sein Bild für die Festhalle möglicherweise geringfügig korrigieren.

350 Plätze – und Zweiertische auf der Galerie

Auch zum neuen Spielort wurden weitere Details genannt. Die Festhalle soll weiterhin für etwa 350 Gäste pro Vorstellung eingerichtet werden. Die vorhandene Galerie wird in das Konzept einbezogen und ermöglicht neue Blickwinkel auf die Bühne. Dort entstehen unter anderem Zweiertische in einer VIP-Kategorie. Das ist im Varieté durchaus ungewöhnlich und dürfte besonders jene freuen, die einen Abend zu zweit gebucht haben und ihn anschließend tatsächlich auch zu zweit verbringen möchten.

Die Veranstalter wollen die besondere Architektur der Festhalle bewusst mit der modernen Bühneninszenierung verbinden. Wie diese Verwandlung am Ende aussieht, lässt sich bei einer Pressekonferenz im Heidelberger Hotel naturgemäß noch nicht besichtigen. Im November wird man sehen, was aus dem von Bourkhis und Keutel bereits als „Rohdiamanten“ bezeichneten Gebäude geworden ist. 

Jetzt weiß man also auch, was zwischen den Kunststücken gegessen wird

Seit unserem ersten Bericht ist das Bild damit erheblich schärfer geworden. Der Spielort und einige Künstler standen bereits fest; nun kennen wir das Menü, den neuen kulinarischen Verantwortlichen, weitere Acts und vor allem die Rolle, die Leimen selbst bei dem Projekt spielen will. OB John Ehret machte bei der Pressekonferenz deutlich, dass die Stadt das WinterVarieté nicht lediglich als Gast in einer angemieteten Halle betrachtet, sondern als Kulturprojekt, das der Festhalle dauerhaft neue Aufmerksamkeit verschaffen soll.

Am 19. November geht es los. Dann wird sich zeigen, wie sich rosa Federn, Goldflügel, Maronensuppe, Robotertanz, chinesischer Doppelmast und eine alte Leimener Festhalle miteinander vertragen. Auf dem Papier ist das eine Kombination, auf die vermutlich noch kein Stadtentwicklungsplan gekommen ist. Gerade deshalb könnte es interessant werden.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Informationen...

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen