(pm – 27.8.26)Es gibt diese Wochen im Jahr, in denen Radfahren plötzlich wieder nach Freizeit aussieht und nicht mehr nach einer sportlichen Variante des Saunagangs. Der September gehört mit etwas Glück dazu: Die große Sommerhitze lässt nach, morgens liegt schon ein wenig Kühle über Wiesen und Feldern, und an den ersten Bäumen beginnt das Grün über seine weitere berufliche Zukunft nachzudenken.
Passend dazu sind die RadGuides Rhein-Neckar im September wieder in der Region unterwegs. Das Programm führt durch Odenwald, Kraichgau und Kurpfalz, vorbei an Burgen und römischen Spuren, zu Kelten, Kurfürsten und vermeintlichen Hexen – und schließlich sogar zum Fußball. Geschichte wird dabei nicht im klimatisierten Seminarraum vermittelt, sondern auf dem Fahrradsattel. Das hat den Vorteil, dass man nach 600 Höhenmetern sehr genau weiß, was mit dem Begriff „historische Strapazen“ gemeint sein könnte.
3. September: Sagen und Steigungen im Kleinen Odenwald
Los geht es am 3. September in Eberbach. Die Tour „Sagenhafter Kleiner Odenwald – Sagen, Steine, Wälder, Burg“ führt über 40 Kilometer und stattliche 610 Höhenmeter. Von der Altstadt geht es bei Rockenau und der Burgruine Stolzeneck hinauf in den Kleinen Odenwald. Für geübte Radfahrer und Menschen mit elektrischer Unterstützung sei der Anstieg gut zu schaffen, heißt es. Das Wort „gut“ darf an Steigungen bekanntlich jeder für sich selbst definieren.
Oben wartet der Blick auf die Neckarschleife bei Lindach, anschließend geht es über die Hochebene zu den „Sagenhaften Gugglöchern“. Das sind Holzstelen mit überlieferten Geschichten aus dem Kleinen Odenwald und Öffnungen, durch die sich der jeweilige Schauplatz betrachten lässt. Früher erzählte man sich Sagen am Feuer, heute schaut man durch ein Loch in einer Holzstele – immerhin benötigt beides keinen Mobilfunkempfang.
Unterwegs geht es außerdem um Entstehung, Pflanzen- und Tierwelt des Kleinen Odenwalds. Eine Pause ist in den Odenwaldstuben in Haag vorgesehen, anschließend führt die Strecke über Schönbrunn und Moosbrunn durchs Pleutersbachtal zurück nach Eberbach.
Start: 11 Uhr
Kosten: 12 Euro
RadGuide: Klaus Schilling
Anmeldung: schi@radguides.de
4. September: 7000 Jahre Heiligenberg – und 570 Höhenmeter
Am 4. September geht es auf den Heidelberger Heiligenberg, der seit rund 7000 Jahren besiedelt ist. Auf ruhigen Waldwegen führt die 24 Kilometer lange Runde entlang des keltischen Ringwalls zur Thingstätte sowie zu den Klöstern St. Michael und St. Stephan. Auf vergleichsweise kurzer Strecke liegen hier einige Jahrtausende Geschichte dicht beieinander – die Menschen haben auf dem Berg offenbar früh erkannt, dass die Lage nicht schlecht ist.
Ganz ohne körperlichen Einsatz lässt sich die Vergangenheit allerdings nicht besichtigen: 570 Höhenmeter stehen auf dem Programm, weshalb ein E-Bike empfohlen wird.
Start: 10 Uhr
Kosten: 8 Euro
RadGuide: Manuela Rahn
Anmeldung: manu.rahn@web.de
5. September: Von Kurfürsten und Römern
Deutlich flacher wird es am 5. September zwischen Schwetzingen und Ladenburg. Von der ehemaligen kurfürstlichen Sommerresidenz führt die rund 40 Kilometer lange Kultur- und Erlebnisreise durch die Oberrheinische Tiefebene. Über die historische Kurpfalzachse und die Maulbeerallee geht es zunächst zum Botanischen Garten Heidelberg.
