Playback mit vollem Körpereinsatz: Neun junge Künstlerinnen tanzten und turnten

(fwu – 16.9.26) Vor der Bühne war der beste Platz am Sonntagnachmittag eindeutig auf dem Pflaster. Dicht an dicht saßen dort Kinder, manche im Schneidersitz, andere auf den Knien, während hinter ihnen Eltern und Großeltern die Bänke besetzt hatten und immer wieder ein Smartphone über den Köpfen auftauchte. Auf dem Willi-Laub-Platz war kaum noch eine Lücke zu finden. Die Mini-Teenie-Playback-Show hatte begonnen – und damit jener Programmpunkt der dreitägigen „Diljemer Kerwe“, bei dem die große Bühne für eine Weile den Kleinsten gehörte.

Acht Auftritte standen auf dem Programm, die Teilnehmerinnen waren zwischen sechs und neun Jahre alt. Schon beim Blick vor die Bühne zeigte sich, wer an diesem Nachmittag das eigentliche Fachpublikum stellte: Kinder saßen in mehreren Reihen unmittelbar vor der Bühnenkante, reckten die Köpfe nach oben und klatschten nach jeder Nummer. Dahinter wurde an den Tischen zugeschaut, fotografiert und gefilmt. Wer zu spät kam, musste stehen – eine alte Kerweregel, die vermutlich älter ist als das Smartphone, nur damals eben ohne Hochkantvideo.

Acht Auftritte – diesmal nur bei den Minis

Organisiert wurde die traditionelle Playback-Show wieder gemeinsam vom Karnevalclub Frösche und dem Turnverein Germania. Alle angemeldeten Teilnehmerinnen starteten diesmal in der Kategorie „Minis“. Für die „Teenies“ habe es leider keine Anmeldungen gegeben, berichtete Moderatorin Celine Paulus. Der Name Mini-Teenie-Playback-Show war damit an diesem Nachmittag ein wenig größer als das tatsächliche Teilnehmerfeld – aber Namen von Traditionsveranstaltungen ändert man schließlich auch nicht gleich wegen eines Jahrgangs.

Paulus führte zum zweiten Mal durch das Programm, nachdem sie im vergangenen Jahr ihre Premiere als Moderatorin gefeiert hatte. Als Trainerin, Tänzerin und stellvertretende Schriftführerin des KC Frösche kennt sie die Bühne ohnehin aus verschiedenen Perspektiven. Vor dem schwarzen Bühnenhintergrund kündigte sie die nächsten Auftritte an und verstand es, den jungen Künstlerinnen einen Teil ihrer Aufregung zu nehmen. Was durchaus hilfreich sein dürfte, wenn vor einem plötzlich ein ganzer Kerweplatz sitzt und zuschaut.

Auf der Bühne standen Lina Borth, Linda Huynh, Kate Liesenfeld, Elisa und Caroline Brown, Leia Pavlova und Anastasia Stoiber. Lilly Schneider und Hannah Spoor traten gemeinsam als Duo an. Acht Auftritte also, aber neun junge Künstlerinnen – auch die Mathematik einer Playback-Show hat ihre kleinen Besonderheiten.

Ein Mikrofon allein reicht längst nicht mehr

Wer beim Wort Playback noch an jene Zeiten denkt, in denen man hauptsächlich ein Mikrofon hielt und möglichst passend zum Lied den Mund bewegte, bekam auf der Kerwebühne eine kleine Fortbildung. Die Mädchen hatten Choreografien einstudiert, spielten mit Mimik und Gestik, drehten sich über die Bühne und gingen bei den akrobatischen Einlagen weit über das hinaus, was der durchschnittliche Kerwebesucher nach Kaffee und Kuchen freiwillig versuchen würde.

Eine junge Teilnehmerin im rot-weiß gestreiften Kleid zog ihr Bein beinahe senkrecht nach oben und breitete dazu die Arme aus. Eine andere stand zunächst im gelb-roten Glitzerkostüm mit weit geöffneten Armen auf der Bühne, bevor wenig später nur noch ihre Hände den Boden berührten und sich die Beine über ihrem Kopf verschränkten. Vorne reckten die Kinder die Köpfe, ein Junge stand auf, um besser sehen zu können, und dahinter gingen die ersten Handys nach oben. Manches muss schließlich dokumentiert werden, schon damit später niemand behaupten kann, das mit den Beinen habe man sich nur eingebildet.

Auch sonst blieb die Bühne ständig in Bewegung. Mal wurde mit ausgestreckten Armen getanzt, mal eine Pose für den nächsten Takt gehalten, dann wieder wechselten die Schritte schnell hintereinander. Der schwarze Bühnenhintergrund und die schlichten Metallgeländer ließen dabei wenig Ablenkung zu. Im Mittelpunkt standen die jungen Darstellerinnen – und gelegentlich eine Beweglichkeit, bei deren Anblick mancher Erwachsene vermutlich ganz automatisch die eigene Wirbelsäule bemerkte.

