(fwu – 26.10.26) Wer am Samstagnachmittag gegen 15 Uhr in St. Ilgen unterwegs war, dürfte seinen Ohren kaum getraut haben. Martinshorn, Blaulicht, noch mehr Martinshorn und noch mehr Blaulicht. Nicht ein oder zwei Feuerwehrfahrzeuge, sondern gleich zehn Einsatzfahrzeuge näherten sich mit lautstarkem Tatütata, fuhren im Verband durch den Ort und bogen schließlich zum Firmengelände von Dehoust ab. Ein beeindruckender Aufmarsch, wie man ihn selbst bei größeren Feuerwehreinsätzen nicht alle Tage erlebt.
Glücklicherweise brannte es nirgendwo. Jedenfalls nicht wirklich. Was sich am Samstag, dem 24. Oktober, auf dem Betriebsgelände des Unternehmens Dehoust abspielte, war eine groß angelegte Gemeinschaftsübung der Jugendfeuerwehren aus St. Ilgen, Sandhausen, Gaiberg und Gauangelloch. Und was die insgesamt 96 Kinder und Jugendlichen dort zeigten, war schlicht beeindruckend.
Zehn Feuerwehrfahrzeuge – und alle mit Blaulicht
Schon die Anfahrt hatte es in sich. Die zehn Einsatzfahrzeuge kamen aus Richtung St. Ilgen, fuhren über die Hauptstraße zum Kreisel und weiter zum Übungsgelände. Blaulicht und Martinshörner sorgten dabei für eine Geräuschkulisse, die unmissverständlich klarmachte: Hier ist die Feuerwehr unterwegs! Für die jungen Feuerwehrleute dürfte bereits diese gemeinsame Anfahrt ein Erlebnis gewesen sein. Schließlich sitzt man nicht jeden Tag in einem Feuerwehrfahrzeug, während sich gleich neun weitere Fahrzeuge mit Blaulicht und Einsatzhorn durch den Straßenverkehr bewegen. Auf dem Firmengelände angekommen, war allerdings Schluss mit dem bloßen Genießen. Jetzt wurde gearbeitet.
Zwei Brandherde, jede Menge Schläuche und klare Befehle
Die Übungsleitung hatte sich zwei große Einsatzabschnitte ausgedacht. Auf dem Parkplatz vor dem Hauptgebäude galt es, einen simulierten Gebäudebrand zu bekämpfen. Im hinteren Betriebshof wurde ein weiterer Brand angenommen, bei dem ein Lagergebäude und dort gelagerte Materialien betroffen waren.
Die Jugendlichen schwärmten aus, Schläuche wurden ausgerollt, Verteiler gesetzt, Strahlrohre angeschlossen und Wasserversorgungen aufgebaut. Wenig später schossen kräftige Wasserstrahlen über das Betriebsgelände, gegen Gebäudefassaden und in Richtung der angenommenen Brandherde.
Dabei zeigte sich sehr schnell, dass die jungen Feuerwehrleute nicht einfach nur mit Wasser spritzen wollten. Hier wurde nach den Regeln der Feuerwehr gearbeitet. Das begann bereits vor dem eigentlichen Einsatz: persönliche Schutzausrüstung anlegen, Fahrzeuge besetzen, am Einsatzort antreten, Befehle entgegennehmen, wiederholen und anschließend ausführen. Alles hatte seine Reihenfolge, alles seinen Sinn.
Und das funktionierte erstaunlich gut.
Wo man bei einer größeren Gruppe Kinder und Jugendlicher vielleicht ein gewisses Durcheinander erwarten würde, herrschten Konzentration, Disziplin und bemerkenswerter Eifer. Natürlich mit der Aufregung, die zu einem solchen Ereignis dazugehört. Aber sobald die Anweisungen kamen, wussten die jungen Einsatzkräfte, was zu tun war.
