(fwu – 24.8.26) Manche Dinge kommen zuverlässig wieder. Weihnachten zum Beispiel, die Steuererklärung und – offenbar – der Riesenbärenklau bei Lingental. An der bereits aus früheren Jahren bekannten Stelle westlich des Ortes stehen derzeit wieder mehrere auffällig große Pflanzen, deren mächtige, tief eingeschnittene Blätter zwischen Farn und Unterholz kaum zu übersehen sind.
Die aktuellen Fotos zeigen die Pflanzen unmittelbar am beziehungsweise neben einem schmalen Waldweg. Wer dort zu Fuß unterwegs ist, kommt also durchaus in ihre Nähe. Und genau deshalb gilt zunächst die wichtigste Regel: Nicht anfassen und insbesondere Kinder und Hunde fernhalten.
Ein alter Bekannter an bekannter Stelle
Ganz neu ist das Problem in Lingental leider nicht. Bereits vor rund zehn Jahren hatten wir über Riesenbärenklau westlich des Ortes berichtet. Damals standen mehrere stattliche Exemplare in diesem Bereich; Mitarbeiter des Forstamtes rückten schließlich mit entsprechender Schutzkleidung an und beseitigten die Pflanzen. Dabei wurden nicht nur oberirdische Pflanzenteile entfernt, sondern auch die Vegetationskegel der Wurzeln abgestochen.

Das klang seinerzeit recht endgültig. Die Natur hatte dazu allerdings eine etwas andere Auffassung.
Schon in den folgenden Jahren tauchten wieder Pflanzen auf, und auch 2021 berichteten wir über eine neue Generation der Herkulesstaude in Lingental. Dass nun erneut verdächtige Exemplare praktisch im selben Gebiet stehen, zeigt vor allem eines: Wer sich mit dem Riesenbärenklau anlegt, braucht einen längeren Atem. Die Pflanze produziert sehr viele Samen, die über Jahre für Nachwuchs sorgen können.
Zwischen Farnen fallen die Riesenblätter sofort auf
Auf den aktuellen Bildern sieht man den schmalen Weg am Waldrand, links davon dichtes Farnkraut und dazwischen Pflanzen mit ungewöhnlich großen, kräftig gelappten Blättern. Einige Exemplare sind noch vergleichsweise niedrig, andere breiten ihre Blätter bereits weit über die umgebende Vegetation aus. An einzelnen älteren Blättern sind braune und abgestorbene Stellen zu erkennen, während weiter oben frisches Grün nachwächst.
Der Standort liegt westlich von Lingental am Übergang zwischen Wald und den offenen Wiesen und Feldern; die genaue Stelle ist auf dem beigefügten Luftbild markiert. Wer dort regelmäßig spazieren geht, dürfte den Weg kennen – und sollte derzeit etwas genauer hinschauen, wohin Hände, Kinderbeine oder Hundeschnauzen geraten.
Nach Erscheinungsbild, Standort und der Vorgeschichte besteht der deutliche Verdacht, dass es sich erneut um Riesenbärenklau (Herkulesstaude) handelt. Eine abschließende Bestimmung und gegebenenfalls Beseitigung sollte allerdings durch die zuständigen Fachleute erfolgen und nicht durch Spaziergänger mit Gartenschere und Tatendrang.
Warum die Pflanze gefährlich werden kann
Der Riesenbärenklau ist nicht deshalb problematisch, weil er groß aussieht – Größe allein wäre im Wald schließlich noch kein Ordnungswidrigkeitstatbestand. Gefährlich ist sein Pflanzensaft. Er enthält sogenannte Furocumarine. Gelangen diese Stoffe auf die Haut und wird die betreffende Stelle anschließend Sonnenlicht ausgesetzt, können schwere Hautreaktionen mit Rötungen und Blasen entstehen, die Verbrennungen ähneln.
Besonders unangenehm ist dabei die Kombination aus Pflanzensaft und Sonnenlicht. Deshalb sollte man die Pflanzen weder abbrechen noch abschneiden und schon gar nicht mit bloßen Händen untersuchen. Auch ein vermeintlich hilfreiches „Ich mach das schnell weg“ ist hier keine gute Idee.
Spaziergänger: Abstand halten – Kinder und Hunde fernhalten
Bis geklärt ist, ob und wann die Pflanzen fachgerecht beseitigt werden, sollten Spaziergänger an dieser Stelle vorsichtig sein. Die Pflanzen nicht berühren, keine Blätter oder Stängel abbrechen und Kinder nicht daran spielen lassen. Auch Hunde sollte man möglichst nicht durch den Bestand laufen lassen, schon weil Pflanzensaft über das Fell später auf die menschliche Haut gelangen könnte.
Wer versehentlich mit Pflanzensaft in Berührung gekommen ist, sollte die betroffene Haut möglichst rasch gründlich mit Wasser und Seife reinigen und vor Sonnenlicht schützen. Bei deutlichen Hautreaktionen oder Blasenbildung ist ärztlicher Rat angezeigt.
Herkules gibt sich weiterhin hartnäckig
Schon bei der ersten Bekämpfungsaktion war klar, dass der Standort über längere Zeit kontrolliert werden muss. Nun stehen zwischen Farn, Brennnesseln und Wegbewuchs wieder jene großen Blätter, die dort eigentlich niemand vermisst hatte.
Die zuständigen Stellen sollten sich den Fund deshalb möglichst zeitnah ansehen und bei bestätigtem Riesenbärenklau die Pflanzen fachgerecht beseitigen, bevor sie sich weiter entwickeln und vermehren können.
Bis dahin gilt für den Waldspaziergang westlich von Lingental eine ausgesprochen einfache Verhaltensregel: anschauen darf man – anfassen besser nicht. Herkules ist schließlich nicht dafür bekannt, besonders zimperlich zu sein.
Fotos: Aktueller Fund westlich von Lingental. Das Luftbild zeigt die Lage der Fundstelle. Vielen Dank an Stefan Strohmeier für die Meldung und Fotos




