Halloween mit echtem Blackout: In Leimen gingen die Lichter aus, in Sandhausen die Böller hoch

(fwu – 2.11.26) Halloween soll gruselig sein. Doch in diesem Jahr lieferte die Wirklichkeit die Spezialeffekte gleich mit: In Leimen und St. Ilgen fiel großflächig der Strom aus, in Sandhausen knallten die Böller und eine Hecke fing Feuer. Nur das traditionelle Leimener „Haus des Grauens“ hatte sich vorsorglich nach Balzfeld abgesetzt.

Halloween ist bekanntlich die Nacht, in der kleine Gespenster durch die Straßen ziehen, Skelette in Vorgärten hängen und hinter mancher Haustür zweifelhafte Gestalten auf Süßigkeiten lauern. Am Samstagabend, dem 31. Oktober, allerdings bekam das Gruselfest in Leimen eine unerwartete zusätzliche Attraktion: einen echten Stromausfall. Und zwar nicht bloß für ein paar Minuten, sondern gleich für mehrere Stunden. Die Straßenbeleuchtung erlosch, zahlreiche Häuser lagen im Dunkeln und aus der Halloween-Dekoration wurde stellenweise unbeabsichtigt eine ziemlich realistische Geisterkulisse.

4.600 Haushalte ohne Strom – Kurzschluss statt Halloween-Spuk

Gegen 20.25 Uhr fiel in großen Teilen von St. Ilgen und einem kleineren Bereich von Leimen-Mitte die Stromversorgung aus. Nach Angaben des Netzbetreibers Syna waren zeitweise rund 4.600 Haushalte betroffen. Ursache war ein Kurzschluss in einem Erdkabel. Der Netzbetreiber konnte durch Umschaltungen im Stromnetz nach und nach die Versorgung wiederherstellen. Allerdings dauerte es bis 2.46 Uhr am Sonntagmorgen, ehe sämtliche Haushalte wieder Strom hatten. Drei Ortsnetzstationen, die Firmenkunden versorgen, konnten sogar erst am Sonntag gegen 9 Uhr wieder in Betrieb genommen werden.

Die Vermutung, dass die zahlreichen Halloween-Böller möglicherweise einen Verteilerkasten beschädigt hätten, machte unterdessen in den sozialen Netzwerken die Runde. Syna-Sprecher Gerhard Feuerbach stellte jedoch klar, dass zwischen dem Stromausfall und den Halloween-Aktivitäten kein Zusammenhang bestand. Der Schaden wird vom Netzbetreiber vor Ort repariert.

Mit anderen Worten: Kein Zombie hatte ein Kabel durchgebissen, kein Gespenst einen Schalter umgelegt und auch kein übereifriger Halloween-Fan die Stromversorgung gesprengt. Es war ein ganz gewöhnlicher technischer Defekt – allerdings einer mit bemerkenswert passendem Timing.

Jugendfeuerwehr feierte Halloween – plötzlich ohne Licht

Leimens Feuerwehrchef Jochen Michels wurde von der Leitstelle über den Stromausfall informiert. Bei größeren Versorgungsunterbrechungen dienen die Feuerwehrhäuser üblicherweise als Anlaufstellen für die Bevölkerung. In St. Ilgen war das Gerätehaus glücklicherweise ohnehin besetzt: Die Jugendfeuerwehr veranstaltete dort gerade ihre Halloweenparty. Dass dabei plötzlich das Licht ausging, dürfte zwar nicht zum ursprünglichen Veranstaltungsprogramm gehört haben, passte aber immerhin zum Motto des Abends.

Sandhausen: Böller statt Gespenster und eine brennende Hecke

Während Leimen weitgehend im Dunkeln lag, sorgten in der Nachbargemeinde Sandhausen zahlreiche Feuerwerkskörper für unfreiwillige Schreckmomente. Insbesondere in den sozialen Netzwerken häuften sich entsprechende Berichte. Die Polizei registrierte in der Region ansonsten keine außergewöhnlichen Halloween-Vorkommnisse. Eierwürfe und gezündete Böller gehörten allerdings zum Einsatzgeschehen.

Gegen 22 Uhr wurde es in Sandhausen dann tatsächlich gefährlich: An der Ecke Hauptstraße/Große Ringstraße geriet eine Hecke durch Pyrotechnik in Brand. Anwohner konnten das Feuer selbst löschen.

Dass Halloween inzwischen mancherorts akustisch mit Silvester konkurriert, ist eine Entwicklung, die nicht jeder begrüßt. Zwischen einem freundlichen „Süßes oder Saures!“ und einem explodierenden Böller besteht schließlich ein gewisser Unterschied – nicht nur hinsichtlich der Lautstärke.

Das Leimener Haus des Grauens war rechtzeitig ausgewandert

Ausgerechnet die professionellen Gruselexperten hatten Leimen in diesem Jahr vorübergehend verlassen. Wie wir bereits vor Halloween berichteten, verlegte André Grädler sein inzwischen weithin bekanntes „Haus des Grauens“ für die diesjährige Halloween-Nacht nach Balzfeld.

In den vergangenen Jahren hatte Grädler sein Leimener Anwesen regelmäßig in eine schaurige Erlebniswelt verwandelt. Skelette, Zombies, Hexen und andere unheimliche Gestalten gehörten dort praktisch zur erweiterten Hausgemeinschaft. Im vergangenen Jahr sorgte unter anderem der „Bloody Circus“ für Gänsehaut. Für Halloween 2026 schloss sich Grädler mit zwei weiteren Gruselfans zusammen. Gemeinsam wollten die drei in Balzfeld ihre Dekorationen, Ideen und Erfahrungen bündeln. Dort stand deutlich mehr Platz zur Verfügung, sodass sogar ein begehbares Halloween-Labyrinth geplant war.

Während man in Balzfeld also aufwendig daran arbeitete, den Besuchern das Fürchten zu lehren, erledigte das in Leimen ein defektes Erdkabel ganz ohne Kostüme, Nebelmaschinen oder künstliche Spinnweben.

Eine Halloween-Nacht, die in Erinnerung bleiben dürfte

Unterm Strich verlief Halloween in der Region glücklicherweise ohne größere bekannt gewordene Personenschäden. Der Stromausfall blieb ohne gemeldete Notfälle, die brennende Hecke in Sandhausen konnte gelöscht werden und die Feuerwehr musste wegen des Blackouts nicht zu größeren Rettungseinsätzen ausrücken. Eine Erkenntnis bleibt dennoch: Wer sich an Halloween ordentlich gruseln möchte, braucht nicht unbedingt ein aufwendig dekoriertes Spukhaus. Manchmal genügt es, wenn um 20.25 Uhr plötzlich die Straßenlaternen ausgehen und der ganze Stadtteil im Dunkeln verschwindet. Für das nächste Jahr wäre allerdings wieder die klassische Variante vorzuziehen: Gruseln mit Geistern, Kürbissen und Süßigkeiten – und mit funktionierender Stromversorgung.

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