Von dort führt die Strecke weiter nach Ladenburg, wo die römische Vergangenheit der Region in den Mittelpunkt rückt. Kurfürsten, Römer, alte Verkehrsachsen und Fahrräder liegen an diesem Tag also auf einer gemeinsamen Route – eine Kombination, die historisch vermutlich nie vorgesehen war, heute aber ausgesprochen praktisch ist.
Start: 10 Uhr
Kosten: 8 Euro
RadGuide: Michael Gutfleisch
Anmeldung bis 2. September: Myschwetzingen@web.de
5. September: Die dunklen Spuren der Hexenverfolgung
Ebenfalls am 5. September führt eine Tour durch die hügelige Landschaft des Kraichgaus. Wälder, Felder und weite Ausblicke begleiten die Gruppe, inhaltlich geht es jedoch um ein ernstes Kapitel der regionalen Geschichte: die Verfolgung von Menschen, die als Hexen beschuldigt wurden.
An verschiedenen historischen Orten erfahren die Teilnehmenden mehr über die damaligen Verfolgungen, von denen überwiegend, aber nicht ausschließlich Frauen betroffen waren. Die Strecke folgt diesen geschichtlichen Spuren durch den Kraichgau; Fitness oder elektrische Unterstützung sind angesichts der Hügel ausdrücklich gefragt. Auf dem höchsten Punkt der Tour ist eine Einkehr in historischen Mauern vorgesehen.
Start: 13.30 Uhr
Kosten: 12 Euro
RadGuide: Rouven Rebel
Anmeldung bis 2. September: scout-rouven@web.de
6. September: 2000 Jahre Mobilität auf 37 Kilometern
Römische Straßen, kurfürstliche Achsen, Laufmaschine und Automobil: Am 6. September geht es zwischen Heidelberg, Ladenburg und Schwetzingen um rund 2000 Jahre Mobilitätsgeschichte. Gefahren werden 37 Kilometer durch flaches Gelände – eine vergleichsweise moderne Annehmlichkeit, für die römische Straßenbauer vermutlich durchaus Verständnis gehabt hätten.
Unterwegs stehen alte Straßen, historische Achsen und ehemalige Verkehrswege im Mittelpunkt. Die Gruppe beschäftigt sich damit, wie Wege, Karten, Fahrzeuge und technische Ideen verändert haben, wie Menschen durch die Region kommen. Dass man diese Entwicklung ausgerechnet mit dem Fahrrad erkundet, passt dabei recht gut: Zwei Räder sind technisch überschaubar, haben sich aber hartnäckig gehalten.
Start: 10 Uhr
Kosten: 12 Euro
RadGuide: Jochen Sandmaier
Anmeldung bis 3. September: radguide@yahoo.de
6. September: Wälder, Felder und Grünkern
Wer Geschichte lieber mit etwas Essbarem verbindet, kann am selben Tag zwischen Walldorf, Reilingen und St. Leon-Rot unterwegs sein. Die 24 Kilometer lange Runde kommt ohne größere Steigungen aus und führt durch Wälder und Felder, während Königstuhl und Letzenberg am Horizont die Kulisse liefern.
Am Wegesrand geht es unter anderem um Dinkel und Grünkern, die nicht nur theoretisch behandelt, sondern auch verkostet werden. Das Fahrrad hat gegenüber vielen anderen Verkehrsmitteln eben einen entscheidenden Vorteil: Man kann die Kalorienfrage unterwegs wenigstens halbwegs überzeugend beantworten.
Start: 10 Uhr
Kosten: 10 Euro
RadGuide: Michael Lamprecht
Anmeldung bis 1. September: mi-lam@web.de
6. September: Ritter auf Rädern
In Eberbach wird es am 6. September mittelalterlich. Die Tour „Der Neckar und die Ritter 1“ führt über 33 Kilometer und 470 Höhenmeter zu Burgruinen und Aussichtspunkten rund um den Neckar. Von der Stauferstadt geht es zunächst bei Rockenau hinauf zur Burgruine Stolzeneck und anschließend weiter in den Kleinen Odenwald.
