Riesenschildkröten zurück aus Prag – Emil muss noch auf den Umzugswagen warten

(zoo – 7.11.26) Vier Jahre mussten die Besucher des Heidelberger Zoos auf die Rückkehr der beliebten Aldabra-Riesenschildkröten warten. Jetzt ist das neue Schildkrötenhaus fertig und drei seiner vier früheren Bewohner sind wieder eingezogen. Iulius, Einstein und Hemingway haben die Reise aus Prag bereits hinter sich, nur Emil fehlt noch. Der Grund ist ebenso einfach wie ungewöhnlich: Für ihn war im Transporter kein Platz mehr.

Mehr als 200 geladene Gäste waren zur Einweihung des neuen Schildkrötenhauses gekommen, darunter Vertreter anderer Zoos, Sponsoren und Unterstützer. Heidelbergs Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität, Raoul Schmidt-Lamontain, übernahm die offizielle Eröffnung.

Drei sind schon da – Emil kommt später

Iulius, Einstein und Hemingway haben ihre neue Unterkunft bereits bezogen. Nur Emil fehlt noch. Der Grund ist erfreulich handfest: Er passte schlicht nicht mehr in den Transporter. Kurator Joshua Förg hatte die Tiere wenige Tage vor der Eröffnung persönlich aus Prag abgeholt. Für drei Riesenschildkröten reichte der Platz, für die vierte nicht mehr. Emil soll deshalb in den kommenden Wochen nachreisen. Bei Schildkröten dürfte eine solche Verzögerung vermutlich weniger Aufregung auslösen als bei ihren menschlichen Betreuern.

Ein umgestürzter Baum machte den Neubau notwendig

Begonnen hatte die Geschichte im Februar 2022 mit einem erheblichen Schaden. Ein umgestürzter Baum traf das damalige Schildkrötenhaus so schwer, dass es nicht mehr zu retten war (siehe Bericht hier). Nach umfangreichen Planungen und rund anderthalb Jahren Bauzeit steht nun ein Neubau, der technisch einiges zu bieten hat. Wärmepumpe, Fußbodenheizung und eine Benebelungsanlage sorgen im Bereich der Riesenschildkröten für ein feuchtwarmes Klima mit etwa 28 Grad – und das ganzjährig.

Der Ausstellungsbereich dagegen bleibt unbeheizt und entsprechend kühler und trockener. Zwei völlig unterschiedliche Klimazonen unter einem Dach unterzubringen, stellte die Planer vor besondere Herausforderungen, wie Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann bei der Eröffnung erläuterte.

Vom Riesenschildkrötenhaus zum Klimawandel

Das neue Gebäude ist allerdings nicht nur eine komfortable Schildkrötenunterkunft. Es widmet sich den Auswirkungen des Klimawandels auf Tiere und ihre Lebensräume. Die Aldabra-Riesenschildkröten stehen dabei stellvertretend für die bedrohten Inselökosysteme, denen der steigende Meeresspiegel zunehmend zusetzt. Ein weiterer Ausstellungsbereich beschäftigt sich mit Tieren aus Gebirgsregionen. Dort müssen sich zahlreiche Arten wegen steigender Temperaturen immer weiter in höhere Lagen zurückziehen. Am Beispiel der Peruanischen Samtschrecke wird deutlich, wie problematisch das für Tiere werden kann, deren natürlicher Lebensraum ohnehin schon sehr begrenzt ist.

Auch Gewinner des Klimawandels gibt es

Nicht alle Tierarten gehören allerdings zu den Verlierern der Erderwärmung. Gottesanbeterinnen, Mauergeckos und Italienskorpione profitieren teilweise von höheren Temperaturen und breiten sich in Gebiete aus, in denen sie früher nicht heimisch waren. Der Italienskorpion, der bis zu fünf Zentimeter groß wird, gehört ebenfalls zu den neuen Ausstellungsbewohnern. Wer beim Anblick seiner Scheren und des Giftstachels lieber etwas Abstand hält, dürfte damit eine durchaus vernünftige Entscheidung treffen. Dass der Klimawandel auch unmittelbar vor unserer Haustür Folgen hat, zeigt ein weiterer Bereich anhand heimischer Amphibien. Die Gelbbauchunke beispielsweise leidet unter zunehmenden Hitzeperioden und austrocknenden Gewässern.

Fast eine halbe Million Besucher im Jahr

Mit jährlich fast 500.000 Besuchern erreicht der Zoo Heidelberg ein großes Publikum. Diese Reichweite wolle man nutzen, um auf die Veränderungen in der Tierwelt aufmerksam zu machen, erläuterte Kurator Joshua Förg. Am Ende des Rundgangs erfahren Besucher deshalb auch, wie sie selbst zum Schutz von Natur und Klima beitragen können. Und wer in den kommenden Wintermonaten das neue Schildkrötenhaus besucht, kann sich zumindest zeitweise in tropische Temperaturen zurückziehen. Bei konstant etwa 28 Grad dürften sich Iulius, Einstein und Hemingway jedenfalls ausgesprochen wohlfühlen.

Fehlt nur noch Emil. Aber für ihn wird sich sicherlich noch ein passender Transporter finden.

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