Wenn der Feuerwehrschlauch plötzlich ein Eigenleben entwickelt
Besonders eindrucksvoll war für die Zuschauer der Umgang mit den wasserführenden Schläuchen. Wer schon einmal einen Gartenschlauch in der Hand hatte, könnte auf die Idee kommen, dass ein Feuerwehrstrahlrohr im Grunde dasselbe sei – nur eben etwas größer. Ein Irrtum, der sich beim Zuschauen schnell erledigte.
Wenn zwei eher schmächtige Nachwuchsfeuerwehrleute gemeinsam ein C-Strahlrohr halten und der volle Wasserdruck anliegt, wird deutlich, welche Kräfte hier wirken. Da muss man die Füße fest auf den Boden stellen, ordentlich zupacken und vor allem wissen, was man tut. Denn ein unkontrolliertes Strahlrohr kann durchaus gefährlich werden. Entsprechend standen die erwachsenen Ausbilder stets in unmittelbarer Nähe, beobachteten die Handgriffe und konnten jederzeit eingreifen. Dass die Kinder und Jugendlichen ihre Aufgabe trotzdem so sicher und konzentriert meisterten, war einer der beeindruckendsten Aspekte dieser Übung.
Feuerwehrkommandant Markus Zielbauer: Die können das!
Auch Sandhausens Feuerwehrkommandant Markus Zielbauer zeigte sich gegenüber der Presse begeistert von den Leistungen des Nachwuchses. Er machte deutlich, dass die Jugendlichen bereits eine umfassende feuerwehrtechnische Ausbildung durchlaufen haben. Sie kennen ihre persönliche Schutzausrüstung, die Gerätschaften und die Fahrzeuge. Sie haben theoretische Grundlagen gelernt und praktische Fertigkeiten erworben. Vor allem aber wissen sie, dass bei der Feuerwehr jeder Handgriff sitzen muss und Anweisungen nicht als unverbindliche Diskussionsgrundlage gedacht sind.
Die Abläufe orientieren sich dabei an denen der erwachsenen Einsatzkräfte. Natürlich unter altersgerechten Bedingungen und mit entsprechender Aufsicht, aber mit denselben Grundprinzipien: Disziplin, Zusammenarbeit, Verantwortungsbewusstsein und gegenseitige Verlässlichkeit. Zielbauer war jedenfalls sichtlich stolz auf seine jungen Feuerwehrleute. Und nach dem, was auf dem Dehoust-Gelände zu sehen war, hatte er dafür allen Grund.
Auch Oberbürgermeister John Ehret war begeistert
Unter den Zuschauern befand sich auch Leimens Oberbürgermeister John Ehret, der als Stadtoberhaupt zugleich oberster Dienstherr der Freiwilligen Feuerwehr Leimen ist. Ehret war in Zivil gekommen und verfolgte das Geschehen mit großem Interesse. Immer wieder griff er selbst zum Smartphone, um Fotos von den jungen Einsatzkräften und ihren Aktionen zu machen. Seine Begeisterung war ihm deutlich anzumerken. Der Oberbürgermeister zeigte sich außerordentlich angetan davon, was die Jugendlichen leisteten und welchen organisatorischen Aufwand die Verantwortlichen für diese Gemeinschaftsübung betrieben hatten.
Denn eine solche Veranstaltung mit zehn Einsatzfahrzeugen, zahlreichen Betreuern, zwei Übungsschauplätzen und fast hundert jungen Teilnehmern organisiert sich schließlich nicht von selbst.
Aus einer 24-Stunden-Übung wurde ein Großeinsatz
Ausgangspunkt der ganzen Aktion war die Jugendfeuerwehr St. Ilgen. Sie hatte für das Wochenende von Samstag auf Sonntag eine 24-Stunden-Übung geplant, bei der die Jugendlichen einen längeren Feuerwehrdienst mit unterschiedlichen Aufgaben und Einsatzszenarien erleben sollten. Dazu gehörte auch die große Einsatzübung bei Dehoust.
Die Verantwortlichen kamen auf die Idee, ihre befreundeten Jugendfeuerwehren aus den Nachbargemeinden und Ortsteilen einzuladen. Sandhausen, Gaiberg und Gauangelloch waren mit dabei. Und so wurde aus einer Übung der St. Ilgener Jugendfeuerwehr ein gemeinschaftlicher Großeinsatz, bei dem nicht nur die Feuerwehrtechnik, sondern auch das Zusammenwirken unterschiedlicher Einheiten geübt werden konnte.
