(fwu – 4.9.26) Im Spätsommer gibt es diese Tage, an denen der Wald plötzlich wieder nach Wald riecht: feuchte Erde, nasses Laub, ein wenig Moder – und irgendwo dazwischen steht etwas Braunes mit Hut, das für Kundige ein Steinpilz und für weniger Kundige zunächst einmal „ein Pilz“ ist. Nach längerer Trockenheit haben die jüngsten Regenfälle im Rhein-Neckar-Kreis die Bedingungen für Pilze jedenfalls verbessert. Boden und Luft bringen wieder mehr von dem mit, was Pilze zum Wachsen brauchen: Feuchtigkeit.
Steinpilz, Marone und eine ziemlich krause Glucke
Damit beginnt für viele Pilzsammlerinnen und Pilzsammler die interessanteste Zeit des Jahres. In den Wäldern der Region können verschiedene Steinpilzarten, Maronen-Röhrlinge, Krause Glucken, Birkenpilze, Rotkappen und Austernseitlinge gefunden werden. Auch der Parasol aus der Familie der Riesen-Schirmlinge ist ein begehrter Fund. Pfifferlinge machen es den Suchenden im Rhein-Neckar-Kreis etwas schwerer: Sie kommen nur stellenweise vor – was vermutlich mit dazu beiträgt, dass gute Fundorte ungefähr so bereitwillig verraten werden wie früher das Familienrezept für den Sonntagsbraten.
Wer sich bei der Suche nicht allein auf Glück und einen Korb am Arm verlassen möchte, ist mit Kenntnissen über Baumarten im Vorteil. Viele Pilze leben mit bestimmten Bäumen in Symbiose. Das eigentliche Geschäft läuft dabei unsichtbar an den Feinwurzeln ab: Der Pilz verbessert die Wasseraufnahme des Baumes und erhält dafür Nährstoffe aus dessen Photosynthese. Eine erstaunlich gut funktionierende Arbeitsteilung, und das ganz ohne Sitzungsprotokoll.
Nicht alles mit Hut gehört in die Pfanne
So verlockend ein stattlicher Pilz zwischen Moos und Laub aussehen kann: Längst nicht jede Art ist essbar. Verwechslungen können schwere, im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben. Deshalb gilt beim Sammeln eine erfreulich einfache Regel: In den Korb kommen nur Pilze, die zweifelsfrei bestimmt werden können.
Wer einen bislang unbekannten Speisepilz ausprobieren möchte, sollte ihn vorher von Fachleuten bestimmen lassen. Kontakte zu Pilzsachverständigen vermittelt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie. Das ist im Zweifelsfall die deutlich bessere Methode als Bestimmungsversuche nach dem Prinzip „Der sah im Internet eigentlich genauso aus“.
Der Wald ist keine Gemüseabteilung
Auch bei sicher bestimmten Speisepilzen darf nicht wahllos eingesammelt werden. Einige Pilzarten stehen unter besonderem Schutz. Für bestimmte Arten, darunter Steinpilze, Pfifferlinge, Birkenpilze und Rotkappen, besteht eine Ausnahme: Sie dürfen in geringen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden.
Dabei sollte der Blick nicht nur auf den nächsten Fund gerichtet sein. Tiere, Pflanzen und andere Pilze sollen möglichst ungestört bleiben. Besonders junge Pilze, die gerade erst aus dem Waldboden hervorkommen, sollten stehen bleiben. Sie benötigen Zeit, um ihre Sporen zu verbreiten und damit für Nachwuchs zu sorgen. Wer heute alles einsammelt, verbessert schließlich nicht unbedingt die Aussichten für den Korb von morgen.
Schweinepest macht auch vor der Pilzsuche nicht halt
Im Rhein-Neckar-Kreis kommt in diesem Jahr noch eine Besonderheit hinzu: Wer mit Korb und Messer in den Wald zieht, muss weiterhin die Regelungen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) beachten. Je nach Gebiet gelten unterschiedliche Vorgaben und ausgewiesene Zonen. Vor dem Ausflug lohnt sich deshalb ein Blick auf die ASP-Sonderseite des Rhein-Neckar-Kreises.
Eine weitere Regel ist weniger kompliziert: Zur Pilzsuche darf der Wald nicht mit dem Auto befahren werden. Fahrzeuge gehören auf die offiziellen Waldparkplätze. Die letzten Meter bis zum Steinpilz müssen also weiterhin zu Fuß bewältigt werden – was vermutlich auch im Sinne des Steinpilzes ist.
Im Zweifel Fachleute fragen
Bei aller Freude über einen gefüllten Korb bleibt die sichere Bestimmung entscheidend. Pilzsachverständige in der Region können über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie gefunden werden.
Besteht der Verdacht auf eine Pilzvergiftung, ist das Giftinformationszentrum Freiburg unter 0761 19240 erreichbar. Bei schweren oder lebensbedrohlichen Symptomen gilt der Notruf 112.
Und ansonsten beginnt nun jene Jahreszeit, in der Menschen auffällig langsam durch den Wald gehen, immer wieder ins Unterholz schauen und anschließend auf die Frage nach dem Fundort bemerkenswert ungenaue geografische Angaben machen. Der Regen hat jedenfalls seinen Teil beigetragen. Den Rest müssen Pilze und Pilzsucher nun untereinander ausmachen.





