Bis in den Stamm ausgetrocknet: Was die Hitze mit unseren Buchen macht

(rnk – 18.9.26) Braune Blätter mitten im Sommer, verfärbte Kronen und Laub auf dem Waldboden: In Teilen des Rhein-Neckar-Kreises sieht es früher nach Herbst aus als gewöhnlich. Dahinter steckt keine verfrühte Jahreszeit. Mehrere Hitzewellen mit Temperaturen an die 40 Grad und eine lange Dürreperiode setzen den Wäldern zu. Besonders deutlich reagieren die Buchen.

Das Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis warnt davor, den frühen Blattverlust als harmlose Reaktion der Bäume zu verstehen. Er kann anzeigen, dass die Wasserversorgung im Stamm bereits erheblich gestört ist.

Wenn das Wasser nicht mehr bis in die Krone kommt

00Buchen brauchen viel Wasser. Die Wurzeln nehmen es aus dem Boden auf, anschließend gelangt es durch spezielle Leitbahnen im Holz bis in die Krone. Dort verdunstet ein Teil über die Blätter. Trocknet der Boden über längere Zeit aus, gerät dieser Kreislauf ins Stocken. Die Wurzeln können nicht mehr genügend Wasser liefern. Im Leitgewebe können Luftblasen entstehen. Fachleute sprechen von einer Embolie. Sie unterbricht den Wassertransport, sodass Teile der Krone nicht mehr ausreichend versorgt werden.

„Wenn eine Buche im Juli und August vorzeitig Blätter verliert, ist das kein harmloser Schutzmechanismus. Zu diesem Zeitpunkt ist das Wasserpotenzial im Stamm oft bereits sehr niedrig. Die Embolie hat den Stamm dann bereits erreicht“, erklärt Forstbezirksleiter Philipp Schweigler vom Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis. Der Blattverlust macht die Belastung damit sichtbar. „Für den betroffenen Baum steigt das Risiko von langfristigen Schäden an der Krone, von abgestorbenen Ästen und letztlich sogar vom Tod des ganzen Baumes“, sagt Schweigler.

Mit den Blättern gehen Nährstoffreserven verloren

Der frühe Laubfall bringt ein weiteres Problem mit sich. Normalerweise zieht die Buche vor dem herbstlichen Blattfall wichtige Nährstoffe aus ihren Blättern zurück und lagert sie in Stamm, Ästen und Wurzeln ein. Fallen die Blätter bereits im Sommer, funktioniert diese Vorratshaltung nur eingeschränkt. Im folgenden Frühjahr fehlen dem Baum Reserven für den neuen Blattaustrieb, das Wachstum und die Abwehr von Schädlingen. Folgen im nächsten Jahr erneut große Hitze und Wassermangel, können sich die Schäden verstärken. Auch ausreichender Regen im Herbst oder Winter macht die Folgen eines solchen Extremsommers nicht ohne Weiteres rückgängig.

Eichen kommen mit Trockenheit besser zurecht

Eichen sind gegenüber Hitze und zeitweiser Trockenheit besser gerüstet als Buchen. Ihre Wurzeln reichen tiefer und erschließen damit Wasser aus Bodenschichten, die oberflächlich wurzelnden Bäumen weniger zur Verfügung stehen. Zudem können Eichen beschädigte Wasserleitbahnen im Stamm erneuern. Unverwundbar sind sie deshalb nicht. Hält die Trockenheit lange an, wachsen auch Eichen weniger und bilden weniger Laub. Geschwächte Bäume können anschließend anfälliger für Krankheiten und Schädlinge werden.

Wie stark Bäume im Rhein-Neckar-Kreis leiden, hängt erheblich vom jeweiligen Standort ab. Besonders betroffen sind die sandigen Böden im Rheintal, stark der Sonne ausgesetzte Hänge an der Bergstraße sowie schwere, tonige Böden im Kraichgau.

„Da bedingt durch den Klimawandel diese extremen Wetterperioden zunehmen, sind das voraussichtlich nur die Vorboten der Veränderung. Perspektivisch müssen wir mit massiven Schäden, insbesondere in unseren Buchenwäldern, im ganzen Kreisgebiet rechnen“, sagt Schweigler.

Grünastbruch: Äste können ohne Vorwarnung fallen

Trockenstress kann auch Folgen haben, die für Menschen im Wald unmittelbar gefährlich werden. Beim sogenannten Grünastbruch brechen Äste ab, obwohl sie noch grüne Blätter tragen.

Durch die Trockenheit können sich Feuchtigkeitsgehalt und Stabilität des Holzes verändern. Abgestorbenes oder geschädigtes Gewebe kann zusätzlich die Belastbarkeit eines Astes verringern.

„Ob und wann ein solcher Ast bricht, lässt sich nicht vorhersagen. Daher können in Hitzesommern auch scheinbar gesunde Bäume ein Risiko darstellen“, erklärt Schweigler.

Die Försterinnen und Förster des Kreisforstamtes kontrollieren die Wälder regelmäßig entlang öffentlicher Straßen und an Parkplätzen und sichern erkennbare Gefahren. Auf Waldwegen und im übrigen Wald gilt jedoch grundsätzlich: Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr. Besonders bei starkem Wind oder starkem Regen sollten Waldbesuchende den Wald möglichst meiden beziehungsweise besonders vorsichtig sein.

Kreisforstamt setzt auf vielfältige Mischbestände

Der Wald bleibt Lebensraum und Erholungsgebiet, gleichzeitig verändern Hitze und Trockenheit seine Bedingungen. Das Kreisforstamt versucht deshalb, die Widerstandskraft der Bestände zu erhöhen.

Dazu baut es Wälder gezielt zu vielfältigeren Mischbeständen um und stimmt die Bewirtschaftung auf den jeweiligen Standort ab. Damit sollen die Wälder besser mit den Folgen des Klimawandels und künftig häufiger auftretenden extremen Wetterperioden zurechtkommen.

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