Nach dem Blick auf die Neckarschleife bei Lindach führt die Strecke über den Reihersee durch Wälder zum Zwingenbergblick und Kraichgaublick und schließlich zur Burgruine Minneburg. Dort geht es um Entstehung, Geschichte und Bedeutung der Burgen, daneben bleibt Raum für Flora und Fauna entlang der Strecke. Burgherren mussten sich mit solchen Dingen vermutlich ebenfalls beschäftigen, wenn auch eher unter Gesichtspunkten wie Brennholz, Jagd und der Frage, wer schon wieder vor dem Tor steht.
Von der Minneburg fährt die Gruppe nach Neckargerach und anschließend über den Neckartalradweg zurück nach Eberbach. Wer inzwischen genug Ritterlichkeit bewiesen hat, kann die Rückfahrt ab Neckargerach auch mit der Bahn antreten. Dadurch verkürzt sich die Strecke um zehn Kilometer. Das Dampfross übernimmt dann für den Drahtesel – Fortschritt kann so einfach sein.
Start: 11 Uhr
Kosten: 12 Euro
RadGuide: Klaus Schilling
Anmeldung bis 5. September: schi@radguides.de
7. September: Der König Fußball bekommt zwei Räder
Am 7. September wechselt das Thema von Rittern zu einer Macht, die in der Region mindestens ebenso zuverlässig Menschen in Bewegung setzt: Fußball. Von Sandhausen führt die 34 Kilometer lange Tour über Walldorf und Wiesloch durchs Leimbachtal nach Zuzenhausen, Hoffenheim und Sinsheim.
An den Spielstätten geht es um die Fußballgeschichte des Rhein-Neckar-Kreises, zwischen den Stationen um Landschaft, Pflanzen und Tiere. Damit bekommen unterwegs ausnahmsweise auch jene grünen Flächen Aufmerksamkeit, auf denen keine weißen Linien gezogen sind.
Zum Abschluss ist eine kleine Stadionführung durch die SNP-Arena vorgesehen. So endet die Radtour dort, wo normalerweise andere für Bewegung sorgen und die Zuschauer sitzen – eine durchaus gerechte Rollenverteilung nach 34 Kilometern.
Start: 15.30 Uhr
Kosten: 12 Euro
RadGuide: Klaus Schilling
Anmeldung bis 5. September: schi@radguides.de
10. September: Erst radeln, dann kneippen
Am 10. September startet in Sinsheim eine kürzere Runde von 15 bis 22 Kilometern. Am späten Nachmittag geht es zunächst durchs Feld nach Steinsfurt und anschließend hinein in den kühleren Wald. Nach einigem Auf und Ab erreicht die Gruppe eine Kneippanlage, wo Füße und Beine Bekanntschaft mit deutlich kühlerem Wasser machen dürfen.
Neben der Erfrischung soll dort auch die aktuelle Wasserknappheit Thema sein. Die Tour verbindet damit eine sehr unmittelbare Erfahrung mit einer größeren Frage: Wasser ist angenehm, wenn es um die Knöchel läuft, und weniger angenehm, wenn es in Landschaft und Grundwasser fehlt.
Bei Interesse kann zu Beginn außerdem ein Abstecher zum U-Boot U17 auf dem Gelände des Technikmuseums gemacht werden. Fahrrad, Kneippanlage und U-Boot an einem Nachmittag sind eine Kombination, auf die man ohne RadGuide vermutlich nicht ohne Weiteres gekommen wäre.
Start: 16 Uhr
Kosten: 6 Euro
Ein September zwischen Römern, Rittern und Radwegen
Damit reicht das Septemberprogramm der RadGuides von den Waldwegen des Odenwalds bis zu den flachen historischen Achsen der Kurpfalz, von keltischen Ringwällen über Burgruinen bis zum Fußballstadion. Mal stehen 610 Höhenmeter zwischen Start und Ziel, mal Dinkel und Grünkern, und gelegentlich wartet am Ende kaltes Wasser auf müde Beine.
Mehr lässt sich aus der vorliegenden Ankündigung für den 10. September nicht herauslesen: Angaben zu RadGuide und Anmeldung sind dort nicht enthalten. Und bevor aus einer fehlenden Zeile plötzlich eine neue historische Sage des Rhein-Neckar-Raums entsteht, bleibt es besser genau dabei.




