Mehr als 2000 Kleindenkmale dokumentiert – Ehrenamt macht Geschichte sichtbar
(rnk – 4.8.26) Manche Dinge stehen seit Jahrhunderten am Wegesrand – und schaffen es trotzdem, nahezu unsichtbar zu bleiben. Ein altes Wegkreuz, ein verwitterter Grenzstein oder ein Brunnen werden oft nur im Vorbeigehen wahrgenommen. Dabei erzählen diese unscheinbaren Zeugnisse Geschichten von Glauben, Arbeit, Recht und dem Alltag längst vergangener Generationen. Ein neues Buch des Rhein-Neckar-Kreises lädt nun dazu ein, diese kleinen Schätze mit anderen Augen zu betrachten.
Mehr als 2.000 Kleindenkmale dokumentiert
Mit dem Band „Kleindenkmale im Rhein-Neckar-Kreis“ liegt erstmals eine umfassende Dokumentation der vielfältigen Kleindenkmale im Kreisgebiet vor. Wegkreuze, Bildstöcke, Grenzsteine, Brunnen oder historische Wegweiser prägen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild und spiegeln regionale Geschichte wider – auch wenn sie im Alltag häufig unbeachtet bleiben (der Blick richtet sich heute schließlich öfter aufs Smartphone als auf den alten Grenzstein daneben).
Die Veröffentlichung bildet den Abschluss eines landesweiten Erfassungsprojekts, das seit 2001 unter Federführung des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart gemeinsam mit den Landkreisen durchgeführt wurde. Ziel war es, die oftmals gefährdeten Objekte systematisch zu erfassen, wissenschaftlich einzuordnen und dauerhaft zu dokumentieren.
Ehrenamtliche gingen auf Spurensuche
Als letzter teilnehmender Landkreis setzte der Rhein-Neckar-Kreis das Projekt zwischen 2022 und 2026 um. Rund 150 Ehrenamtliche waren in Städten, Gemeinden und auf abgelegenen Feldwegen unterwegs. Mit viel Ortskenntnis und Ausdauer dokumentierten sie mehr als 2.000 Kleindenkmale – vom verwitterten Wegkreuz bis zum versteckt gelegenen Brunnenhäuschen. Manche Objekte liegen gut sichtbar am Straßenrand, andere verbergen sich unter dichtem Efeu oder am Rand alter Waldwege und warten darauf, wiederentdeckt zu werden.
Die Ergebnisse dieser ehrenamtlichen Arbeit bilden die Grundlage des 308 Seiten starken Bandes, der die Objekte nach Kommunen gegliedert vorstellt und zahlreiche Hintergrundinformationen liefert.
Wissenschaft trifft beeindruckende Fotografie
Ergänzt wird die Dokumentation durch wissenschaftliche Beiträge, die im Rahmen eines Seminars am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg im Sommer 2025 entstanden sind. So verbindet die Publikation bürgerschaftliches Engagement mit universitärer Forschung.
Besonders prägend sind die Fotografien von Dorothea Burkhardt. Sie zeigen die Kleindenkmale nicht als bloße Inventarstücke, sondern eingebettet in ihre Umgebung – zwischen Weinbergen, Feldern, Dorfstraßen oder schattigen Waldwegen. So wird sichtbar, wie eng Landschaft und Geschichte miteinander verbunden sind.
Einladung zum genaueren Hinsehen
Das Buch versteht sich nicht nur als Nachschlagewerk, sondern auch als Anregung für Spaziergänge und Ausflüge durch den Rhein-Neckar-Kreis. Wer künftig an einem alten Grenzstein, einem Bildstock oder einem historischen Brunnen vorbeikommt, wird vermutlich etwas genauer hinschauen. Oft liegen die spannendsten Geschichten eben nicht hinter Museumsvitrinen, sondern direkt am Wegesrand – dort, wo man sie jahrzehntelang übersehen hat.
Landrat Manuel Just betont in seinem Grußwort die Bedeutung des Projekts für die regionale Identität. Denn nur, was bekannt ist, kann langfristig erhalten und geschützt werden.
Sechs öffentliche Buchvorstellungen
Interessierte können das Buch bei insgesamt sechs öffentlichen Veranstaltungen kennenlernen:
- 12. August 2026, 17 Uhr – Rathaus Schönau
- 13. August 2026, 17 Uhr – Rathaus Waibstadt
- 17. August 2026, 17 Uhr – Kulturscheune Gaiberg
- 19. August 2026, 17 Uhr – Rathaus Oftersheim
- 24. August 2026, 17 Uhr – Altes Rathaus Weinheim
- 19. Oktober 2026, 18 Uhr – Domhof Ladenburg (Projektabschluss)
Der reich bebilderte Band erscheint im Eigenverlag des Rhein-Neckar-Kreises, umfasst 308 Seiten mit 718 Abbildungen und ist zum Preis von 30 Euro im Buchhandel, beim Eigenverlag des Rhein-Neckar-Kreises sowie im Kreisarchiv in Ladenburg erhältlich.
Kurz-URL: https://leimenblog.de/?p=205691












































