Wenn im Zoo Feierabend ist: Wer jetzt erst richtig wach wird

(zoo – 28.8.26) Wenn die letzten Besucher gegangen sind, die Kinderwagen Richtung Ausgang rollen und niemand mehr darüber verhandelt, ob es nun noch ein Eis geben darf, beginnt im Zoo Heidelberg eine Tageszeit, die der gewöhnliche Zoobesucher normalerweise nicht mitbekommt. Bei den Abendführungen geht es nach Zooschluss noch einmal durchs Gelände – und weil zwei der letzten drei Termine bereits ausgebucht sind, legt der Zoo Anfang September eine zusätzliche Runde ein.

Ein Zoo hat schließlich keinen Feierabend im herkömmlichen Sinn. Die Kasse kann schließen, die Besucher können nach Hause gehen und die Wege allmählich leer werden – den Tieren ist die kommunale Vorstellung geregelter Öffnungszeiten naturgemäß ziemlich gleichgültig. Manche ziehen sich am Abend zurück, während andere dann erst aktiver werden. Genau diesen Wechsel können Teilnehmer bei den Abendführungen im Zoo Heidelberg beobachten.

Nach 19 Uhr gehören die Wege einer kleinen Gruppe

Die Goldkatzen sind laut Zoo in der Dämmerung oft aktiv. Dieses Exemplar scheint die Lage zunächst noch aus der Horizontalen zu prüfen. Foto: Peter Bastian / Zoo Heidelberg

Gemeinsam mit einem Zoo-Ranger geht es nach dem regulären Zooschluss durch das Gelände. Statt des üblichen Besucherstroms bewegt sich nur eine kleine Gruppe zwischen den Gehegen. Die Führung dauert von 19 bis 20.30 Uhr – also genau in jener Phase, in der aus einem normalen Spätsommertag langsam ein Abend wird und sich auch die Wahrnehmung verändert: weniger Stimmen auf den Wegen, weniger Bewegung vor den Anlagen, dafür mehr Zeit zum Hinsehen.

Welche Tiere dabei tatsächlich besonders gut zu beobachten sind, lässt sich vorher nicht festlegen. Tiere halten sich bekanntlich nur eingeschränkt an Veranstaltungsprogramme. Während sich manche Bewohner zurückziehen, werden andere in den ruhigeren Abendstunden aktiv. Die Ranger erläutern unterwegs Gewohnheiten und besondere Verhaltensweisen der verschiedenen Arten und haben außerdem Materialien dabei, die von den Teilnehmern angefasst werden können. 

Ruhe verändert den Blick auf den Zoo

Nach Zooschluss kann sich das Hinschauen besonders lohnen. Wobei „Aktivität“ bei einem Faultier selbstverständlich ein Begriff mit erheblichem Interpretationsspielraum bleibt. Foto: Petra Medan / Zoo Heidelberg

„Wenn der Zoo für die Besucher geschlossen ist, verändert sich die Atmosphäre auf dem Gelände“, erklärt Axel Schlemann, Leiter der Zoo-Akademie. Es werde ruhiger, und die Teilnehmer nähmen viele Dinge anders wahr als bei einem Besuch am Tag. Das klingt zunächst unspektakulär, beschreibt aber ziemlich genau den Reiz des Ganzen: Wo tagsüber Gespräche, Schritte und das allgemeine Kommen und Gehen den Takt vorgeben, bleibt am Abend mehr Aufmerksamkeit für das, was sich hinter Zäunen, auf Ästen und zwischen Pflanzen bewegt. 

Dass diese etwas andere Runde durch den Zoo gefragt ist, zeigt der Blick auf die Termine. Von den ursprünglich noch drei in diesem Jahr vorgesehenen Abendführungen sind zwei bereits ausgebucht. Wegen der großen Nachfrage hat der Zoo deshalb für Freitag, 4. September 2026, eine zusätzliche Führung angesetzt. Sie richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren. 

Goldkatzen bevorzugen die spätere Schicht

Zu den Tieren, bei denen die Abendstunden besonders interessant sein können, gehören die Goldkatzen. Nach Angaben des Zoos sind sie in der Dämmerung häufig aktiv. Das zweite zur Presseinformation veröffentlichte Foto zeigt eine der Katzen auf einer Holzkonstruktion: ausgestreckt, den Kopf auf den Vorderpfoten, die Augen geöffnet. Ob das bereits Tatendrang oder noch die zoologische Variante von „Ich komme gleich“ ist, muss der Betrachter selbst entscheiden. Sicher ist nur: Gerade solche Momente lassen sich nicht auf Bestellung herstellen. 

Noch einmal durch den Zoo, wenn die Tore schon zu sind

Die zusätzliche Abendführung am 4. September beginnt um 19 Uhr und endet um 20.30 Uhr. Karten werden über die Zoo-Akademie angeboten. Darüber hinaus können Vereine, Familien und andere Gruppen Abendführungen zu individuell vereinbarten Terminen buchen. Entsprechende Anfragen nimmt der Zoo per E-Mail entgegen. 

Weitere Informationen und Tickets: www.zoo-akademie.org/abendfuehrung

Anfragen für individuelle Gruppenführungen: tiereundnatur@zoo-heidelberg.de

Und so dürfte der vielleicht interessanteste Unterschied zwischen einem normalen Zoobesuch und der Abendrunde ziemlich einfach sein: Tagsüber schaut man, was die Tiere machen. Nach Feierabend bekommt man mit etwas Glück eher den Eindruck, dass nun die Tiere schauen, wer da eigentlich noch über ihre Wege läuft.

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