Schwesterherz im Doppelpack

Lilly Schneider und Hannah Spoor setzten bei ihrem gemeinsamen Auftritt auf Zusammenspiel. In gleichfarbigen Oberteilen standen sich die beiden Neunjährigen gegenüber, sangen im Playback miteinander und griffen sich während der Choreografie an den Händen. Später, unter blauem und rotem Bühnenlicht, bekamen die beiden sogar beinahe Konzertbedingungen: Mikrofone in der Hand, farbige Lichtstrahlen im Hintergrund und vor ihnen das Publikum. Nur der Tourbus hinter der Bühne fehlte noch.

Dass die Zuschauer nicht nur auf die späteren Platzierungen warteten, war während der gesamten Show zu hören. Nach jedem Auftritt wurde geklatscht. Gerade die Kinder unmittelbar vor der Bühne gingen dabei wenig taktisch vor: Applaus bekam, wer gerade oben gestanden hatte. Die nüchterne Unterscheidung nach Punkten blieb anderen überlassen.

Vier Frauen müssen genau hinschauen

Diese Aufgabe übernahm die Jury mit Jasmin Fuchs, Viktoria Fink sowie Bettina und Alissa Steinbächer vom KC Frösche und TV Germania. Während vor der Bühne Hände klatschten und Smartphones filmten, mussten die vier genauer hinsehen. Bewertet wurden Mimik und Gestik, die synchronen Mundbewegungen zum Playback-Gesang und der Gesamteindruck des jeweiligen Auftritts.

Damit war die Sache für die Jury erheblich komplizierter als für das Publikum. Dort genügte offenkundig die bewährte Methode: Auftritt anschauen, mitfiebern, kräftig klatschen. Am Jurytisch dagegen wurden Punkte vergeben und nach dem letzten Auftritt zusammengerechnet. Selbst das Showgeschäft der Sechs- bis Neunjährigen kommt also nicht ganz ohne Verwaltung aus.

„Schwarzer Kater“ landet auf Platz eins

Nach dem achten Auftritt verkündete Celine Paulus schließlich die Platzierungen. Den ersten Platz erreichte die sechsjährige Anastasia Stoiber mit ihrer Choreografie zum Lied „Schwarzer Kater“ von Tamara Miansarova. Mit ihrer Darbietung sammelte sie in den bewerteten Kategorien die meisten Punkte und durfte nach der Siegerehrung noch einmal auf die Bühne.

Auf Platz zwei kamen Lilly Schneider und Hannah Spoor. Die beiden Neunjährigen hatten sich für „Schwesterherz“ der Band Klima entschieden und überzeugten die Jury mit ihrem gemeinsamen Auftritt. Den dritten Platz sicherte sich die siebenjährige Lina Borth mit „All in“ von Fäaschtbänkler.

Für die drei Bestplatzierten gab es Geldpreise und Geschenke. Gestiftet wurden sie von Optik Mattern, Logo Schreibwaren, der Firma Mühlbauer sowie den Frösche-Ehrensenatorinnen Elke Herd und Annemarie Rieser. Anastasia Stoiber durfte anschließend ihre Siegerchoreografie noch einmal zeigen – und so gehörte die Bühne ein paar Minuten länger jener Teilnehmerin, die an diesem Nachmittag die meisten Jurypunkte gesammelt hatte.

Das Pflaster als erste Reihe

Vor der Bühne saßen da noch immer die Kinder, hinter ihnen standen und saßen Eltern, Großeltern und Kerwebesucher zwischen Tischen und Bänken. Luftballonfiguren lagen auf dem Pflaster, irgendwo wurde ein Platz gewechselt, wieder ging ein Handy nach oben, und von der Bühne kam der nächste Applaus zurück auf den Platz. Für eine Weile war das sonst eher zweckmäßig wirkende Pflaster vor dem Rathaus zur ersten Reihe geworden.

Neun Mädchen zwischen sechs und neun Jahren hatten sich auf eine große Bühne gestellt, getanzt, Playback gesungen und zum Teil akrobatische Choreografien gezeigt. Drei von ihnen gingen mit den ersten Plätzen nach Hause, Applaus bekamen alle. Und wer direkt vor der Bühne gesessen hatte, musste am Ende höchstens noch den Staub von der Hose klopfen. Ein überschaubarer Preis für einen Platz, für den Erwachsene bei größeren Stars gewöhnlich deutlich mehr bezahlen.

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