Das ist durchaus sinnvoll. Schließlich macht die Feuerwehr auch im Ernstfall nicht an Gemeindegrenzen halt. Wenn größere Einsätze anstehen, arbeiten die Wehren zusammen. Warum sollte man also nicht schon beim Nachwuchs damit anfangen? Dass eine solche Übung mit vier Jugendfeuerwehren außerdem deutlich mehr Spaß macht als allein, dürfte ebenfalls niemand ernsthaft bestreiten.
Auch das Deutsche Rote Kreuz rückte mit an
Zu einem möglichst realistischen Einsatzgeschehen gehört selbstverständlich auch die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen. Deshalb war auch das Deutsche Rote Kreuz mit einem Rettungsfahrzeug und drei Einsatzkräften vor Ort. Die jungen Feuerwehrleute konnten so erleben, dass bei größeren Einsätzen nicht nur Feuerwehrfahrzeuge und Löschschläuche eine Rolle spielen, sondern auch die medizinische Versorgung und die Abstimmung mit dem Rettungsdienst.
Das DRK war damit ein weiterer Baustein des Übungskonzepts, das den Jugendlichen einen möglichst umfassenden Eindruck vom Ablauf eines größeren Einsatzes vermitteln sollte.
100 Personen auf einem Bild – und jede Menge Nachwuchs für die Feuerwehr
Zum Abschluss gab es noch ein großes gemeinsames Gruppenfoto vor dem Dehoust-Firmengebäude. 96 Kinder und Jugendliche, drei Angehörige des Deutschen Roten Kreuzes und Oberbürgermeister John Ehret – zusammen genau 100 Personen. Eine stattliche Zahl, die vor allem eines zeigt: Um den Feuerwehrnachwuchs in der Region muss einem angesichts dieser Beteiligung nicht bange sein.
Das Gruppenbild mit den zahlreichen orange-blauen Uniformen und roten Helmen vor dem Firmengebäude dürfte jedenfalls zu den eindrucksvollsten Erinnerungen dieses Tages gehören.
Ein großes Lob an die Jugendlichen – und an ihre Ausbilder
Was am Samstag bei Dehoust zu sehen war, verdient uneingeschränkte Anerkennung. Nicht nur wegen der zehn Feuerwehrfahrzeuge, der imposanten Wasserfontänen und des organisatorischen Aufwands. Sondern vor allem wegen der Kinder und Jugendlichen, die hier mit sichtbarer Begeisterung und bemerkenswerter Ernsthaftigkeit bei der Sache waren. Wer in diesem Alter lernt, Verantwortung zu übernehmen, sich auf andere zu verlassen, Anweisungen zu verstehen und gemeinsam schwierige Aufgaben zu bewältigen, nimmt weit mehr mit nach Hause als die Erinnerung an einen Nachmittag mit Blaulicht und Martinshorn.
Ein großes Lob gebührt deshalb auch den zahlreichen ehrenamtlichen Ausbilderinnen und Ausbildern, die ihre Freizeit investieren, um diesen Nachwuchs auszubilden, zu betreuen und für den Feuerwehrdienst zu begeistern. Und natürlich der Firma Dehoust, deren Betriebsgelände die Kulisse für diese außergewöhnliche Übung bot.
Zehnmal Tatütata, jede Menge Wasser, 96 hochmotivierte Nachwuchskräfte und reichlich begeisterte Zuschauer. Ein Samstagnachmittag, der eindrucksvoll zeigte, wie gut es um den Feuerwehrnachwuchs in unserer Region bestellt ist. Wenn das die Feuerwehrleute von morgen sind, dann sind unsere Feuerwehren auch in Zukunft in guten Händen. Und dass die Jugendlichen nach diesem Nachmittag wahrscheinlich noch etwas mehr Lust auf Feuerwehr haben als vorher, dürfte als ziemlich sicher gelten.





